Das zehnköpfige Gremium unter Vorsitz von Oberbürgermeister Guido Till traf sich im Business-Haus im Stauferpark. Der Ausschuss soll den Gemeinderat beraten und zwei bis drei Mal pro Jahr tagen. Auf Zustimmung stieß der Vorschlag von OB Till und der städtischen Wirtschaftsförderin Christine Kumpf, die Beratungen künftig in Firmen abzuhalten.

In der ersten Sitzung präsentierte Kumpf den Stadträten einen Bericht über die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung und versorgte die Politiker mit Daten und Fakten. So erfuhr der Ausschuss unter anderem, dass Göppingen über knapp 100.000 Quadratmeter freie Gewerbefläche verfügt, dass es 4447 Betriebe in der Stadt gibt und dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten von 2010 bis 2013 trotz des Wegfalls von Arbeitsplätzen leicht auf rund 29.500 gesteigert werden konnte. Vorgestellt wurden außerdem die Ergebnisse einer Unternehmensbefragung aus dem Jahr 2011, bei der Firmen nach ihrer Zufriedenheit mit dem Bildungs- und Kulturangebot, den sozialen Einrichtungen, der Verfügbarkeit von Wohnflächen, dem Service von Stadt und Wirtschaftsförderung, der Verkehrslage sowie der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und Arbeitskräften gefragt worden waren.

In der Diskussion, die sich anschloss, ging es um die Notwendigkeit, angesichts sinkender Einwohnerzahlen neue Wohnbau- und Gewerbeflächen auszuweisen. Angesprochene Themen waren außerdem die Verkehrslage im Göppinger Süden und die S-Bahn.

Im nichtöffentlichen Teil der Beratungen verständigte sich der Ausschuss darauf, insgesamt acht statt - wie erst geplant - fünf sachkundige Bürger zu den künftigen Sitzungen hinzuzuziehen. Der Gemeinderat soll den Namen der Wirtschaftsvertreter in Kürze zustimmen.

Ein Kommentar von Helge Thiele: Ein Kessel Buntes

Manchmal sollte man am Anfang nicht zu streng sein, sondern erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Das gilt auch für den neu geschaffenen Wirtschaftsausschuss des Göppinger Gemeinderats, der am Montag zum ersten Mal getagt hat. Angeleitet von der städtischen Wirtschaftsförderin Christine Kumpf setzten sich die zehn ordentlichen Mitglieder, darunter vier Fraktionschefs, mit Tabellen und Grafiken zur Göppinger Wirtschaftsstruktur auseinander. Das mag ein brauchbares Rüstzeug für strategische Überlegungen und Empfehlungen an den Gemeinderat sein. Die inhaltliche Arbeit muss nun folgen, will der neue Ausschuss seine Aufgabe erfüllen, die Stadt voranzubringen.

Trotz aller Milde: Die erste Sitzung hat daran Zweifel genährt. Noch mitten in der Präsentation der Wirtschaftsförderin begann eine Debatte, die an einen Kessel Buntes erinnerte. Ein bisschen Verkehrslage hier, etwas S-Bahn dort - garniert mit Arbeitslosenquote und Strukturwandel. Alles nicht falsch, aber nicht zielgerichtet. Vielleicht lag es daran, dass fast jeder zum Auftakt etwas Wichtiges sagen wollte. Immerhin wurde deutlich, wie die Themen zusammenhängen, wenn es drum geht, ein wirtschafts- und jobfreundliches Klima zu schaffen. Apropos Klima: Einzelne Politiker setzten im neuen Ausschuss ihren unappetitlichen Zoff aus der letzten Gemeinderatssitzung zum Thema Klausurtagung fort. Sehr zum Leidwesen derer, denen es um die Sache geht.