Museum Neue Träume für alte Gießerei

Mehrere Gebäude auf dem ehemaligen Boehringer-Gelände an der Stuttgarter Straße finden sich in der Liste der Kulturdenkmäler, darunter die "Gussputzerei" von 1909. Die Gießerei schwebt dem Göppinger Technikforum als idealer Standort für seine historische Maschinensammlung vor.
Mehrere Gebäude auf dem ehemaligen Boehringer-Gelände an der Stuttgarter Straße finden sich in der Liste der Kulturdenkmäler, darunter die "Gussputzerei" von 1909. Die Gießerei schwebt dem Göppinger Technikforum als idealer Standort für seine historische Maschinensammlung vor. © Foto: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 19.06.2015
Wenn es nach dem Technikforum geht, dann könnte die alte Gießerei auf dem Boehringer-Gelände Heimstatt für ein Industrie-Kulturzentrum werden. Allerdings steht die Zukunft des Areals in den Sternen.

Eine Märklin-Erlebniswelt auf der einen Seite der Stuttgarter Straße, ein Industriemuseum in der denkmalgeschützten alten Boehringer-Gießerei auf der anderen Seite. Das ist der Traum, dem die Göppinger Stadträte am Donnerstag mit großem Interesse lauschten - und mit Lob überschütteten.

Bahnbrechende Entwicklungen haben von Göppingen aus ihren Siegeszug in die Welt begonnen, sagte Christopher Goelz, Vorsitzender des Göppinger Technikforums, im Gemeinderat. Viele namhafte Industriepioniere hatten ihren Ursprung in der Filstalstadt. Von vielen dieser Traditionsfirmen sei allerdings nicht viel übrig. "Die meisten wurden verlagert, aufgelöst, abgerochen oder vergessen." Eine Ausnahme bildet die Firma Boehringer, die allerdings inzwischen im Konzern MAG aufgegangen ist und demnächst wieder einen neuen Eigentümer bekommt. Dass viele historische Boehringer-Maschinen, meist als Unikate, erhalten sind, darum hat sich das Göppinger Technikforum gekümmert. Goelz schilderte den Lokalpolitikern, wie ehrenamtliche Helfer im Jahr 2006 die 40 Tonnen schweren Maschinen aus einer komplett erhaltenen Münchner Firma retteten, darunter Boehringer-Exemplare aus den Baujahren 1880 bis 1930. "Sie müssen davon ausgehen, dass es viele dieser Maschinen nur noch einmal auf der Welt gibt", erläuterte Goelz. Nach einer Zwischenstation im Kohlekeller der WMF kamen sie 2007 in die ehemaligen Boehringer-Fuhrparkgaragen. Dort stehen sie noch immer. Die Schrauber vom Technikforum haben 4500 Arbeitsstunden in den Erhalt investiert.

Jetzt biete sich die Chance, die inzwischen noch um einige Schmuckstücke ergänzte Sammlung besser zu präsentieren, glauben die Vereinsmacher. Die Idee: In der ehemaligen Gießerei könnte sich ein Zentrum der Industriekultur im Kreis etablieren. Keimzelle dafür könnte die Maschinensammlung sein. Doch damit wäre es nicht getan, so Goelz. Das Hauptschiff des Industriedenkmals würde sich für Veranstaltungen aller Art eignen. Im Nebenschiff könnte in einer "Handwerkergasse" alte Berufe präsentiert und vermittelt werden. In Kombination mit einer derzeit diskutierten Märklin-Erlebniswelt auf der anderen Straßenseite wäre der Besucherzuspruch gesichert, so Goelz.

Er machte auch darauf aufmerksam, dass es Göppingens Ex-Oberbürgermeister Dr. Herbert König war, der im Jahr 1978 versuchte, das damals geplante Industriemuseum des Landes Baden-Württemberg unter den Hohenstaufen zu holen. Das misslang damals, Mannheim bekam den Zuschlag. Nun biete sich auf kleinerer Skala eine neue Chance, meinte Goelz.

Oberbürgermeister Guido Till und die übrige Rathausspitze schwiegen sich gestern zu der Idee aus. Dafür traf Goelz bei den Stadträten den Nerv. Sämtliche Fraktionen waren voll des Lobes und sicherten Unterstützung zu. Kein Thema war allerdings, wer das Ganze bezahlen könnte. Außerdem ist derzeit ungewiss, was mit dem alten Boehringer-Areal nach dem Verkauf überhaupt geschieht. "Was passiert, wenn die alte Gießerei nicht zur Verfügung steht?" Diese Frage stellte Christopher Goelz selbst. Alternativen sehe er nicht. "Man sollte deshalb auf jeden Fall schon mal mit den neuen Eigentümern reden".

Denkmalschutz für Gebäude auf dem Boehringer-Gelände

Denkmal Die Firma Boehringer steht nach Angaben des Regierungspräsidiums mit folgendem Umfang im Denkmalverzeichnis der Stadt Göppingen:

Sachgesamtheit "Firma Boehringer als Sachgesamtheit, bestehend aus einem ein- bis dreigeschossigen Industriekomplex mit Aufzugsturm und Pforte, Kantine, Modellschreinerei und Lehrwerkstätte von 1935 mit älterem Kern, der Gussputzerei von 1909. Außerdem das Verwaltungsgebäude mit Fassadenvorbau an der Stuttgarter Straße.

Fazit Die Erhaltung dieses Industriedenkmals liege "insbesondere wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes im öffentlichen Interesse."

SWP

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel