Wahl Cobet ist neue Sozialbürgermeisterin

Göppingen / Helge Thiele 26.01.2017

Kurz vor 18 Uhr war am Donnerstag im Großen Sitzungssaal des Göppinger Rathauses alles klar: Almut Cobet ist die neue Erste Beigeordnete der Stadt. Die 43-Jährige, die in Kirchheim den städtischen Fachbereich Bildung, Kultur und Soziales leitet, setzte sich in der notwendigen Stichwahl mit 27 Stimmen klar gegen Ulrike Haas durch, die auf 14 Stimmen kam.

Als Oberbürgermeister Guido Till das Wahlergebnis verkündete, brandet Beifall auf. Almut Cobet, die der FDP und den Freien Wählern nahe steht, reckt einen Arm in die Höhe, wenig später sagt sie: „Das ist gigantisch. Ich freue mich riesig.“ Die Siegerin, die von OB Till Blumen überreicht bekam, kündigte ihrerseits einen „Blumenstrauß an Ideen“ an. Jetzt gehe es darum, gemeinsam für die Stadt zu arbeiten.

Ulrike Haas, die bereits seit 16 Jahren in der Göppinger Stadtverwaltung arbeitet und dort das Referat für Kinder und Jugend leitet, erwies sich als gute Verliererin. Zumindest äußerlich war ihr der Schmerz ihrer am Ende doch deutlichen Niederlage nicht anzumerken. Sie hatte gleich zu Beginn ihrer Vorstellungsrunde betont: „Göppingen liegt mir am Herzen, Göppingen ist Heimat für mich.“

Der Gemeinderat war am späten Nachmittag zu einer öffentlichen Sitzung zusammengekommen, um die Nachfolgerin von Gabriele Zull zu wählen, die im September vergangenen Jahres zur neuen Oberbürgermeisterin von Fellbach gewählt worden war. Das Interesse war groß: Viele städtische Mitarbeiter und Bürger verfolgten die Wahl, im Rathaus mussten viele zusätzliche Stühle aufgestellt werden.

Von den ursprünglich 25 Kandidaten hatten es drei Frauen in die Endauswahl geschafft: Almut Cobet, die der FDP und den Freien Wählern nahe steht, Ulrike Haas, die im Eislinger Gemeinderat Fraktionsvorsitzende der Grünen ist, sowie Bettina Wilhelm, die der SPD nahe steht und noch bis April Erste Beigeordnete der Stadt Schwäbisch Hall ist.

Im ersten Wahlgang hätte eine der drei Bewerberinnen die absolute Mehrheit der Stadträte für den Sieg gebraucht. Nach der geheimen Stimmabgabe stand fest: Es kommt zur Stichwahl zwischen Cobet und Haas, denn Cobet erzielte zunächst 18 Stimmen, Haas 12 und Wilhelm 11.  Die Kandidatin aus Schwäbisch Hall, die mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein angetreten war und in ihrer Vorstellungsrede ausführlich dargelegt hatte, warum sie „die Richtige“ für das Amt in Göppingen sei, war damit aus dem Rennen. Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung wurden neue Stimmzettel ausgegeben, wieder traten die Stadträte den Weg zur Wahlkabine an. Cobet gelang es, ihren Vorsprung auszubauen – offenbar, weil sie nun auch Stimmen aus dem Wilhelm-Lager erhielt.

Die klare Mehrheit für die Bewerberin aus Kirchheim könnte, wie am Donnerstagabend erste Reaktionen aus der Fraktion der Grünen zeigten, für nachhaltige Verstimmung zwischen Grün und Rot sorgen. Bei den Grünen war man davon ausgegangen oder hatte zumindest gehofft, dass die SPD bei der Stichwahl Haas unterstützt.

Oberbürgermeister Guido Till betonte nach der Wahl, der Gemeinderat habe vor einer „äußerst schwierigen Aufgabe“ gestanden, da es in der Endauswahl „drei hervorragende Kandidatinnen“ gegeben habe. Till wünschte Bettina Wilhelm und Ulrike Haas alles Gute für die Zukunft und dankte für ihre Bewerbung.

Almut Cobet, die neue Erste Beigeordnete der Stadt Göppingen, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sie stammt ursprünglich aus Mühlheim an der Ruhr und hat nach ihrem Studium der Geschichte und der Europawissenschaften beruflich den Weg nach Süddeutschland gefunden, wo sie zunächst in Pforzheim, danach in Kirchheim/Teck in der Kommunalverwaltung tätig war beziehungsweise ist.

Das ist der neuen Bürgermeisterin wichtig

Politik: Sicherheit, Gerechtigkeit und Ordnung, die Förderung von Integration, der Ausbau der öffentlichen Bildungsinfrastruktur und die Pflege des kulturellen Lebens – diese Themen sind Almut Cobet besonders wichtig.

Arbeitsstil: Die Siegerin der Wahl hatte sich in ihrer Vorstellungsrede ein „planvolles und systematisches Arbeiten“ bescheinigt, das bürgerschaftliche Engagement sei ihr ein wichtiges Anliegen, betonte die 43-Jährige.

Wohnort: Almut Cobet lebt in Stuttgart-Botnang – das soll fürs erste so bleiben. Doch sie halte es mit James Bond – „Sag niemals nie“, meinte sie gestern. Für die Stadt Göppingen empfinde sie eine „große
Begeisterung“.

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