"Die Nachfrage nach dem Krisentelefon war groß", zieht Dr. Markus Löble, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Göppinger Klinikum Christophsbad, eine erste Bilanz. Der größte Erfolg: Es gab keine stationären Einweisungen über die Feiertage, die Probleme konnten oft bereits an der Hotline besprochen werden.

In den vergangenen Jahren waren es fünf bis zehn Patienten, die an den Weihnachtstagen stationär behandelt werden mussten. Das zeige, dass das Angebot eine sehr gute Wirkung hatte. "Einem Teil konnten wir tatsächlich telefonisch helfen - bei anderen ziehen die Fälle nun Gespräche und Termine in den kommenden Wochen nach sich, die wir aber ambulant versorgen können", erklärt Löble.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Niklas Gebele, Leitender Psychotherapeut, hat er die gut zwei Dutzend Anrufe entgegengenommen und viele Fragen direkt beantwortet. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da, das haben wir gemerkt", sagt Löble. Nun werde darüber nachgedacht, ob die Krisenhotline verlängert wird, die ursprünglich nur bis zum 8. Januar geplant war. Spätestens im Advent solle sie aber wieder angeboten werden, denn es sei wichtig, Ängste und Fragen bereits in den Wochen vor den Feiertagen zu besprechen.

Stress und hohe Erwartungen sowie die "ungewohnte Nähe" über Weihnachten führen in vielen Familien zu außergewöhnlichen Belastungen, die zu psychischen Krisen führen können. Dabei will das Team des Christophsbads helfen. "Unsere Ambulanz ist natürlich auch unabhängig von der Hotline zu den üblichen Öffnungszeiten für alle da, die Fragen und Probleme haben", erklärt Löble. In den wenigsten Fällen müsse stationär behandelt werden, in der Regel genügen ambulante Termine, um in Gesprächen die Situation aufzufangen und möglichst zu lösen.

Doch woran liegt es, dass verstärkt um die Weihnachtstage sich vor allem auch junge Patienten mit psychischen Problemen im Christophsbad melden? "In der Vorweihnachtszeit erwarten wir von unseren Angehörigen und auch von uns selbst oft ein besonderes Maß an Zusammenhalt, Harmonie und Geborgenheit. Nicht immer lassen sich diese hohen Erwartungen erfüllen. Dies kann zu Konflikten, Vorwürfen, Schuldgefühlen und sogar zu psychischen Belastungsreaktionen führen", erklärt Niklas Gebele. "Oft werden familiäre Konflikte oder psychische Belastungen übers Jahr hinweg ausgehalten und im Alltagsstress verdrängt. In der Vorweihnachtszeit brechen sie dann unter dem Druck der hohen Erwartungen hervor", ergänzt Markus Löble. Wichtig sei in jedem Fall, dass man in der Familie über dieses Thema spricht.

Den Anrufern konnten die Experten wichtige Ratschläge mit auf den Weg geben: "Besprechen Sie als Familie, wie Sie die Vorweihnachtszeit und vor allem die Feiertage verbringen wollen. Verständigen Sie sich gemeinsam darüber, was Ihnen wichtig ist und auch, vor welchen typischen Stressfallen Sie sich hüten wollen", sagt Löble. Man müsse sich gegenseitig auch Raum für Individualität und die Pflege außerfamiliärer Kontakte geben - danach sind die gemeinsamen Stunden oft wieder harmonischer und stressfreier.

Die Krisen-Hotline

Ambulanzzeiten Die Krisen-Hotline ist am Freitag, 8. Januar, von 14 bis 16 Uhr nochmals geschaltet. Die regulären Ambulanzzeiten bleiben unverändert: Eltern können auch weiterhin ihre Kinder in der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz montags, dienstags und donnerstags zwischen 8 und 17 Uhr und freitags zwischen 8 und 12 Uhr unter Telefon: (07161) 601-9369 anmelden. TIF