Kreis Göppingen Neue Dokumente gefunden

Auf der Intensivstation der Klinik am Eichert spielten sich rätselhaft anmutende Szenen ab. Klinik-Chef Jörg Martin bringt nun Licht ins Dunkel: Die verstorbene Patientin habe die Geistheilerin wohl doch gekannt. Foto: Archiv/Carlucci
Auf der Intensivstation der Klinik am Eichert spielten sich rätselhaft anmutende Szenen ab. Klinik-Chef Jörg Martin bringt nun Licht ins Dunkel: Die verstorbene Patientin habe die Geistheilerin wohl doch gekannt. Foto: Archiv/Carlucci
MANFRED BOMM 09.02.2012
Eine Geistheilerin illegal in der Intensivstation? Für Landkreiskliniken-Chef Dr. Jörg Martin entbehren die Vorwürfe von Angehörigen einer verstorbenen Patientin jeglicher Grundlage. Er legt Dokumente vor.

Die Ulmer Staatsanwaltschaft hat der Fall nicht interessiert - dafür den Geschäftsführer der Landkreis-Kliniken Professor Dr. Jörg Martin um so mehr. Denn Vorwürfe, die Hinterbliebene einer verstorbenen Patientin vorige Woche öffentlich erhoben haben, hatten für erhebliche Unruhe gesorgt - doch ohne Grund, versichert er.

Eine Erbengemeinschaft hatte den Verdacht geäußert, eine Geistheilerin sei illegal zu einer 92-jährigen Patientin in der Intensivstation der Göppinger Klinik am Eichert vorgedrungen, um anschließend Honorarforderungen an die Angehörigen richten zu können. Und dies möglicherweise sogar durch Mithilfe eines Klinik-Bediensteten, mit dem sie familiär verbunden sei. Martin hat deshalb eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen intensiv recherchiert. Das Ergebnis aus seiner Sicht: alles korrekt abgelaufen. Er könne dies "von A bis Z belegen", erklärte er gestern.

Die Großnichte der wenig später verstorbenen alleinstehenden Frau behauptet freilich, beim Besuch in der Intensivstation unerwarteterweise auf eine ihr zunächst fremde Frau getroffen zu sein, die sich als "enge Freundin" der Patientin vorgestellt habe. Dass es besagte Geistheilerin war, will ihr erst später bewusst geworden sein, als diese nach dem Tod der betagten Dame mit Honorarforderungen in Höhe von 160 Euro an die Erbengemeinschaft herangetreten sei. Weil aber keiner der Angehörigen jemals etwas von Kontakten der Verstorbenen zu einer Geistheilerin gehört hatte, wurde man misstrauisch, denn auch im Nachlass fand sich nichts, was darauf hindeutete.

Klinik-Chef Martin freilich beruft sich jetzt bei seinen Recherchen zu dem sechs Monate zurückliegenden Geschehen insbesondere auf die Angaben der Geistheilerin. Der Vorwurf, ein Klinik-Bediensteter habe ihr den Tipp auf die betagte Patientin gegeben und ihr Zutritt in die Intensivstation verschafft, entbehre jeglicher Grundlage. In Wirklichkeit habe die Geistheilerin den Hinweis auf den Klinik-Aufenthalt der 92-Jährigen von deren polnischer Haushaltshilfe bekommen - vermutlich im Wissen, dass die Patientin eher alternative Behandlungsmethoden bevorzugt habe. Dies belegten auch "vorliegende schriftliche Aussagen", wonach sie "intensivmedizinische Behandlungsmaßnahmen" ablehne. Martin verweist zusätzlich auf weitere Vermerke, denen zufolge die Patientin die Geistheilerin sogar gebeten habe, "sie zu gegebener Zeit beim Sterben zu begleiten".

Zum Beweis dafür, dass sich die Verstorbene über Jahre hinweg - offenbar ohne Wissen der Angehörigen - mit alternativen Methoden befasst hat, präsentiert Martin die Kopie einer Bescheinigung, die ihm die Geistheilerin zur Verfügung gestellt hat: Mit Datum vom 1. Juli 2005 bestätigt die Patientin, dass sie das Geistheilen wünsche. Zwei kopierte Listen belegen darüber hinaus fürs Jahr 2005 eine Vielzahl von Behandlungen, von der Patientin per Unterschrift bestätigt.

Einlass sei der Geistheilerin an diesem Augusttag erst nach Rücksprache mit der bereits anwesenden Großnichte gewährt worden, die nichts dagegen einzuwenden gehabt habe. Schließlich habe man sich von einer vorausgegangenen Geburtstagsfeier her gekannt. Doch das wird von der Erbengemeinschaft vehement bestritten: Diese Angaben seien "verdreht", heißt es. Der Chef der Landkreis-Kliniken nimmt den in die Schusslinie geratenen Familienangehörigen der Geistheilerin in Schutz: Es handle sich um einen absolut korrekten Klinik-Mitarbeiter, für den er die "Hand ins Feuer legen" würde.