Bei den Zuhörern in der Stadtbibliothek herrschte am Donnerstagabend gespannte Stille, als Burkhard Metzger aus seinem Buch „Es reicht! Gewalt gegen Polizeibeamte“ vorlas und den Zuhörern damit einen authentischen Einblick in den Berufsalltag von Polizisten bot. Metzger, der seit 34 Jahren Polizeibeamter ist, arbeitet als Vizepräsident des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. In seinem Buch widmet er sich konkreten Geschichten, die Kollegen erlebt haben. Diese Geschichten verdeutlichen, mit welcher neuen Dimension von physischer und psychischer Gewalt die Beamten tagtäglich zu tun haben.

Die verschiedenen Einsatzsituationen, die Metzger packend zu beschreiben weiß, vermitteln jene neue Art der Gewalt – ob ein betrunkener Besucher in einer Bar, der Polizisten unvermittelt mitten ins Gesicht schlägt, ein Mann, der Beamte mit Molotow-Cocktails bewirft oder Menschen, die durch „Suicide by cop“ Selbstmord begehen möchten: Alle Geschichten belegen, dass die Hemmschwelle, Polizeibeamten mit extremer physischer Gewalt zu begegnen, abgenommen hat. Metzger hob die hohe psychische Belastung hervor, mit der sich Polizisten nach Einsätzen dieser Art konfrontiert sehen. Als besonderes Beispiel stellte er den Einsatz von Polizisten beim Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden heraus.

Aber auch im alltäglichen Streifendienst habe sich die Situation für Polizisten verändert, wie ein Beamter des Göppinger Polizeireviers berichtete. Fast immer seien Drogen und Alkohol dafür verantwortlich, dass die Bereitschaft zu Gewalt und Beleidigungen sinke. Diese Entwicklungen würden durch den Wegfall einer nächtlichen Sperrstunde für Kneipen und Bars deutlich verstärkt. Metzger erklärte überdies, dass zunehmende Gewalt gegen Polizisten nicht nur um ein subjektiven Eindruck der Beamten selbst sei: In absoluten Zahlen seien im vergangenen Jahr landesweit 1780 Beamte Opfer von Gewalt geworden. Eine Zahl, die stetig steige.

Bei der Diskussion bewegte viele Zuhörer vor allem die Frage nach Gründen für diese Entwicklung. Durch viele Polizisten war die Debatte geprägt durch persönliche Ansichten und Eindrücke. An den Landtagsabgeordneten Jörg Matthias Fritz (Grüne), der die Veranstaltung initiiert hatte, wurde die Frage herangetragen, inwiefern die Politik jene Entwicklung hin zu mehr enthemmter Gewalt gegen Beamte beeinflussen könne. Überdies stellten mehrere Besucher heraus, dass politische Vorhaben wie die in Baden-Württemberg eingeführte Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte als unbegründetes Misstrauen gegenüber der Polizei empfunden würden. Einigkeit herrschte, dass die Aufgabe, Jugendliche und junge Erwachsene für einen respektvollen Umgang mit Polizisten zu sensibilisieren, der ganzen Gesellschaft zufalle. Eltern und Schulen können hier einen wichtigen präventiven Beitrag leisten.