Nach über 30 Jahren an der Spitze war Herbert Nill im vergangenen Jahr als Vorstandsvorsitzender der Wilhelmshilfe ausgeschieden. In einer Feierstunde stellte die neue Spitze des kreisweit im Bereich Pflege und Betreuung tätigen Vereins nun ihre Ideen und Konzepte für die Zukunft vor. Nachfolger Nills ist dessen früherer Stellvertreter Matthias Bär (52) geworden. Zur neuen Stellvertreterin wurde die Diplom-Pflegewirtin Dagmar Hennings (44) gewählt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Wilhelmshilfe, der frühere Landrat Franz Weber, sagte, sie bringe alle gewünschten Attribute mit: Frau, von außen kommend und mit pflegerischem Hintergrund.

Gemeinsam wollen Bär und Hennings den Herausforderungen begegnen. Hennings war zuletzt als Regionalleiterin der Zieglerschen Anstalten tätig. Dabei trug die Esslingerin Verantwortung für sieben Pflegeeinrichtungen. Ihr Herz schlage für die Fachlichkeit, erklärte die bei der Wilhelmshilfe nun offiziell als „Vorständin“ geführte Dagmar Hennings. Sie wolle sich weiterhin der Frage widmen, wie pflegewissenschaftliche Theorie in die Praxis umgesetzt werden kann.

Die mit Elan und vielen Ideen an ihre neue Aufgabe herantretende „Vorständin“ sieht sich dabei dem christlich-diakonischen Anspruch der Wilhelmshilfe und der Verbindung von Tradition und Innovation verpflichtet. Weiteres Ziel ist es, politisch Einfluss zu nehmen, um die Rahmenbedingungen zur Attraktivitätssteigerung der Pflegeberufe zu verbessern. Ein flexibles Dienstleistungsangebot aufzubauen und ambulante Angebote auszubauen, erachten sie und der Göppinger Matthias Bär als Gebot der Zukunft. Der Vorstandsvorsitzende sieht eine Aufgabe darin, die „starren Sektorengrenzen zwischen stationärer und ambulanter Hilfe“ aufzubrechen, neue Finanzierungskonzepte zu finden und die zunehmend gefragten „à-la-Carte-Dienstleistungen“ statt pauschaler Leistungsangebote mehr und mehr anzubieten.

Göppingens neue Erste Bürgermeisterin, Almut Cobet, berichtete in ihrem Grußwort, wie sie früher auch Führungsaufgaben „im Tandem“ wahrgenommen und damit gute Erfahrungen gemacht hatte. „Einer sitzt vorne, es geht in die gleiche Richtung, man muss die Balance halten und Gegenwind trotzen.“ Bär und Hennings riet sie, das Tandem in Schuss zu halten und auf jedes einzelne Zahnrädchen zu achten. Der Leiter des Sozialdezernats des Landkreises, Hans-Peter Gramlich betonte in seinem Grußwort den Gedanken des partnerschaftlichen Miteinanders zwischen dem Landkreis und der Wilhelmshilfe als größtem Dienstleister im Bereich der Altenhilfe des Kreises, auch wenn es manchmal harte Verhandlungen gebe: „Wir haben gemeinsam das Wohl der älteren Menschen im Blick.“

Zahlen und Fakten zu Pflege und Betreuung im Kreis


Ausgaben: 14,7 Millionen Euro wende der Kreis pro Jahr für pflegebedürftige Menschen auf, so Hans-Peter Gramlich. Insgesamt kostet die soziale Daseinsvorsorge rund 200 Millionen Euro, das seien 550 000 Euro pro Tag.

Komplex Die Wilhelmshilfe betreut mit ihren rund 650 Mitarbeitern circa 1000 Personen in sieben stationären Einrichtungen und zehn Einrichtungen des betreuten Wohnens, eine Sozialstation, eine Tagespflege und zwei Dialogcenter.

Begriff „Vorständin“ ist ein neues, politisch korrektes Wort, wird aber eher selten benutzt.