Es gab Häppchen und Getränke, Kaffee und Butterbrezeln, auf den Stehtischen standen bunte Blumensträuße. Transnet BW hatte sich große Mühe gegeben, seinen Gästen den Aufenthalt in der Remstalhalle in Lorch-Waldhausen möglichst angenehm zu gestalten. Und das hatte seinen Grund: Plant die ENBW-Tochterfirma doch eine 380-Kilovolt-Stromtrasse von Goldshöfe bei Aalen via Schwäbisch Gmünd-Lindach nach Ebersbach-Bünzwangen. Und bevor die Planung richtig begonnen hatte, gab es schon jede Menge Kritik an der Informationspolitik des Netzbetreibers. So wollte Transnet nun alles richtig machen und lud die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden am Montag zu einem erneuten Informationsabend ein.

Wichtigstes Thema bei dem Treffen: Wie soll die Bürgerbeteiligung bei der Planung der Höchstspannnungsleitung vonstatten gehen? Peter Lang, Leiter Anlagenmanagement bei Transnet, erläuterte den rund 60 Zuhörern das geplante Vorgehen. Demnach umfasse die Beteiligung drei Stufen: Bei jeweils einer Veranstaltung pro Trassenabschnitt (siehe Infokasten) soll die breite Öffentlichkeit bis Ende April informiert werden. Im Mai und Juni sollen dann die sogenannten "Trassierungswerkstätten" stattfinden. Hierbei sollen pro Abschnitt jeweils 30 Teilnehmer Vorschläge für einen möglichen Trassenverlauf in ihrem Gebiet erarbeiten.

Die Hälfte der Teilnehmer sollen Bürgermeister und Experten der Kommunen sein, die andere Hälfte Akteure aus Vereinen und Verbänden, die von den Rathauschefs vorgeschlagen werden. Es soll aber auch Arbeitsphasen der Werkstätten geben, wo jeder Interessierte eingeladen ist, mitzumachen. Pro Abschnitt sollen schließlich maximal drei Korridorempfehlungen vorliegen. Diese werden dann im Juli zusammengeführt und vorgestellt. Anschließend sollen die Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren vorbereitet werden, vorgesehen ist, diese Anfang 2014 einzureichen.

Skepsis machte sich unter den Bürgermeistern angesichts des Zeitrahmens breit. So meinte etwa Jochen König aus Eschach: "Der Zeitplan ist sehr sportlich." Franz Wenka aus Börtlingen fragte: "Angenommen, vier oder fünf Gemeinden einigen sich auf eine Trasse, hat die dann absolute Priorität und scheitert auch nicht an den Kosten?" Peter Lang bejahte dies uneingeschränkt, doch Wenka blieb skeptisch: "Kommt das ins Protokoll?"

Der Gmünder OB Richard Arnold wies auf die Ängste der Bevölkerung hin: "Bisher ist es so: Das Ganze wird von den Bürgern als Bedrohung aufgefasst." Mit Verweis auf bestehende Bürgerinitiativen im Gmünder Raum forderte Arnold: "Es ist wichtig, dass sich jetzt in allen Gemeinden Bürgerinitiativen gründen, die sich dann in den Prozess einbringen." Wangens Bürgermeister Daniel Frey wollte wissen, wie sich Transnet den Proporz in den Trassierungswerkstätten vorstelle, ob denn größere Städte mehr Teilnehmer entsenden dürfen als kleine Kommunen. Dies wurde verneint, jede Gemeinde solle gleich vertreten sein.

Eine Anregung gab Karl Vesenmaier, Bürgermeister von Wäschenbeuren, Transnet mit auf den Weg: "Es ist ja schön, dass es hier Kaffee und Brötchen gibt, aber ein USB-Stick kostet fünf Euro - und dann hätte jeder die Informationen mitnehmen können." Transnet-Sprecherin Angela Brötel war begeistert: "Das ist eine klasse Idee, das machen wir nächstes Mal."


 

Elf Kommunen im ersten Abschnitt 

Für das Dialogverfahren wird die Trasse in vier Abschnitte unterteilt. Aus den Kommunen der Abschnitte werden dann Bürgermeister, Funktionäre und Bürger in die "Trassierungswerkstätten" berufen. Zudem gibt es pro Abschnitt im April eine öffentliche Infoveranstaltung.

Diese Kommunen sind im Abschnitt 1 der Trasse zusammengefasst: Ebersbach, Albershausen, Uhingen, Göppingen, Wangen, Rechberghausen, Birenbach, Börtlingen, Adelberg, Wäschenbeuren, Schorndorf. Aus dem Kreis Göppingen sind keine weiteren Gemeinden betroffen.

Gesamtkosten: Erstmals hat Transnet BW am Dienstag auf Anfrage eine Schätzung für die Gesamtkosten der neuen Trasse bekanntgegeben. Demnach gehen die Experten des Unternehmens von 110 Millionen Euro aus, inklusive Erweiterungen in den Umspannwerken.