Göppingen / JÜRGEN SCHÄFER Haben Neonazis am Volkstrauertag ein sogenanntes Heldengedenken in Göppingen veranstaltet? Im Internet zumindest brüsten sie sich damit. Für die Stadt wäre es eine Straftat.

Schockierende Botschaft im Internet: Dort brüsten sich die „Autonomen Nationalisten Göppingen“ damit, sich am Volkstrauertag am Kriegerdenkmal in den Oberhofenanlagen versammelt zu haben, um der „gefallenen Helden zu gedenken“. Etwa 25 „heimattreue Deutsche“ seien es gewesen, die da einen Kranz und die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreichs niedergelegt hätten. Dazu seien sie in Zweier-Reihen, Kranz und Fahne voran, auf den Platz des Denkmals marschiert. Ein Bild im Internet zeigt das Kriegerdenkmal mit diesen Attributen, ergänzt um ein Soldatenfoto zwischen den Kranz-Schleifen, ein anderes etwa 20 Personen, die im Halbkreis vor der Kulisse des Mörike-Gymnasiums stehen. Darunter auch eine Frau mit zwei Kindern. Alle Gesichter sind unkenntlich gemacht. Eine Rede sei auch gehalten worden, Lieder seien gesungen worden. Der Sinn des Aufmarsches in der Sprache der Neonazis: „den toten Ahnen ehrenvoll gedenken, frei vom staatlich aufgezwungen Schuld und Sühne-Dogma.“

Aufmarsch im Park offiziell nicht bestätigt

Ob das Realität war oder nur im Internet fingiert, weiß man bei der Stadt Göppingen und der Polizei nicht. „Wir haben keine Hinweise aus der Bevölkerung bekommen“, sagen beide. Es wäre ein bisher neuer Fall für Göppingen, sagt Pressesprecher Olaf Hinrichsen, der das auch für möglich hält – Neonazi-Umtriebe gab es dieses Jahr zuhauf.

Die Stadt will sich dagegen wehren. Nach ihrem Verständnis wäre eine solche Veranstaltung anmeldepflichtig gewesen, und das sei nicht geschehen. Somit hätte man es mit einem Verstoß gegen das Versammlungsgesetz zu tun. „Für uns ist das eine Straftat“, so Hinrichsen.

Michael Bischofberger, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zieht das in Zweifel. Das sei nicht zwingend strafbar, es komme auf die Umstände an.

Hinrichsen sieht durch solches „Heldengedenken“ den Gedanken des Volkstrauertages pervertiert.“ Der sei nach dem Ersten Weltkrieg begründet worden, um Trauer und Leid Ausdruck zu geben. Sein Sinn sei es, Lehren aus der Geschichte zu ziehen und zu ermahnen: „Sowas darf sich nicht wiederholen.“