Mit insektenfreundlichen Blühflächen, nachhaltigen Blumenwiesen, bunten Staudenmischungen und heimischen Wildpflanzen geht die Stadt Göppingen neue Wege. Das soll zeigen, wie öffentliches Grün menschliche Bedürfnisse erfüllt, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördert.
Dazu verschenkt die Stadt Göppingen in den letzten beiden Aprilwochen 2000 Samentüten für einen blütenreichen Schmetterlings- und Wildbienensaum. Pro Haushalt wird eine Blumensamentüte abgegeben. Eine Portion reicht für 2,5 Quadratmeter Wildblumenbeet. Wie die Stadt mitteilt, können auf diese Art mehr als 60 bunt blühende Wildblumenarten wie beispielsweise Natternkopf und Glockenblume im Garten wachsen.
Weil sich die Hohenstaufenstadt seit Jahrzehnten für den Natur- und Artenschutz einsetze, werde Göppingen in diesem Jahr als Pilotgemeinde eine wichtige Vorreiterrolle im landesweit angestrebten Biotopverbund übernehmen. Heimische Tier- und Pflanzenarten sollen durch dieses Projekt noch besser geschützt, wichtige Lebensräume wiederhergestellt, durch geeignete Pflege erhalten und miteinander vernetzt werden.
Die Stadtverwaltung betont, dass ergänzend zu den Biotopflächen in Göppingen auch Ausgleichsflächen für Bauvorhaben  so angelegt werden, dass sie der Natur dienen. Aktuell werde beispielsweise eine 1800 Quadratmeter große Brache für Feldlerchen angelegt. Hierzu wird im Frühjahr 2021 auf einer Ackerfläche eine Mischung aus niedrigen Wild- und Kulturpflanzen eingesät mit offenen Bodenstellen, die die Feldlerche als Bodenbrüter benötigt.
Oberbürgermeister Alex Maier sagt, er unterstütze die neuen Wege des Umweltschutz- und Grünordnungsamtes und freue sich, dass Göppingen mit seinen Blühflächen maßgeblich zum Insekten- und Klimaschutz beiträgt.

Beispiele in der Stadt

Die Gestaltung und Pflege der etwa 63 Hektar umfassenden, städtischen Grünanlagen liegt in den Händen des Referates Umweltschutz und Grünordnung und wird mit dem Personal des städtischen Betriebshofes und externen Firmen bewerkstelligt. Erste Erfahrungen mit besonders insektenfreundlichen Blühflächen wurden 2016 mit einer Staudenmischpflanzung in der Kastanienstraße und in der Grünanlage beim Freibad gesammelt. Was mit wenigen Flächen auf insgesamt 700 Quadratmetern begann, entwickelte sich zu einem kontinuierlichen Prozess: bis 2021 wurden insgesamt 54 Flächen mit zusammen sechs Hektar mit unterschiedlichen insektenfreundlichen Blühmischungen eingesät, bepflanzt und gepflegt. Seit einigen Jahren seien auch viele Göppinger Flächen mit echten heimischen Wildpflanzen der Firma Rieger-Hofmann eingesät. Blumenwiesenmischungen mit mehr als 60 Wildarten wachsen seit dem Jahr 2007 beispielsweise auf der ehemaligen Ausgleichsfläche Stauferpark Steinschmätzer (4,8ha), im Eidechsenbiotop Bartenbach mit 2900 Quadratmetern und aktuell an der Kreuzung Wielandstraße/Holzheimer Straße mit 1500 Quadratmetern.
Heimische Wildpflanzen oder echtes Wildpflanzensaatgut sind für viele Gärtner schwer zu erkennen, betont die Stadtverwaltung. Begriffe wie Blumenwiesen, Wildpflanzen oder Naturgärten seien gesetzlich nicht geschützt und können in Deutschland beliebig verwendet werden. Deshalb sei es wichtig, genau auf die Herkunft, das Ausgangssaatgut, die Wildpflanzenbetriebe und gute Qualitätssiegel wie beispielsweise das Siegel vom Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten zu achten.
Nicht jeder muss seinen Garten in einen Naturgarten umwandeln, betont die Stadt. Auch kleine Teilbereiche können mit insektenfreundlichen Wildblumen eingesät werden: kleine und große Beete, Terrassenränder, Säume entlang von Hecken, Wildblumeninseln im Rasen, Teichränder sowie Balkonkästen, Tröge und Kübel eignen sich für heimische Wildblumen.

Samen gibt es bei den Bezirksämtern


Abholung Interessierte Hobbygärtner können sich die Tüten mit dem „Schmetterlings- und Wildbienensaum“ bei den Bezirksämtern in Faurndau, Hohenstaufen, Maitis, Holzheim, Jebenhausen, Bezgenriet, Bartenbach sowie beim i-Punkt in Göppingen am Marktplatz abholen.

Vielfalt Wildpflanzen derselben Art wachsen und blühen oft unterschiedlich, manchmal sogar zeitlich versetzt. Über die Gartensaison verteilt wechseln sie sich ab. Beete und Kübel sehen  deshalb jede Woche anders aus. Nach den Hauptblütemonaten Mai bis Juli reifen auf den Blühflächen langsam die Samenstände heran. Sie bleiben bis zum nächsten Frühjahr als wichtiges  Wintervogelfutter stehen.