Närrische Machtübernahme

CS/SH/TUT/EB/JK/ACK 17.02.2012
Die Weiber triebens bunt. Die Rathausmannschaft hatte keine Chance. Im Schurwald und im Voralbgebiet wurden die Bürgermeister gestern der Krawatte entledigt, in Netze gepackt oder schlicht geschultert.

Kreis Göppingen - In Wäschenbeuren herrschte schon früh morgens reges Treiben um und im Rathaus. Senioren, Kindergartenkinder und Grundschüler der zweiten und vierten Klasse besuchten den Rathaussturm. Organisiert wurde der Brauch vom Brauchtumsverein Wäschenbeuren. "Flecka Hexa", "Wäschweiber" und "Krettabachkatza" waren ebenso dabei wie die "Ranzige Füchs" und die Guggenmusiker "Nausstrager".

"Jetzt gehts los", ruft Marco Schmid, Vorsitzender des Brauchtumsvereins. Mit Rufen und Rätschen rennen die Narren ins Rathaus und gehen "Karle" Vesenmaier an die Krawatte. "Noch regiere ich", ruft dieser zunächst wild entschlossen, sein Reich zu verteidigen. Der kämpferische Schultes wird dann auf dem Rathausplatz von den Kindern überstimmt. Sein Regiment wird unter Aufsicht der vielen Kinder von den Wäschenbeurer Narren unter Gejubel übernommen.

In Bartenbach stürmten gestern Morgen die Meerbachhexen den Kindergarten und unterhielten die Kleinen mit einem musikalisch-närrischen Programm. Spiele gehörten ebenso dazu, wie eine höchst närrische Schminkaktion. Der närrische Auftakt im Kindergarten ist der Ersatz für den abendlichen Sturm aufs ehemalige Bartenbacher Rathaus, den es seit einigen Jhren nicht mehr gibt.

Ramba-Zamba in Uhingen. Dort bliesen gestern die Kinder der Kindertagesstätte Schmiedefeld mit ihren Erzieherinnen zum Sturm auf das Rathaus. Mit viel Getöse fielen sie ins Foyer ein, wo sie von Bürgermeister Matthias Wittlinger empfangen wurden. Der Schultes hatte sichtlich Spaß an der bunten Narrenschar, die von einem riesigen rosaroten "Hasen" begleitet wurde. Und zur Freude der Kinder war der Rathauschef bei der wilden Konfettischlacht mittendrin dabei.

Krawatten zum Abschneiden sind im Rathaus von Adelberg bekanntlich rar, denn dort arbeiten ausschließlich Frauen. Also mussten sich die Adelberger Hundsholzhexen gestern etwas anderes einfallen lassen, um Bürgermeisterin Carmen Marquardt ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Über die Schultern geworfen, trug eine der Hexen die Rathauschefin zum neu eröffneten "Campingplatz" direkt vor dem Rathaus. Dort stand schon der erste Campinganhänger, weitere sollen bald folgen.

Da Marquardt ab sofort bis Mittwoch vom Rathausdienst suspendiert sei, schlug ein Hästräger vor, ihr bis dahin eine der vielen freien Stellen in Adelberg zu geben. Sie wurde damit zur "Frau Dottore" vorgeschlagen, die bis zum nächsten Dienstag die kleinen Wehwehchen der Adelberger behandeln dürfe. Mit einem hoffentlich dicken Geldbeutel machte sich die närrische Meute schließlich auf zur nächsten Kneipe im Ort, um auf Kosten der Bürgermeisterin ihren Durst zu löschen.

Der Rathaussturm in

Rechberghausen - , der dieses Jahr wegen der Baustelle im Hinterhof des Rathauses stattfinden musste, wurde durch einen anfeuernden Countdown der Narren eingeleitet. Nach einem Trommelwirbel des Fanfarenzuges Rechberghausen war es wieder so weit: "No däd ih saga, dend ammol die Halunga raustreiba", rief Schlossgeist Ihim, der die Kommunalpolitiker jedes Jahr am Gombiga Doschdig das Fürchten lehrt.

Nachdem Schultes Ruf und die Gemeinderäte aus ihrer Trutzburg herausgetrieben waren, mussten sie sich jede Menge Gespött über das "Loch vor dem Rathaus" oder den "unfassbaren Krater" anhören. Geist Ibrahim vermutete, dass Bürgermeister Ruf dort nach Goldnuggets graben würde, um die Kassen der Gemeinde aufzubessern.

Immer wieder war von Narren und Publikum der Narrenruf "Hausa, mach nora!" zu hören. Nach Ihims Standpauke übernahm Ruf selbst das Wort: "Hausa, mach. . ." rief er, ". . .Nora!" ergänzte das Publikum. Der entmachtete Rathauschef gab zu verstehen, dass er sich auf die freien Tage freue und bedankte sich bei den Furchenrutschern für den Tanz, den sie aufgeführt hatten. Wehmütig übergab er schlussendlich dann doch den Rathausschlüssel.

"Psst, nichts verraten, ich werde am Eingang Schnapsgläser voll mit Eierlikör deponieren", verrät in Heiningen Bürgermeister Norbert Aufrecht und schleust seine geheime "Abwehrwaffe" gegen die Machtergreifung der Kirschkernspucker heimlich ins Rathaus. Doch die Heininger Narrenzunft zeigte sich auch beim 4. Rathaussturm unbestechlich. "En Tunnel vom Penny bis zur Göppinger Stoig, net bloss fürs Auto, au für alle Leit. Links ond rechts vom Fahrbahnrand, a Dauerfußgänger-Laufband", forderte Ralf Kirschkern-Schwantzer vom Schultes, welcher vom sicheren Fenster aus gleich konterte: "Mr kent moina, die send mit de Griecha verwandt, koi Geld em Sack ond Schulda uff dr Bank." Doch selbst Verbarrikadierung sowie der Ruf nach Polizeischutz nützen nichts. Unter lautem Gelächter der Zaungäste und der Guggenmusik der Nenninger Schneckafiedler nahmen die Narren dem Gemeindeoberhaupt schließlich den Schlüssel weg und trugen ihn gut vernetzt via Leiter aus dem Rathaus ins warme Festzelt.