Nachdem in der vergangenen Woche bei einem Journalisten in Göppingen eine Fensterscheibe eingeworfen wurde, traf es nun den Linken-Stadt- und Kreisrat Christian Stähle und dessen Vermieter: Im Treppenhaus sprühten Unbekannte in der Nacht zu Montag ein Hakenkreuz und Drohungen. Die Polizei schließt einen Zusammenhang zwischen den Taten nicht aus.

Nicht nur Farbe wurde in dem Haus in der Göppinger Innenstadt versprüht, der oder die Unbekannten haben auch einen Wasserhahn im Treppenhaus aufgedreht. Der Schaden ist allerdings gering: „Dabei wurden mehrere im Flur gelagerte Gipssäcke unbrauchbar“, berichtet Polizeisprecher Rudi Bauer.

Vor kurzem wurde auch das Büro der „Stuttgarter Zeitung“ in Göppingen mit dem Begriff „Lügenpresse“ besprüht, im November wurden Kugeln mit Teerfarbe an die Hausfassaden des Linken-Kreisvorsitzenden Thomas Edtmaier sowie des Journalisten Andreas Scheffel geworfen. Beide waren als Zeugen zu einem Prozess gegen einen Neonazi geladen. Scheffels Haus im Reusch, in dem er zur Miete wohnt, war es auch, in dem in der Nacht zu Freitag eine Fensterscheibe klirrte, ein Stein lag auf dem Boden im Haus.

„Wir sehen das natürlich schon im Zusammenhang“, meinte am Montag Polizeisprecher Bauer. Stecken demnach dieselben Täter hinter den Anschlägen? „Das können wir nicht ausschließen“, meint Bauer. „Wir haben zwar keine Hinweise auf einzelne Täter, aber wir kennen das Umfeld der Szene.“ Auch Scheffel glaubt zu wissen, wer hinter den Taten steckt, er nennt einen Namen: „Der Dritte Weg.“ Die Partei gilt als Sammelbecken für Neonazis und trat im Landkreis erst in Erscheinung, als die „Autonomen Nationalisten Göppingen“ (ANGP) vom Innenministerium verboten wurden.

Vier ehemalige ANGP-Mitglieder waren im August 2015 vom Landgericht Stuttgart wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden, ein Jahr später wurde bekannt, dass der Bundesgerichtshof die Urteile aufgehoben hatte. Seitdem hat auch „Der Dritte Weg“ seine Aktivitäten wie etwa Infostände oder Kundgebungen verstärkt, immer wieder tauchen auch Aufkleber der Kleinstpartei im Stadtgebiet und im Landkreis auf. „Die sind wieder hoch aktiv, das ist keine Frage“, meinte denn auch Stähle am Montag nach den Hakenkreuz-Schmierereien im Treppenhaus. „Verrecke“, sprühten die Täter unter anderem.

Die Neonazis der Partei äußern im Internet unverhohlen ihre Freude über die Attacken: Dass „sich jetzt über ein wenig Farbe derart mokiert wird, ist ... nur als scheinheilig und inkonsequent zu sehen“, schrieben sie nach den Beschädigungen von Scheffels und Edtmaiers Hausfassaden im November. Und weiter: „Sollten die Täter tatsächlich aus politischer Motivation heraus gehandelt haben und dem politisch gegnerischen Lager entstammen, dann kann man den beiden roten Herrschaften nur mit auf den Weg geben: sowas kommt von sowas.“