NACHGEFRAGT: Wie wars im Schlossgarten?

Raimund Wimmer: "Es war auf eine gewisse Art ein Schlussstrich."
Raimund Wimmer: "Es war auf eine gewisse Art ein Schlussstrich."
SWP 16.02.2012
Die ganze Nacht zum Mittwoch harrte der 63-jährige Göppinger Raimund Wimmer im Stuttgarter Schlossgarten aus. Arnd Woletz hat ihn gefragt, wie er die Räumung des Baugeländes durch die Polizei erlebt hat.

Herr Wimmer, Sie sind seit Jahren beim Protest gegen Stuttgart 21 aktiv. Nun haben Sie bei der Blockade des Schlossgartens die vergangenen 24 Stunden im Freien verbracht. Wie verlief die Räumungs-Aktion aus Ihrer Sicht?

RAIMUND WIMMER: Es lief sehr ruhig ab. Die Stimmung bei den Demonstranten war natürlich gedrückt, weil man sich einer Übermacht der Polizei gegenüber sah, als die Räumung um drei Uhr nachts begann. Polizeipräsident Züfle hat ja anschließend in seiner Pressekonferenez auch die überwiegend friedlichen Demonstranten gelobt - abgesehen von ein paar Ausreißern, die aus der zweiten Reihe die Polizisten beleidigt haben. Das muss man auch ein Stück weit verstehen. Die Nacht war für die Demonstranten sehr emotionsgeladen. Im Gegensatz zu der Aktion am 30. September 2010 haben die Polizisten die Blockierer aber mit Samthandschuhen angefasst. Damals der Wasserwerfer-Beschuss, das war brutal.

Warum war die Räumung für Sie so emotionsgeladen?

WIMMER: Weil es auf eine gewisse Art ein Schlussstrich war. Wir standen das letzte Mal in diesem Schlossgarten. Der Südflügel des Bahnhofs ist weg, die Bäume werden abgeholzt, es fehlen also die Symbole. Die Bahn hat eben eine Politik der vollendeten Tatsachen betrieben - wie schon beim Nordflügel. Das Gebiet dort liegt auch ein Jahr nach dem Abriss immer noch brach.

Die Schlichtung ist gelaufen, das Ergebnis der Volksabstimmung war eindeutig für den Weiterbau. Nun sind auch noch die Protest-Symbole weg. Bricht der Widerstand nun auch unter den schärfsten Gegnern zusammen?

WIMMER: Ich glaube nicht, dass der Widerstand deshalb abbricht. Wir werden zwar nicht mehr mit Trillerpfeifen am Zaun stehen. Es wird aber andere Aktionsformen geben, ohne dass ich heute schon sagen kann, welche. Es gibt ja noch viele offene Fragen und laufende Gerichtsverfahren. Der nächste Streit ist programmiert, weil die Polizei am Mittwoch auch Äste an geschützten Bäumen abgesägt hat. Jetzt müssen wir aber erst einmal diesen Tag verdauen und die Wunden lecken.

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