Mehr als 15 000 jüdische Kinder und Jugendliche konnten 1938/39 vor dem Holocaust gerettet werden, weil ihre Eltern bereit waren, sich von ihnen zu trennen und sie alleine in die Fremde zu schicken – auf einem sogenannten Kindertransport.   Eines dieser Kinder war Arthur Kern, der am 14. März 1939 – also vor genau 80 Jahren – Frankreich erreichte. Kern lebte gemeinsam mit 200 anderen Kindern in deutsch-jüdischen Kinderheimen. Doch dann marschierte die deutsche Wehrmacht in Paris ein und trieb die Kinder ein zweites Mal in die Flucht.

Der Vortrag über das Schicksal von Arthur Kern findet anlässlich der Woche der Brüderlichkeit am Dienstag, 12. März, um 19.30 Uhr im Jüdischen Museum in Jebenhausen statt. Der Vortrag beruht auf Lilly Maiers jüngst erschienener Biografie „Arthur und Lilly. Das Mädchen und der Holocaust-Überlebende“ (Heyne Verlag).

Der Holocaust-Überlebende Arthur Kern besuchte über 60 Jahre nach seiner Verschickung mit einem Kindertransport seine alte Heimat wieder und fragte an, ob er die Wohnung seiner Kindheit besuchen dürfe. Als er im März 2003 an seiner alten Wohnungstür klingelte, war die Autorin Lilly Maier mit elf Jahren nur wenig älter als der jüdische Junge von damals, der seine Familie für immer verlassen musste.

Die Begegnung bildete den Beginn einer innigen Freundschaft. Inspiriert von der Bekanntschaft mit Arthur nahm Lilly Maier an dem Schülerprojekt „A Letter To The Stars“ zum Thema Holocaust teil und recherchierte die Biografie seiner Mutter.

Als eine Tageszeitung die Geschichte aufgriff und ein Bild von ihr abdruckte, in dem sie ein Foto von Arthurs Mutter in der Hand hielt, geschah etwas schier Unglaubliches: Die 83-jährige Wienerin Valerie Bartos meldete sich bei der Zeitung und nahm Kontakt mit ihr auf. Sie hatte seit 1941 den Nachlass von Arthurs Familie aufbewahrt, den ihr Arthurs Vater kurz vor seiner Deportation anvertraut hatte. 2003 erhielt Arthur Kern so nach über 60 Jahren ein letztes Paket von seiner Familie.

Info Karten gibt es an der Abendkasse.