Auftritt Muthspiel spielt eindrückliches konzert

Wolfgang Muthspiel (Mitte) und die beiden anderen Musiker des Chambertrio beeindruckten im Alten E-Werk.
Wolfgang Muthspiel (Mitte) und die beiden anderen Musiker des Chambertrio beeindruckten im Alten E-Werk. © Foto: Carlucci
Göppingen / Stefan Renner 14.01.2019

Wolfgang Muthspiel war am vergangenen Samstag mit seinem spielfreudigen Chambertrio eigens nach Göppingen angereist. Zum Trio gehörten neben Muthspiel noch Matthieu Michel an Trompete und Flügelhorn und Colin Vallon am Piano; beide stammen aus der französischen Schweiz.

Ältere und neuere Stücke, etwa solche aus Muthspiels jüngst, abermals beim renommierten Münchner Label ECM erschienenen Album, standen im Zentrum dieses feinsinnigen Konzertabends. „Where the River goes“ lautet sein Titel. Dieser könnte sinnbildlich fürs Zusammenspiel der drei Musiker stehen. Denn viele Stücke wurden in einen rhythmisch und melodiös fließenden Kontext gesetzt, der nie an Spannung verlor. Mal wurde dieser durchs freie Interagieren und sensible, aufeinander eingehende Zusammenspiel in die eine Richtung, mal in die andere gezogen.Unter der zumeist melodiösen Oberfläche manch eines Stückes brodelte es harmonisch, rhythmisch vertrackt oder durch sich spannungsreich verzahnende Picks und Riffs.

Der Grundcharakter der Stücke, die allesamt aus der Feder Muthspiels stammten, blieb eher ruhig – die einen wirkten dabei abstrakter, andere improvisierter, wieder andere liedhaft – eines wurde von Muthspiel selbst gesungen, sein Titel „Austria“. Konzentriert und dicht vorgetragene Kollektivimprovistionen, reihten sich an unbegleitete Solopassagen und an solche, die die klassische Aufteilung zwischen Solist und Begleitung aufrechterhielten.

Der Abend begann mit einem Soloauftritt Muthspiels, der durch Loopeffekt und einen „Wiederholungseffekt“ mit sich selbst einen Kanon im 5/4 Takt spielte. Dann betraten die beiden sich sensibel einbringenden Musiker aus der französischen Schweiz die Bühne. Vallon, der immer stück­dienlich, zurückhaltend und in feiner Dynamik agierte und Michel, der mit leicht gedämpftem, geschmeidigen Ton in eleganten, leicht melancholischen Linien auf die Stücke und ihre Atmosphäre einging. Die Stücke „Looking For Elba“, „For Django“, „Descendants“ und „Where The River Goes“ wurden so in zarten, fließenden, weiten Klangräumen entwickelt, die die Möglichkeiten dieses kleinen Formats aufzeigten. Freiräume wurden genutzt und gestaltet und dies in strukturierter Form und im Kollektiv und: über Blickkontakte. Dass kein Schlagzeug vorhanden war, tat dem rhythmischen Spiel und Fluss keinen Abbruch. Die Musiker verstanden es, diesen über ihr Spiel, das zum Teil auch rein perkussiv angelegt war, zu entwickeln.

Nach einer Zugabe endete ein Konzertabend, über den man nicht wenige Besucher dann sagen hörte: „Das war ein tolles Konzert!“

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