Musical Musikfeuerwerk mit Esprit

Rund 50 Gassenhauer bildeten den Rahmen um die Geschichte „Ab in den Urlaub“. Die Darsteller brachten das stimmige Paket überzeugend auf die Bühne.
Rund 50 Gassenhauer bildeten den Rahmen um die Geschichte „Ab in den Urlaub“. Die Darsteller brachten das stimmige Paket überzeugend auf die Bühne. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / SABINE ACKERMANN 14.03.2018

Dass die fiese Grippewelle auch vor „Pseudo-Urlaubern“ nicht halt macht, erfuhr das Publikum bei „Ab in den Urlaub“ vor Beginn der Unterhaltungsshow. Ein Mitarbeiter bat die Besucher in der Stadthalle um Verständnis: „Unterstützen Sie bitte die Kollegin, sie hat die Rolle quasi über Nacht gelernt“. Wäre niemandem aufgefallen. Insofern ein dickes Lob an Nadia Aiche, die als „Anita“ genauso souverän auf der Bühne stand, wie die fünf anderen Darsteller. Und an Espen Nowacki, denn schließlich hatte der künstlerische Leiter mit seinem schnellen Ersatz dafür gesorgt, dass die 400 „Reisegäste“ doch noch in den Genuss einer rundum gelungenen Veranstaltung kamen.

Selten war die Stimmung in der Stadthalle Göppingen so ausgelassen, nur wenige, die es nicht von den Stühlen riss. Alles klatscht. Alles schunkelt. Und gefühlt alle singen mehr oder weniger laut mit. Das sechsköpfige Ensemble hat Spaß, überträgt diesen an das Publikum, mischt sich unter die Zuschauer und bindet zwei „Freiwillige“ mit in die Handlung ein. Worin liegt der Erfolg der rasanten Urlaubs-Revue „Ab in den Süden“?

Die Idee, „aussagekräftige“ Schlagertexte mit flotten, schnurrig-humorvollen Schlager-Klassikern und kurzen Spielszenen zu verknüpfen, kommt super an. Die einfach gestrickten, aber famos gespielten Befindlichkeiten der Liebe erinnern in ihrer Harmlosigkeit an die guten alten Unterhaltungsfilme aus den Fünfzigern.

Drei ungleiche Pärchen treffen sich vor einem überdimensionalen Foto eines typischen Ferienhotels mit Swimmingpool, jeder Menge Palmen, einer kleinen Bar und einem Liegestuhl. Von Anfang an hatte Jeanne-Marie Nigl als resolute und schlagfertige Resi Schnitzler die meisten Lacher auf ihrer Seite. Stets im kernigen Dialog mit ihrem gebeutelten Mann Michael (Sven Prüwer), der ihr leider so gar nichts recht machen konnte. „Brot kann schimmeln, was kannst du?“, fragt sie lautstark und setzt noch einen drauf: „Warum geben Hebammen Kindern einen Klaps? Bei den Intelligenten fällt der Zipfel ab“. Zufällig war sein Schüler Torben (Dominic Niedenzu) mit seiner Freundin im selben Hotel abgestiegen und es dauerte nicht lange, da entdeckte der Mathelehrer Schnitzler nicht nur das wahre Gesicht seiner Frau Resi, sondern auch die weiblichen Reize der niedlich-naiven Marina (Eva Kurperion).

Mit zu den Urlaubern gehörte die „Münchner Schickeria“ in Gestalt des überheblichen dauerbalzenden Frauenverstehers Johnny (Tim Reichwein) und dessen anfangs unglückliche und später frisch verliebte  Freundin Anita. Die Texte der rund 50 beliebten Gassenhauer passen wie die Faust aufs Auge zu den Dialogen, Spiel- und Tanzszenen. War es anfangs wegen der Aufforderung „Rote Lippen soll man küssen“ noch „Schön auf der Welt zu sein“, stellte sich nach dem Drama „Du hast den Farbfilm vergessen“ ­leider heraus: „Männer sind ­Schweine“.

Und weil die Liebe ein seltsames Spiel ist und ein bisschen Spaß sein muss, heißt es später fröhlich: „Tanze Samba mit mir“. Ob der Bossa-Nova schuld daran war, dass in dieser turbulenten Schlagerkomödie einige Beziehungen gewaltig durcheinander wirbelten? „Atemlos“ waren nicht nur Birgit, Christine, Heidi und Sabine aus Albershausen vor Lachen. Das energiegeladene Kombipaket mit viel Liebe zum Detail, großartigen Stimmen und ansprechenden Choreografien wurde am Ende mit viel Beifall belohnt.

Aus 150 Liedtexten die Geschichte geschrieben

Darsteller: Espen Nowacki stammt aus Oslo und absolvierte seine Ausbildung zum Musical-Darsteller an der Guilford School of Acting in England. Neben vielen Rollen, kam er 2005 als „Ludwig“ 2005 nach Füssen und gründete dort die Produktionsfirma „Wacky Productions“. Im Jahr 2015 recherchierte er 150 Liedtexte und schrieb um diese eine Geschichte, formte die Charaktere. Heraus kam die witzige Urlaubsreise „Ab in den Süden“, das Herzstück seiner Arbeit bleibt allerdings die Show „Musical Moments“.  ack

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