Göppingen / MARCUS ZECHA Von weither kommen die jungen Teilnehmer einer Akademie, die nächste Woche in Hohenstaufen stattfinden wird. Eine Woche lang üben die Studenten ein anspruchsvolles Kammermusikprogramm ein.

Sie stammen aus Kuba, Estland, Frankreich, Israel, Italien, Libanon, Libyen, Palästina, Spanien und Venezuela - zehn hochtalentierte Musikstudenten Anfang bis Mitte 20 sowie ein 16-jähriger Franzose. Eine Woche lang werden sie bei der ersten Kammermusik-Akademie Hohenstaufen spielen, was das Zeug hält.

Ein multikulturelles Grüppchen kommt da zum Musizieren auf den geschichtsträchtigen Berg - nur aus Deutschland ist niemand dabei. Ein babylonisches Sprachengewirr hoch über der Stadt droht dennoch nicht. Viele Teilnehmer studieren hier, die meisten dürften gut Englisch oder Französisch sprechen.

Am Palmsonntag werden sich Dozenten und Musiker in Hohenstaufen erstmal beschnuppern. Am Montag geht es dann an die Arbeit, täglich von 10 bis 21.30 Uhr wird geprobt. Am Ende der Akademie-Woche werden die sechs weiblichen und fünf männlichen Teilnehmer in zwei Konzerten am Ostersonntag und -montag das Erarbeitete präsentieren (jeweils ab 17 Uhr, evangelische Kirche Hohenstaufen).

"Die jungen Musiker sind von den Dozentinnen ausgesucht, zukünftige Profis und höchst motiviert", verspricht Dr. Ulrich Grill, der Leiter des seit 2006 stattfindenden Kammermusik-Festivals Hohenstaufen. Mit jungen Musiktalenten hat er Erfahrung: Auch bei der im Herbst stattfindenden Festivalreihe, die von den beiden Rilling-Töchtern Sara Maria und Rahel Maria künstlerisch verantwortet wird, üben junge Musiker in kurzer Zeit ein Konzertprogramm ein, das es in sich hat. "Die spielen sich die Finger wund", weiß Grill - und zwar aus eigener Anschauung. Denn die Teilnehmer des Festivals und der Akademie sind nicht etwa im Hotel, sondern in Hohenstaufen im Hause Grill und Rilling untergebracht, wo sie auch proben werden. Grill: "Das Ganze läuft sehr familiär und persönlich ab."

Dass Helmuth Rilling, der Gründer und langjährige Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, die Kammermusik-Akademie unterstützt, ist kein Zufall. "Rilling wollte schon immer junge Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen durch musikalische Arbeit zusammenführen", erläutert Grill. Eben dieses musikalische Miteinander strebt neben der Weiterbildung auch die Oster-Akademie an.

Doch wie kam es überhaupt zur Kammermusik-Akademie? "Die Satzung unseres Vereins verpflichtet uns, junge Musiker zu fördern", erklärt Grill. Eine Voraussetzung war ein eigener Etat. Grill verweist auf "großzügiges Mäzenatentum" - unter anderem habe Helmuth Rilling, der Vorsitzende des Fördervereins, einen Teil des Karajan-Preises dem Verein zur Förderung junger Künstler gegeben. Die Mittel stehen nun der Akademie zur Verfügung. Deren Kosten - zirka 15 000 Euro - werden komplett vom Verein bezahlt.

Drei Dozentinnen, die in Paris lehrende Virginie Robilliard (Violine), Sara Rilling (Viola) und die in Berlin lehrende Amerikanerin Elena Cheah (Cello) werden die jungen Musiker eine Woche lang unterrichten. Die Musiker studieren zum großen Teil in Deutschland, erreichen aber trotz ihrer Jugend schon heute einen "künstlerisch hohen Standard", davon sind die Veranstalter überzeugt. Ulrich Grill freut sich schon heute auf die Karwoche. "Das ist alles hoch spannend - und alles andere als alltäglich für so eine kleine Gemeinde."