Leitartikel Helge Thiele zur Zukunft der Müllpolitik im Kreis Müllpolitik: Wo bleibt die Debatte?

x
x © Foto: Carlucci
Kreis Göppingen / Helge Thiele 21.07.2018

Ob es sich nun um klassischen Abfall oder recycelbare Wertstoffe handelt: Der Umgang mit dem, was der Mensch nicht mehr braucht und deshalb in seine Mülltonne wirft oder in gelbe Säcke oder blaue Tütchen stopft, lässt stark zu wünschen übrig. Egal, ob man die jetzt vom Göppinger Gemeinderat beschlossene Androhung von Bußgeldern gegen Gelbe-Säcke-Sünder für zielführend oder kommunale Überregulierung hält: Es ist und bleibt ein Offenbarungseid, wenn einem Landkreis im Jahre 2018 nichts anderes einfällt, als seine Bürger Plastik und andere Verpackungen in durchsichtige Säcke auf die Straße stellen zu lassen.
Gelbe Tonne, wo bleibst Du?

Das gleiche Bild des abfall­politischen Schreckens bietet sich beim Biomüll: Mehr ganz schlecht als recht klappt’s mit der Idee, dass die Menschen ihren Biomüll in kleinen blauen Säckchen vor dem Haus deponieren sollen. Die eingesammelten Mengen dümpeln im Landkreis vor sich hin. Bio-Tonne, wo bleibst Du?

Deutschland gilt im internationalen Vergleich als Land, in dem die Bereitschaft zu Mülltrennung und gelebtem Umweltschutz besonders hoch ist. Nur stimmen im Landkreis Göppingen die Angebote nicht. Sie sind weder bürgernah, noch zeitgemäß. Dennoch wird auch der Landkreis auf seinem holprigen Weg Fortschritte erzielen und die Anreize weiter erhöhen (müssen), die klassischen Müllmengen zu verringern. Dazu wird er um praktikablere Formen der Wertstoff­abholung nicht herumkommen.

Die nach wie vor geplante Erhöhung der Verbrennungskapazität im privat betriebenen Göppinger Müllheizkraftwerk passt allerdings gar nicht zu den prognostizierbaren sinkenden Müllmengen. Nach der Sommerpause sollten die Bürger von ihren Kreisräten, die im kommenden Jahr wiedergewählt werden wollen, die Debatte einfordern, die schon längst hätte geführt werden müssen und die über den vor wenigen Tagen abgeschlossenen, aber völlig unverbindlichen „Bürgerinformationsprozess“ hinaus geht: Wer soll für eine der wichtigsten Versorgungsinfrastrukturen  neben Wasser, Wärme und Strom im Kreis Göppingen künftig zuständig sein? Es geht ständig um das Verhandlungspaket mit dem chinesischen Betreiber EEW und viele Details. Aber über die grundsätzliche politische Frage ist bisher nicht diskutiert worden. Vorher sollte ein Kreisrat aber auch nicht über Verbrennungsmengen entscheiden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel