Konzert Motette: Maientag nicht nur bunt und laut

Zuhörer und Mitwirkende feierten die Motette als „Evensong“.
Zuhörer und Mitwirkende feierten die Motette als „Evensong“. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Ulrich Kernen 19.06.2018

In ihrer Begrüßung hob die Erste Bürgermeisterin Almut Cobet hervor, dass der Maientag zum einen ein fröhliches, ausgelassenes Friedensfest sei. Zum anderen habe uns aber auch Verunsicherung ergriffen angesichts bedenklicher globaler und nationaler Entwicklungen. Da „kein Frieden selbstverständlich“ sei, wie Joachim Gauck formulierte, hätten alle die Pflicht, dafür aktiv einzutreten.

In Göppingen sei zum Beispiel  das Programm „Demokratie leben“ auch ein Impuls in den Schulen. So sei das Zusammenwirken des Concerto Vocale der Göppinger Kantorei mit Schülern und Lehrern Göppinger Gymnasien und der Religionskurse des Freihof-Gymnasiums (Jörg Seerig) ein Zeichen dafür, dass das Thema „Den Frieden erhalten“ eine Herzensangelegenheit sei.

Unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt und der Praktikantin Andrea Schöne feierten Zuhörer und Mitwirkende die Motette als „Evensong“ nach dem Muster der Colleges von Cambridge. Die Eröffnung markierte der festlich schreitende Hymnus „Entrée“ von Marcel Dupré, den Klaus Rothaupt ausgewählt hatte, um die Wichtigkeit des Anliegens  zu unterstreichen. In der damit korrespondierenden „Hymne“ von Joseph Gabriel Rheinberger hoben die Sänger „Gerechtigkeit und Wahrheit“ hervor, die Pfeiler eines Friedensreiches sein müssen.

In wohltuendem Gegensatz zu den mitunter recht martialischen und unverbindlichen Texten von Nationalhymnen, wie sie in diesen Tagen der Fußballweltmeisterschaft geschmettert werden, unterstrichen Schüler der Religionskurse des Freihof-Gymnasiums, dass Friede konkret in uns selbst beginnen müsse. Die ­begleitenden Chorwerke entsprachen dem aufs Schönste: Vorwärts drängend und zugleich schlicht war das Magnificat von Bobbi Fischer. „Ubi Caritas“ von Ola Gjeilo, in dem Verena Zahn am Klavier innere Spannung aufbaute, nahm die Erkenntnis auf, dass Gott da ist, wo Güte und ­Liebe herrschen. Die modernen Klänge waren verwoben mit Klangmustern der mittelalter­lichen Gregorianik: ergreifend und dabei von intensiver Leichtigkeit.

Ergänzt wurde dieses „Frohlocken“ in „Irish Blessing“ von Bob Chilcott  durch eine Reihe von Bildern für die beglückende Wirkung des Friedens. Den Kreis der Anfangshymnen dieses Evensongs schlossen die drei Abschlusswerke: das eingängige „Dona nobis Pacem“ von Mary Lightfoot , das diese Bitte vertiefende „Lied ohne Worte“ für Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der anspruchsvolle Hymnus des 150. Psalms von César Franck, in dem die Orgel  die Choristen zu einem befreiten Fortissimo animierte.

Das war eine fein durchdachte, anspruchsvolle Maientags­motette, die frei von Klischees war und persönliche Gedanken anregte. 

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