Mit Trennungen kann er offenbar nicht umgehen. Stalking, Drohungen, Freiheitsberaubung und Gewalt gegen seine früheren Ehefrauen und Partnerinnen ziehen sich seit vielen Jahren wie ein roter Faden durch das Leben des Mannes, der auf der Anklagebank sitzt. Am 1. Februar dieses Jahres kommt es schließlich zur Katastrophe: Eine 46 Jahre alte Göppingerin wird im Rubensweg unweit ihrer Wohnung tot neben einem brennenden Auto gefunden. Seit Mittwoch muss sich der 54 Jahre alte Ex-Partner des Opfers vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ulm wegen Mordes verantworten. Er soll die Frau angezündet haben.

Der hagere Mann wirkt unsicher, als er den Gerichtssaal betritt. Als Staatsanwältin Gabriela Stuhler die Anklageschrift verliest, schlägt er die Hände vors Gesicht. Die Staatsanwaltschaft legt dem 54-Jährigen, der zuletzt in einer Kreisgemeinde gelebt hat, zur Last, dass er seine frühere Lebensgefährtin grausam und heimtückisch getötet hat. Die Frau hatte sich Ende 2013 nach knapp einjähriger Beziehung von ihrem Freund getrennt. Damit, so die Staatsanwältin, habe er sich nicht abfinden können. Er habe die 46-Jährige beobachtet, verfolgt und bedroht. Mehrmals war die Frau deshalb bei der Polizei vorstellig geworden. Nachdem er sie am 3. Januar in seine Gewalt gebracht und mit einem Messer bedroht hatte, wurde ein sogenanntes Kontaktaufnahme- und Annäherungsverbot erlassen, an das sich der Mann jedoch nicht gehalten habe.

Zwei Weinflaschen voll Benzin

Aus dem Umfeld des Opfers ist zu erfahren, dass der 54-Jährige die Frau immer wieder unter Druck gesetzt und damit gedroht habe, sie und sich selbst zu töten. Davon geht auch die Anklagevertreterin aus. Der Beschuldigte hatte am 1. Februar mehrfach versucht, seine Ex-Partnerin telefonisch zu erreichen. Spätestens nachdem er bei einem Rückruf von ihr erfahren habe, dass sie an diesem Abend mit Bekannten ausgehen wollte, habe er den Entschluss zu der Tat gefasst. Er sei zum Rubensweg gefahren und habe zwei mit Benzin gefüllte Weinflaschen auf seinem Auto abgestellt und sich anschließend vor dem Haus hinter einem Baum versteckt.

Als die 46-Jährige das Gebäude verließ, habe er sie unter einem Vorwand zu dem Fahrzeug gelockt. Dort, so die Staatsanwältin, packte er die Frau und drückte sie mit der linken Hand gegen die Beifahrerseite des Fahrzeugs und ergriff mit der anderen eine der Flaschen und übergoss sein völlig überraschtes Opfer mit Benzin, das er sofort anzündete. Die Frau habe noch versucht wegzurennen, sei aber nach einigen Metern zu Boden gegangen und infolge der massiven Hitzeeinwirkung gestorben.

Der Angeklagte schweigt 

Die grausige Tat hat in der Familie und im Umfeld des Opfers für Entsetzen gesorgt. „Wir sind alle extrem belastet“, erklärt der frühere Ehemann der 46-Jährigen, der wie auch die 23 und 29 Jahre alten Töchter des früheren Ehepaares den Auftakt des Prozesses verfolgt. Als der Angeklagte im Gerichtssaal erscheint, halten sich die jungen Frauen, die als Nebenklägerinnen auftreten, fest an den Händen.

Der Angeklagte schweigt bislang. Er werde keine Angaben machen, erklärte sein Verteidiger Rudi Mannl. Das Gericht muss die Umstände der Tat deshalb in mühsamer Kleinarbeit zusammenpuzzeln. An den acht Verhandlungstagen unter Vorsitz von Richter Gerd Gugenhan wird die Kammer 89 Zeugen und zwei Sachverständige hören.

Wegen nicht reisefähiger Zeugen wird die Verhandlung am 17. September am Landgericht Hagen stattfinden. Dort hört das Gericht frühere Partnerinnen des Angeklagten an. Im Jahr 1989 hatte der Beschuldigte an seinem damaligen Wohnort in Schwerte seiner ersten Ehefrau aufgelauert und mit einem Messer verletzt. Wenige Monate später passte er die Frau vor einem Schwimmbad ab und zwang sie mit vorgehaltener Pistole, zu einem Steinbruch zu fahren, wo er sie vergewaltigte. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Richter verurteilten ihn allerdings lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung, da es Vergewaltigung in der Ehe nach damaliger Rechtssprechung nicht gab.

Auch gegenüber späteren Partnerinnen verhielt sich der Angeklagte ausgesprochen rabiat. Eine Frau hatte er nach der Trennung ebenfalls verfolgt, gestalkt und mit einer Pistole bedroht. Er wurde 2004 vom Amtsgericht Iserlohn zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen verurteilt. 2006 verhängte das Amtsgericht Menden eine einjährige Bewährungsstrafe. Der Mann hatte eine weitere Ex-Freundin in deren Wohnung festgehalten und ebenfalls mit einer Pistole bedroht.