Drei Kilometer lang, auf den ersten 900 Metern 20 Prozent Steigung, auf den ersten 1,7 Kilometern insgesamt 16 Prozent und im letzten Drittel 12 bis 14 Prozent: Das sind die nackten Zahlen, die hinter dem Aufstieg von Weilerstoffel auf den Hornberg stehen, den die 3500 Teilnehmer am Sonntag bei der 32. Auflage des Radmarathons Alb Extrem mit Start und Ziel in Ottenbach erstmals in Angriff nahmen. Für manch einen war dieser Abschnitt offenbar zu anstrengend. „Es gab drei Umfaller dort. Etwa 40 Prozent der Fahrer haben ihr Rad den Hornberg hinauf geschoben“, berichtet Wolfgang Liebl vom Veranstalter MRSC Ottenbach. „Alb Extrem – der Name ist eben Programm“, erklärt Liebl.

Das Organisationsteam habe sich bewusst dafür entschieden, den Hornberg in die Strecke einzubeziehen: „Wir wollten das Profil schärfen und es anspruchsvoller machen. Außerdem gab es mehrere Baustellen und Sperrungen“, so Liebl. Unter den Radsportlern stieß diese bis dato größte Herausforderung in der Geschichte der Alb Extrem nicht nur auf Begeisterung. „Es gab auch kritische Stimmen. Aber diese Strecke hebt die Alb Extrem auf ein anderes Niveau“, verteidigt Liebl die geänderte Streckenführung. Allerdings, so der Mit-Organisator, strebe man nicht an, die Breitensportler zu vertreiben. „Die Alb Extrem bleibt eine Breitensportveranstaltung mit sportlichem Touch“, versprach er.

Höllenritt auf den Hornberg

Vielen Fahrern merkte man im Ziel die Strapazen nach 190, 240 beziehungsweise 300 Kilometern im Sattel deutlich an. Aber letztlich überwog die Freude, den inneren Schweinehund bei der Berg- und Talfahrt überwunden zu haben. „Es hat richtig Spaß gemacht, eine super Organisation“, lobte Norbert Weiss aus Aalen, der gemeinsam mit seinem Sohn Marian Weiss die 190-Kilometer-Strecke bewältigte. Besonders knackig sei die Fahrt auf den Hornberg gewesen, bestätigte Vater Weiss: „Nach dem Rennen freuen wir uns jetzt aufs Bier.“

Jens Endler aus Freudenstadt war in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei. „Normalerweise fahre ich 1500 Höhenmeter am Stück. Aber hier geht es hoch und runter. Man kommt überhaupt nicht in einen rechten Rhythmus“, beschreibt der 41-Jährige die Schwierigkeiten, die die Alb Extrem mit sich bringt. Auch er lobte ausdrücklich das 400 Leute umfassende, „sehr motivierte Helferteam“.

Thilo Martinov ist schon ein alter Hase im Radmarathon. Am Sonntag war er zum 13. Mal bei der Alb Extrem dabei. „Es war viel heftiger als sonst. Der Hornberg hat gar nicht mehr aufgehört“, schilderte der 50-Jährige aus Neidlingen, der die 240-Kilometer-Strecke in Angriff genommen hatte, seine Erfahrungen. Genauso erging es dem 68-jährigen Richard Köhler aus Gosbach, der zum sechsten Mal dabei war.

Während die Fahrerinnen – elf Prozent der Teilnehmer waren Frauen – und Fahrer nach und nach im Ziel eintrudelten, gab ein anderer dort schon fleißig Autogramme: Robert Förstemann, ehemaliger Bahnradweltmeister und Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in London, wollte sich das Radsportspektakel am Fuße der Alb mal ansehen und war begeistert: „Dass so viele Leute schon ab 5.30 Uhr morgens Gas geben, so etwas hat man nicht in vielen Sportarten“, schwärmte er.

Ob der Hornberg auch im kommenden Jahr ins Programm aufgenommen wird, steht noch fest. Liebl: „Das müssen wir abwarten. Ich könnte mir vorstellen, den Abschnitt für die kurze Strecke wegzulassen und bei den beiden längeren beizubehalten.“

Große logistische Herausforderung

Organisation: Ingrid Schleicher, die Hauptorganisatorin des Radmarathons Alb Extrem, ist froh, dass der Stress für sie und ihre Crew vorbei ist. „Ich habe jetzt erst einmal Urlaub genommen“, erklärt sie. Um eine solche Veranstaltung, wie sie der MRSC Ottenbach gestern zum 32. Mal ausgerichtet hat, über zu stemmen, benötigt man zahlreiche Helfer. Gestern konnten Schleicher und Co. auf 400 engagierte Kräfte zurückgreifen, die von allen Seiten gelobt wurden.