Göppingen Modelle der Zeitgeschichte

Das Auto oder der Lastwagen als neuartige Verkehrsmittel auf der Straße fanden im Sortiment ebenfalls ihren Platz.
Das Auto oder der Lastwagen als neuartige Verkehrsmittel auf der Straße fanden im Sortiment ebenfalls ihren Platz.
Göppingen / HELMUT LIERACK 08.02.2012
In der Märklin-Stadt Göppingen befindet sich nicht nur das Märklin-Museum. Auch im Städtischen Museum, gibt es seltene Exponate aus verschiedenen Epochen der Märklin-Produktion zu sehen.

Mit Märklin in die Vergangenheit reisen. Das kann man zur Zeit im Städtischen Museum im "Storchen". Da ist zunächst ein schönes Landschaftsmodell mit steilen Felswänden, Wasserfall und einem Teich mit Springbrunnen und schwimmfähigem Nachen, das die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenkt. Füllt man Wasser in einen verdeckten Behälter an der Rückwand, dann bewegt es ein Wasserrad und der Springbrunnen beginnt zu sprudeln. Ein Hammerwerk und eine Gattersäge werden durch ein Uhrwerk angetrieben.

Das aufwendig gestaltete Ausstellungsstück stammt aus der Zeit um 1891, als die Firma Gebr. Märklin die Spielwarenfabrik Lutz aus Ellwangen mitsamt einem Teil der Belegschaft übernommen hat. Dieses Datum ist auch in sofern bedeutsam, da von da an in Göppingen Eisenbahnen hergestellt wurden. In den ersten 30 Jahren der Märklin-Firmengeschichte widmete man sich ausschließlich der Herstellung von Spielzeug für die Puppenküche der Mädchen. Ein älterer Herd mit Spiritusbefeuerung, der in einer Vitrine ausgestellt ist, erinnert an diese Epoche.

Dass Spielzeuggeschichte auch immer zugleich ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte ist - was im Großen entstand, wurde im Kleinen nachgebildet - erweist die Tatsache, dass viele Spielzeugfirmen auf technische Errungenschaften und Neuheiten rasch reagiert und sie in ihren Produktlinien entsprechend umgesetzt haben. So wars auch bei Märklin. Die Technikbegeisterung der Gründerzeit spiegelte sich in vielen Erzeugnissen wieder. Die Dampfmaschine, die die Wasserkraft abgelöst hat, war bald in vielen Varianten in den Katalogen aufgeführt und abgebildet. So dürfen sie auch im Märklin-Zimmer nicht fehlen. Das Auto als neuartiges Verkehrsmittel auf der Straße fand im Sortiment ebenfalls seinen Platz. Vor allem die Autobaukasten erfreuten sich großer Beliebtheit. Es gab ein Einheits-Chassis mit Differentialgetriebe und funktionierender Lenkung. Auf dieses ließen sich einige unterschiedliche Karosserien aufbauen. Ein "Mini-PS"-starker Uhrwerkmotor trieb die Fahrzeuge an, und eine Beleuchtungseinrichtung mit Batterie rundete das Angebot ab. So ein Lkw-Modell lädt ebenfalls zum Angucken ein.

Eine Neuauflage derartiger Autos erfolgte in den 1990er Jahren und dauert noch bis heute an. Auch kleinere Autos der 1950er Jahre, vorrangig aus Zinkdruckguss im Maßstab 1:45 waren als Spielzeug weit verbreitet und sind heute in Sammlerkreisen sehr begehrt. Einige Exemplare erinnern in einer kleineren Vitrine im Eingangsbereich an vergangene Spielzeiten. Der berühmte und weltweit verbreitete Metallbaukasten, dessen Ursprung bei "Meccano" in Liverpool lag, ist allerdings - wohl aus Platzgründen - leider nicht vorhanden. Dafür nimmt die Eisenbahn als wichtigstes Transportmittel des 20. Jahrhunderts einen relativ breiten Raum ein.

Zuerst erschienen so genannte Karrenzüge oder Bodenläufer. Sie waren nicht schienengebunden, antriebslos und mussten entweder von Hand geschoben oder an einer Schnur beziehungsweise Kette gezogen werden. Von diesen, heute nur noch sehr sporadisch vorhandenen Raritäten, sind im "Storchen" zwei gut erhaltene Exemplare in verschiedener Größe zu bewundern. Schöne Blecheisenbahnen aus der legendären Tinplate-Ära in der Baugröße O und I mit Uhrwerk- und Elektroantrieb samt Zubehör, unter anderem der Stuttgarter Bahnhof, sind ebenfalls ausgestellt. Auch der Schienenzeppelin ist da. Selbst eine frühe Version, eine sogenannte "Starkstromlokomotive", steht in einer der Wandvitrinen. Wie viel "Modellbahnkilometer" mag sie wohl schon zurückgelegt haben? Auch dampfbetriebene Triebfahrzeuge, die einst den Großbetrieb dominierten, hatte Märklin als Modellausführung im Programm.

In einer anderen Wandvitrine, in der man per Knopfdruck einen Spur O-Zug fahren lassen kann, ist an der Rückwand ein vergrößertes Bild aus dem Märklin-Kundenkatalog des Jahres 1928 angebracht. Interessant ist hier, auch besonders für Kinder, festzustellen, welche Dinge, die dort abgebildet sind, in der Vitrine stehen. Als dann im Jahr 1935 die kleine Tischbahn Spur OO - heute HO gleich halbe Null" - in den Markt eingeführt wurde, erwies sich diese Produktpalette als sehr umsatzfördernd. Der große Vorteil war ein wesentlich geringerer Platzbedarf im Vergleich zu anderen Spurgrößen. Ein Güterzug dieser Gattung mit Modellgüterwagen und einer E-Lok aus den frühen 1950er Jahren steht abfahrtbereit auf schottergeprägten Böschungsgleisen aus Metall unweit vom Zimmereingang in einer größeren Vitrine.

Außerdem gibt es in der Ausstellung noch ein attraktives Puppenbadezimmer zu bestaunen. Hier kann man in ein Behältnis an der Rückwand Wasser einfüllen und die einzelnen Einrichtungen wirklichkeitsnah in Betrieb setzen.

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