Die Burg Helfenstein diente dem Geislinger Verein "Die Helfensteiner" gestern als vorzügliche Kulisse. Mittelalterliche Gewänder, altes Handwerk und die dazu passende Musik verwandelten die Burg zum authentischen Schauplatz der Vergangenheit. Dem Ruf des Geislinger Vereins waren die Söldnergruppe "Fraternitas Libertatis", die Spielleut Fortunatus, Lohengrin von Schwanstein und viele mehr gefolgt. "Die Leidenschaft für das Mittelalter packte mich schon als Kind", bekennt zum Beispiel Rolf Ihle von der Söldnergruppe aus Reutlingen. Eine mit Zeltplanen überdachte Tafel lud ein. Gewissenhaft wird zwischen den jeweiligen Jahrhunderten unterschieden. Thomas Kurz, alias Lohengrin, aus Memmingen, ist es sehr wichtig, dass er das 8. bis 14. Jahrhundert repräsentiert. Als Schwertkämpfer hatte er ein imposantes Exemplar dabei. Seine ganze Familie ist "infiziert". Beide Töchter im Teenageralter waren bei Maler Hubertus von Klingenstein im Einsatz.

Die mittelalterlichen Namen, die die "Akteure" tragen, entstammen meist dem Wortstamm. So wurde aus Agnes durch die Spanier später eine Ines - und so kam Gastgeberin Ines Kottmann, aus Eybach stammend, zum Namen Agnes vom Felsental. Fast unerschöpflich scheint ihr Wissensschatz zu sein. Sehr spannend erzählte sie zum Beispiel von den zweiteiligen Gewändern der damaligen Zeit. Figurbetont war von der Kirche verboten und so die Form eher sackartig-bequem. Eine Weiterentwicklung im 13. Jahrhundert mit seitlichen Einschnitten wurde dramatisch "Höllenfenstergewand" genannt, weil nun eine Figur zu erahnen war. Arm und Reich gingen im gleichen Gewand. Die Standesunterschiede wurden in Qualität und Ausarbeitung sichtbar. Funktionalität gab es damals schon. Man verwendete Leinen, Wolle und Seide, welche sich den Temperaturen anpassten. "Eine Kopfbedeckung war ein absolutes Muss", weiß Ines Kottmann, die selbst ein schönes Exemplar trug. Sie präsentierte sich als Gutsverwaltergattin.

Gerne ließen sich die Besucher am Sonntag informieren. Zur Mittagszeit gesellte sich die Sonne am Schauplatz dazu und ließ die Gäste umso zahlreicher hinauf zum Helfenstein strömen. Das Mittelalterflair sorgte für eine "entschleunigte" Atmosphäre. Mancher Besucher wurde mit den Worten verabschiedet: "Gehabt Euch wohl auf ebenen Wegen."