Göppingen Mitnahme-Becher im Pfandsystem

Jacqueline Oberthür hat in ihrem „Teehaus“ in der Langestraße die wiederwendbaren Becher von Recup eingeführt.
Jacqueline Oberthür hat in ihrem „Teehaus“ in der Langestraße die wiederwendbaren Becher von Recup eingeführt. © Foto: Margit Haas
Göppingen / Margit Haas 07.08.2018
To-Go-Plastikbecher türmen sich zu einem gigantischen Berg an Kunststoffmüll. Die Göppinger Kaffeerösterei und das Teehaus nehmen deshalb an einem Pfandsystem teil.

To go“ – scheint das Zauberwort in einer Welt, in der kaum mehr jemand Zeit zu haben scheint, sich in aller Ruhe eine Tasse Kaffee oder Tee an einem bequemen Platz schmecken zu lassen. Die Begleiterscheinung sind Kunststoffbecher oder Pappbecher mit Kunststoffbeschichtung und Plastikdeckel, in denen die Kunden ihre „Latte Macciato“ oder Eistee bequem mitnehmen können, geradezu die ideale Lösung für den eiligen Zeitgenossen. Anschließend landen die Trinkgefäße im Müll.

Tatsächlich ist es dieser eilige „To-Go-Genuss“, der dazu beiträgt, dass die Deutschen innerhalb Europas den meisten Plastikmüll verursachen. Jüngste Zahlen belegten dies. Wohl die wenigsten Zeitgenossen scheinen sich Gedanken darüber zu machen, dass ihr Becher den Müllberg vergrößert, dessen kleinste Teilchen zwischenzeitlich gar im französischen „Fleur de sel“ nachgewiesen sind.

Dem wollen die Göppinger Kaffeerösterei und das Teehaus in der Langestraße gemeinsam entgegenwirken. „Wir starten mit einem neuen Pfandsystem für Kaffee und Tee“, bekräftigen Jacqueline Oberthür und ihr Vater Peter Weirich. Vor wenigen Wochen haben sie das Pfandsystem eingeführt und bislang gute Erfahrungen gemacht. „Das System gibt es bereits in 23 deutschen Städten, wir sind die ersten in Göppingen“, freuen sie sich.

Ziel des Anbieters der Pfandbecher sei, „ein einheitliches und flächendeckendes Pfandsystem für Tea-to-go und Coffee-to-go anzubieten“. „Nachhaltigkeit zum Mitnehmen“ ist der Slogan des Herstellers der Becher. „So wollen wir den Umweltgedanken weiter im Bewusstsein der Menschen verankern“, bekräftigen Jaqueline Oberthür und Peter Weirich. Denn in Deutschland gehen in jeder Stunde weit über 300.000 Einwegbecher über die Theke hinweg. Die Trinkbehälter bestehen zu großen Teil aus Papierfasern. Weit über 40.000 Bäume müssen dafür gefällt werden. Die Becher sind auf der Innenseite mit Plastik beschichtet, damit sich die Pappe nicht auflöst. Recycling ist da kaum möglich.

Und so funktioniert das Pfandsystem: Kaffee- oder Teegenießer kaufen ihr Lieblingsgetränk, hinterlegen einen Euro Pfand und bekommen ihr Getränk im „Recup“ 50 Cent günstiger. Der „Recup“ kann dann deutschlandweit bei den Recup-Partnern abgegeben werden. Wo die sich finden, verrät eine App. Bis zu 500 Mal sollen die Becher wiederverwendet werden. Das Engagement von „Recup“ wurde bereits ausgezeichnet. Die „Deutsche Umwelthilfe“ verlieh dem 2016 eingeführten Pfandsystem den Preis „Best Practice“.

Aller Anfang ist schwer

Größen: Die Recups gibt es in zwei Größen: 0,4 Liter für Tee und Cappuccino, 0,3 Liter  für Kaffee. Deckel für die Recups werden als Kaufdeckel zu 1,50 Euro je Stück angeboten. Sie unterliegen nicht dem Pfandsystem und passen auf alle Bechergrößen.

Mitmachen: Cafébesitzer, Kantinen oder Bäckereien können sich online informieren, registrieren und diesem System selbstständig anschließen.

Abwartend: Während in vielen Städten schon Pfand-Systeme Einzug hielten, hinkt beispielsweise die Landeshauptstadt Stuttgart noch hinterher. Die Begründung dort lautet: Die Pfandsysteme funktionieren nur, wenn eben sehr viele Ausgabestellen sich beteiligen und es Rückgabeautomaten an den entscheidenden Stellen gibt. Daran hapert es. In Stuttgart will man deshalb über einen Wettbewerb einen Dienstleister finden, der so ein Kreislaufmodell anbietet.

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