"Macht und Widerstand" erzählt von einer tiefen idealistischen Gegnerschaft zur Zeit der kommunistischen Diktatur in Bulgarien bis in die Gegenwart. Ein Werk verknüpft aus Fiktion und Realität. Eine beeindruckende Recherchearbeit, basierend auf mündlichen und schriftlichen Zeugnissen politischer Häftlinge und Offiziere a.D. und Originaldokumenten der bulgarischen Staatssicherheit.

Schriftsteller, Übersetzer und Verleger Ilija Trojanow verwebt den bedeutungsschweren Stoff meisterhaft in zwei Schicksale. Souverän und entspannt, mit angenehm tiefer Stimme spricht er in der Göppinger Stadtbibliothek über sein Werk. Der Literatursommer Baden-Württemberg unter dem Motto "Herkunft - Ankunft - Zukunft" möchte die Auseinandersetzung mit Heimat und Identität in der Literatur anregen. Da passt nicht nur Trojanows Werk bestens ins Schema, sondern auch dessen Biografie.

Warum wählte er diesen Stoff? Trojanow hat bulgarische Wurzeln. Seine Eltern flohen mit dem Sechsjährigen 1971 nach Deutschland: "Beim Thema Migration reden wir selten über das, was nach der Flucht passiert. Ein lebenslanger Prozess beginnt. Das Heimatland wird heiliggesprochen und gleichzeitig verteufelt. Herkunft und Ankunft tanzen täglich einen Pas de deux", so der Autor. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs reist Trojanow im Dezember 1989 erstmals nach seiner Flucht wieder nach Bulgarien. Er spürt die historische Bedeutung der Situation, aber auch, dass die große Chance auf Veränderung vertan wurde. Seine eigene Doppelperspektive inspiriert ihn zur literarischen Aufarbeitung der bulgarischen Geschichte.

Schließlich lässt er seinen Roman sprechen. Das Publikum lauscht gebannt den Wechseln seines Tonfalls zwischen den Figuren, der gut platzierten Ironie und Satire. Wenn Konstantin fragt, "Verrat, wie lautet dein Name? Deine Adresse, deine Kragenweite?", klingt Trojanows Stimme ruhig und eindringlich. Wenn Metodi protzt: "Nur wenn man Angst vor dir hat, Mädchen, hast du Macht. Alles andere ist Konfetti", klingt seine Stimme sarkastischer und arroganter. Gekonnt führt der Autor durch den Abend, spielt mit Worten und stellt sich anschließend der Diskussion mit Andrea Maier und den Fragen der Zuhörer.

Auf die Frage, "Warum gibt Konstantin nicht endlich Ruhe?", antwortet Trojanow: "Weil er nicht anders kann." Das sei die Antwort der meisten Widerstandskämpfer gewesen. Die Verwandten und Freunde der Widerstandskämpfer seien nicht etwa stolz, sondern oft wütend auf sie gewesen. "Menschen wie Konstantin zerfetzen eine unbequeme Lebenslüge." Eine Lebenslüge, die auch Trojanow mit "Macht und Widerstand" anprangert. Der Roman ist ein Gedenken an diese Widerstandskämpfer und der Geschichte des Landes Bulgarien. Grandios geschrieben und mehr als lesenswert.