Der Stolz über das Geleistete war den jungen Flüchtlingen, die in der Walther-Hensel-Schule eine Vorbereitungsklasse besuchen, bei der Vorstellung ihrer Sitzbänke geradezu ins Gesicht geschrieben. In mühevoller Arbeit hatten sie in den vergangenen Wochen an den zwei Holzbänken gearbeitet. Im Rahmen des Projekts „Kooperative Berufsorientierung für neu Zugewanderte“ hat die Klasse dabei mit der Schreinerei Schurr im Stadtbezirk Hohenstaufen zusammengearbeitet.

Jetzt wurden die Bänke beim Sommerfest der Villa Butz dem Haus der Familie übergeben. Dort ist man über die neuen Sitzgelegenheiten, welche künftig den Garten des Hauses gemütlicher machen sollen, überaus glücklich. Nachdem junge Vorbereitungsschüler bereits vor zwei Jahren eine Holzbank für den Eingangsbereich angefertigt hatten, zeigt nun auch das neue Projekt die Erfolge der Arbeit mit den Jugendlichen. Bei der Präsentation der fertigen Bänke nutzten Jamshid Karimi, Serdar Genjo, Mohammad Darweeshi und Mohamed Arabxadi aus der Vorbereitungsklasse stellvertretend für ihre Mitschüler die Gelegenheit, das vollendete Werk den Gästen des Sommerfests vorzustellen.

Die Situation für junge Flüchtlinge auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist oft nicht sehr rosig. Vor diesem Hintergrund hob Ilse Birzele, Vorsitzende des Hauses der Familie, die Bedeutung solcher Projekte hervor und bedankte sich im Namen ihres Vereins für den Einsatz der Jugendlichen. Die Arbeit der geflüchteten Afghanen und Iraner zugunsten eines gemeinnützigen Zwecks zeige auf, wie Integration gelingen kann. Im Haus der Familie würden die neuen Bänke gerne genutzt – Ob beim offenen Familientreff oder bei den Veranstaltungen der Eltern-Kind-Gruppen.

Für Christl Jost, Schulleiterin der Göppinger Walther-Hensel-Schule, zeigt das Engagement auch die Bedeutung der Vorbereitungsklassen an Werkrealschulen auf. Durch das Programm der kooperativen Berufsorientierung, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt wird, könnten frühzeitig Kontakte zu lokalen Firmen geknüpft werden. „Wir als Werkrealschule sind wichtig, um diese Kontaktaufnahme zu leisten“, betonte die Schulleiterin. Auch für die jungen Geflüchteten ergäben sich so wertvolle Möglichkeiten, Ausbildungsberufe kennenzulernen.

Für Schulleiterin Christl Jost und Klassenlehrerin Claudia Kirch ist die Förderung durch die kooperative Berufsorientierung ein Erfolgsprojekt, das hoffentlich auch im nächsten Schuljahr fortgeführt werden kann – was jedoch von der Bewilligung des Kultusministeriums abhängt. Im Haus der Familie indes ist man ohnehin von dem Projekt überzeugt. Und das nicht nur wegen der gemütlichen Sitzbänke.

Das Projekt


Umfang Im Rahmen des Programms werden die jungen Flüchtlinge fünf Stunden pro Woche von Jennifer Winker, Mitarbeiterin der Firma „Berufliche Bildung gGmbH“, betreut. Sie ist sich sicher, dass die gemeinsame Projektarbeit abseits des alltäglichen Unterrichts wichtige Impulse für mehr Integration geben könne. Die Kinder und Jugendlichen aus den Vorbereitungsklassen erhielten überdies eine erste Orientierung im Ausbildungssystem. Die Geflüchteten lernen außerdem früh berufsbezogene Vokabeln und schreiten im Spracherwerb voran.

Ungewissheit Obwohl viele Schüler mit Flucht- und Gewalterfahrung mit Ungewissheit über den eigenen Status oder mit Angst vor einer Abschiebung in das Projekt starteten, sei ihr Lernfortschritt gut, sagt Jennifer Winkler. Mittlerweile könnten sich die meisten verständigen.