Aktion Mit Inklusions-Fest gegen Berührungsängste

Ein Fest für die ganze Familie: Am Tag der Gleichstellung konnten sich die Besucher auf dem Göppinger Marktplatz über Inklusion informieren.
Ein Fest für die ganze Familie: Am Tag der Gleichstellung konnten sich die Besucher auf dem Göppinger Marktplatz über Inklusion informieren. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Peter Buyer 07.05.2018
Zum europaweiten Protesttag zur Gleichstellung zeigt das Netzwerk „Alle dabei!“ wie Inklusion in und um Göppingen geht.

Fest statt Protest: Statt mit einer Demonstration durch die Straßen zu ziehen, präsentierten Vereine und Initiativen der Behindertenhilfe ihre Arbeit und Projekte am Samstag mitten in der Stadt auf dem Marktplatz. „Inklusion von Anfang an“ war das Motto des diesjährigen Protesttags zur Gleichstellung. Mit dem Angebot auf dem Marktplatz erreiche man mehr Aufmerksamkeit und mehr Menschen als mit einer Demonstration durch die Straßen der Stadt, sagt Heike Baehrens, Vorsitzende des Kreisbehindertenrings und SPD-Bundestagsabgeordnete. Das heiße aber nicht, dass Protest nicht mehr nötig sei, „dass Thema Gleichstellung wird uns noch lange beschäftigen und es gibt immer noch viele Vorbehalte und Berührungsängste.“

Baehrens und das Netzwerk „Alle dabei!“ wollen „Barrieren abbauen“. Die gebe es nicht nur für Rollstuhlfahrer auf den Straßen, sondern auch in den Köpfen vieler Menschen. „Wir wollen zeigen, was durch Inklusion entstehen kann, wieviel Lebensfreude sie bringt. Lebensfreude, die ansteckend ist und unserer Gesellschaft guttut“, sagt Baehrens.

Dominic Edler versprüht diese Lebensfreude. Er steht am Stand der Stiftung Haus Lindenhof und erzählt von seiner Arbeit im Restaurant Alte Post in Kuchen. Bier zapfen, Tische abräumen, was alles so anfällt. Edler hat das Down-Syndrom und steht in der Alten Post seinen Mann und mitten im Leben. Er versteht sich auch als „Inklusionsbotschafter“, denn bei ihm hat sie gut funktioniert, die Integration. Bei der Stiftung Haus Lindenhof ist Gleichstellung und Inklusion ein großes Thema. Jobcoaches kümmern sich darum, dass Menschen mit Behinderungen einen möglichst „normalen“ Job bekommen, so wie Edler. Die Stiftung berät Betroffene, deren Eltern und betreibt auch Wohngruppen. Auch dort wird Inklusion gelebt. „In unseren drei Wohngruppen leben Menschen mit und ohne Behinderung“, sagt Heilerziehungspfleger Marco Sabato.

Paten dringend gesucht

Aber nicht nur mit der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung beschäftigen sich die Vereine auf dem Marktplatz. Der Verein Viadukt bietet Hilfen für psychisch Kranke an und hat Familien im Blick, in denen Eltern unter psychischen Krankheiten leiden. Es gibt Hilfe für die Eltern, aber auch für die Kinder, für die es Patenschaften gibt. „Eine verlässliche Bezugsperson kann möglicherweise verhindern, dass das Kind später psychisch erkrankt“, sagt Elisabeth Killermann, Viadukt-Geschäftsführerin. Wenn wenig Verwandtschaft und – auch wegen der Krankheit der Eltern – wenig Bekannte und Freunde da sind, fehlt den Kindern oft ein Ansprechpartner.

Menschen zu finden, die eine solche Patenschaft für Kinder übernehmen, ist nicht immer einfach, sagt Killermann. „Die Leute haben ein bisschen Angst, dabei brauchen sie nur gesunden Menschenverstand und Herzblut“ und natürlich ein bisschen Mut. Unterstützung gibt es vom Verein. „Der Pate oder die Patin ist im Prinzip wie eine Tante, die sagt: „Ich bin da, wenn du mich brauchst.“

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