Neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf hohem Niveau und auf anschauliche Weise den interessierten Laien präsentiert - das zeichnet die Göppinger Staufertage aus. Zum 25. Male hatte die Gesellschaft für staufische Geschichte am Wochenende nach Göppingen eingeladen und konnte sich bei allen Vorträgen in der Stadthalle über ein volles Haus freuen.

Nicht nur aus dem Landkreis waren Geschichtsinteressierte gekommen. So weitreichend wie das staufische Reich war, so weit gereist waren die Besucher aus dem europäischen Ausland. Sie ließen sich von namhaften Historikern Einblicke geben in die komplizierten Beziehungen des Westens zum Osten, der Staufer nach Byzanz.

Deutlich wurde einmal mehr, wie schwierig es ist, aus heutiger Sicht und mit dem heutigen Wissen zeitgenössische Quellen richtig zu deuten und zu werten. Die Beziehungen des Westens zum Osten waren geprägt von Vorurteilen und Ressentiments, die überraschend aktuell klingen. Professor Dr. Ralph-Johannes Lilie (Berlin) skizzierte die Situation innerhalb des Byzantinischen Reiches. Das Byzanz-Bild, das das Abendland prägte, zeichnete Professor Dr. Rudolf Schieffer (München) lebendig nach.

Hatte es zunächst wenig Berührungen gegeben, änderte sich dies mit den Kreuzzügen ab dem Ende des elften Jahrhunderts. War die Sicht zunächst respektvoll-distanziert, kommt jetzt mehr Unmut auf, bemängeln die Kreuzfahrer die fehlende Unterstützung der Kreuzzugsheere. Leichtfertig, verschlagen, lügnerisch seien die Griechen.

Die Klischees fallen auf fruchtbaren Boden. Otto von Freising, Bernhard von Clairvaux, greifen sie auf. Das hat Folgen für die Heiratspolitik. Jetzt sind die Byzantiner - anders als zur Zeit Konrad III die Werbenden. Der Staufer hatte seine Schwägerin Berta von Sulzbach nach Byzanz verheiratet. Als ihr Mann unerwartet Kaiser wird, ist sie nicht mehr standesgemäß. Die sich daraus ergebenden diplomatischen Verwicklungen erläuterte Professor Dr. Jürgen Dendorfer (Freiburg). Professor Dr. Knut Görich (München) legte überzeugend dar, wie beide Seiten, Kaiser Friedrich Barbarossa auf der einen, Manuel Komnenos auf der anderen Seite "Opfer ihrer eigenen Voreingenommenheit wurden", die eine Vertrauensbildung unmöglich machte.

Das prägte auch Heinrich VI.; der machte sich die Schwäche von Byzanz zunutze. Es zu erobern, stand aber nicht auf seiner Agenda. "Dazu war er viel zu sehr Pragmatiker", stellte Professor Dr. Theo Kölzer (Bonn) fest. Die Rolle, die Phillip von Schwaben bei der Umlenkung des Kreuzfahrerheeres 1204 vom Heiligen Land nach Konstantinopel innehatte, betrachtet Professor Dr. Werner Maleczek (Wien) als nachrangig. Von einem Komplott will er auf keinen Fall sprechen. Vielmehr sei es denkbar, dass der Staufer aus Gründen der Ehre seinen Schwager unterstützte.