Handball Heiner Brand durchleuchtet Mission Gold

Göppingen / Harald Betz 06.06.2018
Der ehemalige Handball-Bundestrainer Heiner Brand gewährte am Beispiel der WM 2007 tiefe Einblicke in seine Philosophie.

Das „Projekt Gold“, bei dem die deutschen Handballer 2007 unter der Regie von Heiner Brand im eigenen Land Weltmeister wurden, liegt elf Jahre zurück. An Faszination hat die Mission nur wenig eingebüßt, wie 250 Gäste in der Göppinger Stadthalle bewiesen. Der damalige Bundestrainer gewährte im Rahmen eines Vortrags, initiiert vom Förderverein der Kaufmännischen Schule Göppingen, tiefe Einblicke in seine Philosophie. Der Titelgewinn machte Brand endgültig zur Handball-Legende, nachdem er 1978 bereits als Spieler Weltmeister geworden war und auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene zuvor schon eine Vielzahl an Erfolgen gefeiert hatte.

In der sachlich-nüchternen Analyse  seiner Arbeit vor und während der WM 2007, aufgelockert durch Sequenzen aus dem anschließend aufgelegten Film, legte der Gummersbacher offen, wie er seine Mannschaft zusammenstellte. Es galt, die besten Einzelspieler auf den jeweiligen Positionen zusammenzuführen, immer unter der Prämisse des größtmöglichen Erfolges für das Team. Ein solcher Prozess benötige Fingerspitzengefühl, so der heutige TV-Experte. Schließlich erfordere die Integration außergewöhnlicher Typen auch eine gewisse Leidensfähigkeit des Coaches, wolle man diesen Spielern ihre Unberechenbarkeit nicht nehmen. Abseits der spielerischen Fähigkeiten zählten zudem psychische Belastbarkeit, um hitzigen Situationen Stand zu halten, Disziplin und die individuelle Leistungssteigerung zu den geforderten Faktoren. Brands zusammenfassende Überzeugung: „Es spielen nicht die Besten, sondern die beste Mannschaft.“ Deutlich lehnte der 65-Jährige Ansätze von Trainern ab, über Negativstimmung im Team Leistungen provozieren zu wollen.

Für Brand sind Hierarchien in Mannschaften unerlässlich. „Es hat noch keine erfolgreiche Mannschaft ohne Führungsspieler gegeben“, so Brand, der seinen eigenen Stil als Mischung aus autoritär und demokratisch beschrieb: „Der Trainer trägt letztlich die Verantwortung, aber ich habe die Spieler einbezogen, denn das erhöht die Identifikation mit der Sache.“ Für ihn seien  Kompromisse in diesem Prozess kein Zeichen von Schwäche.

Unter dem Schmunzeln seiner Zuhörer schilderte der prominente Schnauzbart-Träger die „ritualisierten“ Besuche eines Fastfood-Restaurants während großer Turniere, zeigte aber auch seine Frust-Ansprache nach einer nächtlichen Pizza-Bestellung seiner Truppe vor einem wichtigen Spiel am nächsten Tag, das dann trotz der zusätzlichen Mahlzeit gewonnen wurde. Für ihn sei das Thema „Führung“ dabei auch abhängig davon, „mit wem ich arbeite“. Junge Spieler benötigten andere Ansätze als erfahrene Kräfte.

Brand bezweifelt, dass Siegprämien die Motivation beeinflussen, entscheidend sei vielmehr die Eigenleistung: „Leidenschaft macht Unmögliches möglich, der Sportler muss mit aller Konsequenz sein Ziel erreichen wollen.“  Zudem spiele der Teamgeist eine große Rolle, sein Kader habe im Vorfeld der WM immer mit den T-Shirts „Projekt Gold“ trainiert. Gleichzeitig sei großes Vertrauen unter allen Beteiligten aufgebaut worden. Davon unabhängig müsse sich ein Trainer ständig selbst überprüfen. Nicht nur die Jugendhandballer Finn Krempl und Julian Blum nahmen neues Wissen mit. „Das Thema Motivation war wichtig und die Erkenntnis, dass man aus jeder Niederlage lernen kann“, hielt das Frisch-Auf-Duo beeindruckt fest.

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