Ein 37-Jähriger aus dem Raum Schwäbisch Gmünd ist vom Tübinger Landgericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Frauen zu sexuellen Handlungen an Kindern und Senioren angestiftet und sie geheißen hatte, dieses für ihn zu filmen. Der Vorsitzende Richter Christoph Sandberger brauchte allein eine halbe Stunde, um das jeweilige Strafmaß aller 33 Einzeltaten zu verkünden. Der Angeklagte verfolgte das Urteil reglos mit gesenktem Kopf.

Eine Mutter war mitangeklagt

Mitangeklagt war eine Mutter aus dem Raum Reutlingen. Sie hatte dem Angeklagten in der Hoffnung auf eine Partnerschaft und finanzielle Unterstützung im Herbst 2017 Intimbilder von ihrem vierjährigen Sohn sowie Videos von sexuellen Handlungen mit dem Kind geschickt. Als er immer abwegigere Sexualpraktiken mit dem Kind von der Frau verlangte, ging sie schließlich zur Polizei. Die Mutter habe das Verfahren erst ermöglicht, begründete Sandberger, weshalb die Frau mit zwei Jahren und neun Monaten Haft davonkam.

Ulm/Göppingen

Gericht folgt der Staatsanwaltschaft

Beim 37-Jährigen war die Kammer dem Strafantrag der Ersten Staatsanwältin Rotraud Hölscher gefolgt. Er sitzt seit seiner Festnahme im Juni 2018 in Untersuchungshaft. Beide Angeklagte hatten in nichtöffentlicher Vernehmung Geständnisse abgelegt. Laut Sandberger hatte der Angeklagte über Partnerbörsen im Internet Kontakt zu insgesamt 200 Frauen aufgenommen. Eine erstaunliche hohe Anzahl davon sei auf ihn eingegangen. Er forderte demnach absolute Unterwerfung von den Frauen. Laut dem Richter mussten sie sich teils selbst erniedrigen.

Senioren vergewaltigt und gefilmt

Eine Altenpflegerin der Wilhelmshilfe in Bartenbach brachte er dazu, sich an demenzkranken Senioren in dem Pflegeheim zu vergehen und ihm ebenfalls Bilder und Videos davon zu schicken. Auch bei ihr verstärkte er das Abhängigkeitsverhältnis dadurch, dass er ihr kinderpornografische Fotos schickte und damit drohte, die bereits übersandten Aufnahmen ihrem Arbeitgeber zu zeigen. Die Altenpflegerin ist im Oktober vom Landgericht Ulm zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden.

70 Jahre Altersunterschied bei den Opfern

Das Ungewöhnliche an diesem Fall war laut Sandberger, dass die Taten durch die Fotos und Videos lückenlos dokumentiert sind. Ungewöhnlich sei zudem die Vielzahl der Fälle sowie der hohe Altersunterschied bei den Opfern. Und schließlich auch, dass der Angeklagte die Taten „nicht zur Befriedigung seines Geschlechtstriebes“ ausgeübt haben will, wie es der Richter formulierte. Vielmehr habe er nach eigenen Angaben ausloten wollen, wie weit er gehen konnte. Auch der psychiatrische Gutachter Dr. Stephan Bork konnte demnach keine krankhafte Sexualstörung beim Angeklagten nachweisen. Laut Gericht hat der 37-Jährige alle Taten ohne sexuelle Motivation veranlasst – und alle wurden durch seine Mittäterinnen in geschützten Räumen verübt. Beide Angeklagten können gegen das Urteil noch in Revision gehen.

Im IT-Bereich als Selbstständiger gescheitert

Der 37-Jährige war um das Jahr 2015 als Selbstständiger im IT-Bereich in finanzielle Schieflage geraten. Über Partnerbörsen im Internet nahm er damals Kontakt zu mehreren Frauen und Männern auf und ergaunerte von ihnen Darlehen von insgesamt 95.000 Euro. Vom Amtsgericht Schwäbisch Gmünd wurde er zunächst zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Als drei weitere Betrügereien herauskamen, bildete das Amtsgericht im Juli 2017 eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Dieses Strafmaß hat das Landgericht Ellwangen im März 2018 bestätigt. Noch während das Berufungsverfahren lief, hat der Mann die letzten Taten verübt, wegen denen er jetzt verurteilt worden ist. Nun muss der 37-Jährige wohl beide Haftstrafen absitzen.

Altenpflegerin im Oktober zu Haftstrafe verurteilt


Urteil Eine 47-jährige Altenpflegerin der Wilhelmshilfe in Bartenbach war im Oktober vom Landgericht Ulm zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatte im geschützten Raum des Pflegeheims wehrlose Bewohner vergewaltigt, sexuell missbraucht, dabei verletzt und die Taten auch noch fotografiert, gefilmt und via Handy weitergegeben.

Anstifter Empfänger der Dateien war der nun in Tübingen verurteilte 37-Jährige, der die Frau angestiftet hatte. Als der Mann von einer Notlage und einer drohenden Zwangsversteigerung des Hauses der Altenpflegerin erfuhr, machte er vor, für sie zu sorgen, da er finanziell bestens gestellt sei.