Sich aufs Altenteil zurückzuziehen, passt nicht zu Peter Zimmermann. Und doch hat der Göppinger Vorzeigeunternehmer jetzt nach 40 Jahren, in denen er das einstige "Fabrikle" zum Weltmarktführer bei der Herstellung technischer Bürsten gemacht hat, die Leitung der Firma in Jebenhausen abgegeben und seine Mehrheitsanteile von 80 Prozent einer neu gegründeten Stiftung übertragen. Sie trägt seinen Namen und er ist Vorsitzender des vierköpfigen Stiftungsrates, der über die Geschäftspolitik wacht. Eine Verwaltungsgesellschaft soll die August Mink KG, die mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent gut aufgestellt ist, erfolgreich weiter führen.

Unter den drei Geschäftsführern ist auch Daniel Zimmermann, der Sohn des bisherigen Mehrheitsgesellschafters. Er hält nach wie vor 20 Prozent der Firmenanteile und ist für Personal und IT zuständig. Dem 42-Jährigen wollte Peter Zimmermann nicht die alleinige Verantwortung für den mittlerweile größten Bürstenhersteller der Welt übertragen. "Mein Sohn bleibt als Mitgesellschafter in der Leitung des Unternehmens, wo er seit zehn Jahren einen sehr guten Job macht", betont der 71-Jährige, der mit der Gründung seiner Stiftung Großkonzernen wie Bosch oder Bertelsmann folgt. "Nur so habe ich die Sicherheit, dass die Firma nicht als Erbe zersplittert oder an Finanzinvestoren verkauft wird", meint er. Bei Märklin habe dieser Irrweg fast zur Katastrophe geführt. "Wenn man da Dummheiten macht, geht das ins Auge."

Die Verantwortung gegenüber den Vorfahren, die das Unternehmen vor 170 Jahren gegründet haben, und gegenüber den 400 Mitarbeitern hätten ihn zu diesem Schritt veranlasst, berichtet Peter Zimmermann. "Mir ist wichtig, dass die Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten bleiben, die Kunden weiterhin absoluten Vorrang haben und die technischen Entwicklungen so wie bisher vorangetrieben werden." Neben seinem Sohn Daniel Zimmermann vervollständigen Michael Müller - Produktion, Technik und Einkauf - sowie Andreas Fuchs - Vertrieb und Marketing - das Geschäftsführer-Trio. Alle drei sind Kinder des Hauses, Müller (40) arbeitet seit acht Jahren bei Mink, Fuchs (39) seit vier Jahren. "Damit übernimmt eine bewährte Mannschaft das Ruder'", erklärt der Senior und verweist auf das größte Wachstum in der Branche. "Wir haben beim Umsatz die 50-Millionen-Euro-Grenze erreicht." Im Vorjahr waren es 42,5 Millionen Euro.

Tatsächlich hält der Nachfrageboom nach der Bürsten- und Fasertechnologie von Mink seit Jahren an. Auch das Auslandsgeschäft brummt. Jede zweite Bürste wird außerhalb Deutschlands verkauft. Die Spezialanfertigungen für die Automobil-, Lebensmittel-, Möbel-, Holz- oder Solarindustrie sind gefragt. Die Kundenliste der Jebenhäuser Firma liest sich wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft. Von Thyssen Krupp bis Porsche ist alles dabei, was Rang und Namen hat.

Vor zwei Jahren hat Mink rund neun Millionen Euro in die Erweiterung der Produktionsflächen in Jebenhausen auf 18.000 Quadratmeter investiert. Entstanden ist der so genannte Campus, ein in viel Grün eingebettetes Ensemble aus einem 3000 Quadratmeter großen Verwaltungsgebäude, einem Parkhaus mit 152 Stellplätzen und einem 400 Quadratmeter großen Mitarbeitercasino. "Wir sind einfallsreich, versuchen in Gesprächen mit Kunden herauszufinden, wo es klemmt, und entwickeln dann eigene Produkte", schildert der Seniorchef das Erfolgsmodell der Firma, von dem zahlreiche Patente künden. Unlängst stellte Mink auf der Hannover Messe mit der "Bubble Brush" eine Weltneuheit unter den Leistenbürsten vor. Marketingchef Andreas Fuchs ist sich sicher, dass Mink Bürsten weiterhin erfolgreich sein wird. "Eine Stiftung ist langfristig orientiert und denkt in Generationen und nicht in Drei-Jahres-Zyklen." Und was passiert, wenn Peter Zimmermann als Lotse endgültig von Bord geht? "Meinen Nachfolger als Chef des Stiftungsrates werde ich vor meinem Ausscheiden bestimmen, sollte dies nicht möglich sein, so wählt der Stiftungsrat einen Vorsitzenden aus seinen Reihen und bestimmt einen Nachfolger für den Nachrücker."

Soll keiner sagen, Peter Zimmermann habe nicht vorgesorgt.

Entwicklung des Unternehmens fördern

Zweck Der Zweck der neu gegründeten Peter-Zimmermann-Stiftung ist, das Stiftungsvermögen im Wert zu erhalten sowie den Bestand und die Fortentwicklung der August Mink KG in

Jebenhausen zu fördern und zu sichern.

Die Gewinne werden laut Peter Zimmermann, der als Stiftungsratschef weisungsbefugt gegenüber den drei Geschäftsführern ist, entsprechend des Beteiligungsverhältnisses verteilt. 80 Prozent erhält die Stiftung, 20 Prozent gehen an Daniel Zimmermann. "Das Geld wird aber nicht annähernd in voller Höhe ausgeschüttet", so der Stiftungsratschef, "sondern verbleibt als ,Darlehen' zur Finanzierung der laufenden Geschäftstätigkeit in der August Mink KG".