Das Stauferland glänzt mit "anspruchsvoller Topographie". Dieser Begriff fiel am Dienstag beim großen Stelldichein der Elektro-Akteure auf dem Göppinger Marktplatz gleich mehrmals. Das soll heißen: Die Umgebung zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen ist bergig. Für Elektroantriebe bedeutet das eine echte Herausforderung. Dass zwei Mittelstädte in Zusammenarbeit mit einigen Partnern die abgasfreie Fortbewegung vorantreiben, das ist eine weitere Besonderheit. "E-Mobilität im Stauferland" - kurz "Emis" - heißt das Projekt, das jetzt mit einem reichen Geldsegen aus Berlin ausgestattet wird. 1,9 Millionen Euro standen auf dem Scheck, den Veit Steinle, Leiter der Abteilung Umweltpolitik und Infrastruktur des Bundesverkehrsministeriums, von Berlin in die Hohenstaufenstadt brachte. Anreiz und Belohnung für die Projektpartner, die im Oktober das Projekt gestartet und jeweils einen Förderantrag gestellt hatten. Ein Volumen von 3,2 Millionen Euro geben sie insgesamt aus.

Ziel soll es sein, die Elektromobilität nicht nur in topfebenen Metropolen zu testen, sondern eben auch in Mittelstädten in hügeliger Landschaft. Die Erfahrungen, die die "Emis"-Beteiligten sammeln, sollen dann als eine Art Ergebniskatalog anderen Regionen zur Verfügung gestellt werden, Christine Kumpf, Wirtschaftsförderin der federführenden Stadt Göppingen.

Beispiele: Die Stadt Göppingen baut eine kommunale E-Fahrzeugflotte auf. Derzeit sind es schon drei E-Bikes und bald drei Personenwagen. Doch wie lässt sich die Nutzung durch die städtischen Mitarbeiter organisieren? Oder: Das Netz der Ladestationen in der City soll ausgebaut werden. Wie aber könnte ein funktionierendes Abrechnungssystem für den getankten Strom aussehen? Die Entsorgungsfirma ETG im Kreis Göppingen hat zwei Wochen lang ein Müll-Auto mit angenehm leisem und ökologischem Hybridantrieb getestet - und will nun mit verbesserter Batterietechnik daran anknüpfen. Die städtische Wohnbau Göppingen treibt ein Carsharing-Projekt im neuen Wohnquartier Stadtgarten voran: Dort sollen die etwa 100 Bewohner demnächst auf einen gemeinsamen Elektro-Smart zugreifen können.

Die Auswertung all dieser Einzelprojekte wird unter anderem von der Uni Stuttgart dokumentiert und an die Koordinierungsstelle gemeldet. "Die schauen uns genau auf die Finger", versicherte Veit Steinle. Bis August 2014 läuft der Förderzeitraum. Das Projekt ist Teil eines gigantischen Programms in Deutschland. Das aus heutiger Sicht "sehr ambitionierte Ziel", so Steinle: eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland bis 2020. Zum Projektstart zählte man in den beteiligten beiden Landkreisen gerade mal 70 Elektrofahrzeuge.

Übrigens können sich auch Bürger beteiligen: Sie können ihre Meinung zur Nutzung der Elektromobilität sagen. Halter von Elektrofahrzeugen sind eingeladen, die Forschung zu unterstützen. OB Guido Till freute sich, dass Göppingen und Schwäbisch Gmünd gemeinsam "elektrisch werden". Elektromobilität biete auch für den Wirtschaftsraum neue Chancen. "Diese Chancen auszuloten und in alltagstaugliche Projekte umzusetzen, dafür steht Emis". Sein Amtskollege Richard Arnold aus Gmünd betonte, dass die Remstalstadt bei der Landesgartenschau 2014 ein Schaufenster Elektromobilität eröffnen und auch beim Passagiertransport auf Elektroantriebe setzen wird. Gmünd und Göppingen seien Vorreiter der E-Mobilität - "anspruchsvolle Topographie" hin oder her.