Kinder wie die Zeit vergeht. Und höchste Zeit ist es für den Schalker Politk-Kabarettisten HG (Hans-Günter) Butzko geworden, wieder einmal nach Göppingen zu kommen. Seit 1997 steht er auf der Bühne und regelmäßig alle drei bis vier Jahre auch auf der im Alten E-Werk. Weil er hier, beim Veranstalter Odeon, sogar Vereinsmitglied ist – mit der Nummer 300 – und fast schon in seinem zweiten Zuhause. „Echt jetzt“ ist das zehnte Soloprogramm des Kabarettisten.

Es ist Zeit geworden, die vergangenen 20 Jahre zu analysieren, Veränderungen zwischen damals und heute zu durchleuchten, messerscharf zu sezieren. Wer weiß was war, erkennt besser was ist. Politisch ist sein Kabarett. Wie eh und je. Politisch im altgriechischen Sinne,  die Bürgerschaft und deren gemeinschaftlich-gesellschaftliches Zusammenleben betreffend. Ja, logisch, da gehören Politik und Politiker ideologisch auch dazu.

Noch intensiver nimmt Butzko den Bedeutungswandel von Begrifflichkeiten unter die Lupe und Digitalisierung, Internet und Co. ins Visier. Die Zeit drängt. Butzko packt sofort zu. Gnadenlos wortreich nimmt er Anlauf in den USA. Nur ein Gag über Trump,  das reicht. Mehr ist ihm eine Beschau des vermutlich unehelichen Sohnes des Porno-Stars Kelly Trump und Donald Duck auch nicht wert.

Nur, das Land, das vor 20 Jahren noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war, hat sich zum Land der begrenzten Unmöglichkeiten verändert. Ist das Entwicklung? Patriot hießen damals Luftabwehrraketen. Der Unterschied zu heutigen menschlichen Patrioten? Die früher hatten intelligente Sprengköpfe. Der hippe Sellerie-Grünkohl-Smoothie von heute galt damals als Seniorenteller. Und: Auf Scheiterhaufen verbrannte man noch viel früher Hexen. Heute ist der Begriff Lösungswort, wenn in Kreuzworträtseln ein anderes Wort für die EU, einer Ansammlung von Europäern, gesucht wird. Was ist nur aus der deutschen Wertarbeit geworden? Funktioniert die noch bei Stuttgart 21 und dem Flughafen Berlin? Die Ossis hatten das noch in Griff. Der Mauerbau war das Letzte, was in deutschen Landen planmäßig funktionierte.

Butzko schneidet tief. Mit tiefgründigen Worten, wie aus einer Kalaschnikow abgefeuert. Ironisch, satirisch, unterhaltsam – mit coolem Blick aus kahlem Kopf unter einer Kappe, die über die Jahre sein Markenzeichen geworden ist. Fehlschüsse: null.  Um die richtige Einsicht zu erhalten, braucht‘s mitunter Perspektivwechsel. Was wäre anders gelaufen, wenn das Schießpulver nicht in Europa, sondern in Afrika zuerst angekommen wäre? Dann hätten die Afrikaner Europa überfallen und dann hätten die hier Kolonien gegründet und die Lausitz sähe so aus, wie sie heute aussieht. Dann wären die Europäer nach Afrika geflohen. Wenn selbst Tony Fadell, der Vize-Präsident bei Apple, sagt,  Handys seien für ihn Mittel der Selbstüberhöhung, ist doch alles klar. Oder nicht? Echt jetzt!