Göppingen / CLAUDIA BURST Das "Café Asyl" schenkt Asylbewerbern und Flüchtlingen Raum, um zur Ruhe zu kommen. Dort haben sie Zeit, um zu erzählen. Und es gibt Menschen, die ihnen zuhören und mitfühlen.

"Mein Mann hat uns verprügelt. Immer wieder. Ich habe mich versteckt, er hat mich gefunden. Meinen Sohn hat er psychisch zerstört. Da sind wir weggelaufen." Der 39-jährigen Masoumeh laufen die Tränen übers Gesicht. Sie erzählt und die Frau, die ihr zuhört, spürt, dass es ihr gut tut. Wo der Iranerin die passenden deutschen Worte fehlen, nimmt sie die Hände zu Hilfe oder bittet eine Freundin am Tisch, die ihre Sprache - Farsi - spricht, um eine Übersetzung.

Masoumeh ist eine von vielen Gästen des "Café Asyl", das jeden Freitagnachmittag im Pavillon der Göppinger Stadtkirche stattfindet. Diese Einrichtung des Diakonischen Werks Göppingen gibt es erst seit Mitte Juli. Aber unter den Asylbewerbern, Flüchtlingen und Geduldeten im gesamten Landkreis hat sich herumgesprochen, dass es hier einen Raum gibt, in dem sie willkommen sind. Wo sie in herzlicher Atmosphäre Kaffee trinken und Kuchen essen dürfen. Und vor allem erzählen können. Von ihren Schicksalen. Der Flucht. Dem Heimweh. Von ihrer Dankbarkeit darüber, dass sie hier in Deutschland Sicherheit bekommen. Sicherheit vor dem Krieg in Syrien, vor der Angst in Afghanistan, vor dem Hunger in Afrika.

Viele Menschen sind jede Woche hier. Schwarzhäutige Männer, Frauen mit und ohne Kopftuch, Kinder mit tiefschwarzen Augen. Sie sitzen an Tischgruppen, an denen überall auch deutsche Ehrenamtliche sitzen. Die Kinder dürfen spielen, die Erwachsenen reden, so gut es mit ihren wenigen Brocken Deutsch, mit Gesten oder mit Englisch eben geht. "Hier kann ich zur Ruhe kommen", sagt Masoumeh.

Auch Rahime aus Afghanistan lässt sich kein Freitags-Café entgehen. "Mein Mann wird seit dem Krieg vermisst. Seine Familie wollte dann unsere 14-jährige Tochter zwangsverheiraten. Da sind wir geflüchtet." Was die 36-Jährige von ihrer anschließenden, monatelangen Odyssee erzählt, wühlt auf. Und schafft Verständnis bei denen, die ihr zuhören.

Olena aus der Ukraine schwärmt: "Ich liebe diese Platze so viel", und sprudelt richtig über, als sie über sich erzählt. Man merkt, dass sie das Reden braucht. An ihrem Tisch sitzen zwei Syrerinnen und eine Frau aus Sri Lanka. Die vier unterhalten sich und lachen fröhlich.

Heike Gehrer-Shelby unterhält sich am Tisch daneben mit dem Pakistaner Supra, hat dabei den Raum im Blick und freut sich, "dass wir alle jetzt schon eine richtige Gemeinschaft geworden sind". Heike - hier im Café duzen sich die Menschen - Heike ist diejenige, die als Hauptamtliche der "Zebra" (der Zentralen Beratungsstelle für Zugewanderte) des Diakonischen Werks, im Rahmen des "Freundeskreises Asyl" diese Initiative gestartet hat.

20 ehrenamtliche Mitarbeiter stehen ihr zu Seite, neue dürfen jederzeit "ganz unverbindlich" dazustoßen. "Leute, die einfach Interesse am Kontakt zu diesen Menschen haben", beschreibt sie und erzählt, dass "ganz am Rande auch praktische Lebenshilfe geboten wird bei Fragen zu Formularen oder bürokratischen Hindernissen". Und dass viel Hilfe eigentlich über Nebenschauplätze sichtbar werde. "Viele der Ehrenamtlichen haben Beziehungen aufgebaut zu manchen unserer Gäste, besuchen sie inzwischen auch zu Hause, geben ihnen Deutschunterricht, laden sie mal zum Essen ein. Das ist schön."

Man sieht es, wenn die Männer und Frauen den Raum betreten. Ein Strahlen geht über ihre Gesichter, wenn sie Heike, Monika, Birgit oder Martin wiedersehen, mit denen sie sich vergangenes Mal so nett unterhalten haben.

Info: Das "Café Asyl" findet jeden Freitag von 14 bis 17 Uhr im Pavillon der Evangelischen Stadtkirche in Göppingen statt.