Das Auftreten von Hyeyoon Park und Florian Uhlig ist nicht - wie bei manch anderen - durch affektiertes Auftreten und effekthascherische Virtuosenstücke geprägt. Ihre Philosophie geht in eine völlig andere Richtung: Sie schätzen edlen Zusammenklang in fein austarierter Balance. Dabei fühlen sie sich vor allem im Mezzoforte- und Pianobereich wohl. Die hervorragenden Instrumente, der vorzügliche Steinway der Stadthalle und die aus Cremona stammende Meistergeige, waren die Basis dafür. Das Ergebnis war Kammermusik vom Allerfeinsten, denn sie verzichtete weitgehend auf lärmende Effekte und Schärfen. Wobei sich die Frage stellt, ob die Violine im Saal der Stadthalle immer gut zu hören war.

Für den ersten Teil hatte das Duo zwei heitere Werke ausgewählt. Zu Beginn strahlte die Sonate G-Dur opus 30/3 von Beethoven in humorvoller Weise und zupackender Jugendlichkeit. Das "Tempo die Minuetto, ma molto moderato e grazioso" war zwar der Vorschrift nach gemäßigt im Tempo, aber eben nicht behäbig. Die Bezeichnung "grazioso" - anmutig und lieblich - wurde durchaus ernst genommen. Daraus erwuchs wunderbar intime Musik.

Die an zweiter Stelle platzierte Violinsonate von Francis Poulenc war auf ganz andere, nicht weniger eindrückliche Weise heiter. Schon beim ersten Ausholen der Bogenhand entfachte Hyeyoon Park ein Feuer, das aber nicht zum Flächenbrand ausartete - beseelt musizierte Zwischenteile boten einen noblen Kontrast dazu. Im "Intermezzo" schlug das Duo das Publikum in seinen Bann: Da wäre störendes Husten ein Vergehen gewesen! Die einzigartige Raffinesse dieser französischen Musik erinnert an feine Pariser Wäsche und die Eleganz der Salons in den 1920er Jahren. Aber Poulenc ist nicht nur der schillernde, witzige Komponist. Am Ende des Werks wurde man daran erinnert, dass es im Gedenken an die Ermordung des spanischen Dichters Federico Garcia Lorca geschrieben wurde. Der Clown Poulenc nimmt die Maske ab: Bitterer Schmerz über den Tod des Freundes entlud sich in den tiefsten Tönen des Klaviers.

Die Kombination von Erich Wolfgang Korngolds Suite zum Schauspiel "Viel Lärm um nichts" und der Sonate Nr.3 d-moll opus 108 von Johannes Brahms im zweiten Teil war noch gewagter. Wenn man die Reihenfolge umgedreht hätte, wäre noch drastischer klar geworden, dass das Werk von Korngold ein musikalisches Leichtgewicht ist. Wenn es aber von solchen Könnern gespielt wird, ist sie weder banal noch seicht. Sie machen sie federleicht! Die Cremonenser Violine singt im ersten Bild in unnachahmlicher Süße, in der Gartenszene flöten einige Vöglein; kapriziös und neckisch verspielt kommen die beiden anderen Bilder daher. Violine und Piano verwandeln das alles in sehr achtbare Heiterkeit der frühen 1920er Jahre in Wien.

Und dann: die Brahms-Sonate, ein musikalisches Bergmassiv! Da wogten mächtigere Emotionen: Dieses in sinfonische Dimensionen geweitete Werk nahm im Konzert einen eigenen Raum ein. Trotz allem Ringen zwischen den beiden Instrumenten überzeugte der edle Geigenklang vor allem im Adagio und im schwerelosen "Presto e con sentimento". So zog sich durch alle Werke auf unterschiedliche Weise heitere Leichtigkeit. Eine schlichte romantische Weise - vom Pianisten vom Tablet (!) abgelesen - rundete den großen Konzertabend ab.