Meisterkonzert Meisterkonzert mit „Singer Pur“ in Göppingen

Unprätentiös, technisch perfekt und ausdrucksstark präsentierte sich das Ensemble Singer Pur in der Stadthalle Göppingen.
Unprätentiös, technisch perfekt und ausdrucksstark präsentierte sich das Ensemble Singer Pur in der Stadthalle Göppingen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Sabine Ackermann 06.07.2018

Da stehen sie. Eng nebeneinander, brav hinter ihren Notenständern. Fünf Herren in dunkelgrauen Anzügen, weißen Hemden, darunter einige mit Einstecktüchlein und eine Dame im grün-gemusterten Kleid. Keine knallbunte Beleuchtung, Bühnendekoration oder sonstiger Schnickschnack, nichts lenkt ab, bei Singer Pur ist der Name durchaus Programm.

Sie geben sich trotz ihrer großen Erfolge in mehr als 50 Ländern, trotz ihrer zahlreichen Auszeichnungen den ganzen Abend angenehm bescheiden – keinesfalls großspurig, aber dafür großartig großmundig. Ihren Fokus setzen die drei Tenöre Rüdiger Ballhorn, Manuel Warwitz und Markus Zapp, seines Zeichens Tonangeber mittels Stimmgabel, Bassist Marcus Schmidl, Sopranistin Claudia Reinhard sowie Bariton Reiner Schneider-Waterberg ausschließlich auf Stimme und Sprachmelodie. Letztgenannter gefällt obendrein als charmanter Moderator. Nur aufs Wesentliche konzentriert knüpft er den roten Faden zwischen den facettenreichen Stücken und bittet die Zuschauer, erst nach drei, vier aufeinanderfolgenden Stücken zu applaudieren. Und die Missachtung dieses Wunsches wird einfach weggelächelt.

Herausragende Qualitäten von Singer Pur sind neben Aussprache, der Intonierung von hell-timbriert über klar-leuchtend bis dunkel-füllig ohne Zweifel die exakten Einsätze und Abschlüsse. Erstaunlich, dass dies ohne Mikrofon funktioniert – sogar die leisen, fast flüsternden Passagen sind bis in die hintersten Reihen gut zu hören. Mit scheinbar müheloser Abgeklärtheit, famosem Stimmklang und perfekter Homogenität und Klangreinheit lassen die sechs Sänger das Publikum während der Darbietungen kaum atmen. „Wir sind happy. Es ist enorm, was man aus einer Stimme machen kann“, unterstreicht Vera Fetzer aus Hohenstaufen ihre Begeisterung. Eine Gruppe von Frauen hätte  sich allerdings wie manch anderer Besucher mehr bekannte und schwungvolle Stücke gewünscht. Diese waren bei der spannenden Zeitreise durch rund 600 Jahre Musikgeschichte von der Renaissance bis hin zur Gegenwart tatsächlich dünn gesät.

Am Anfang stand das Thema „Aufbruch“. Nach Orlando di Lassos Hilferuf zu Gott „Timor et Tremor“ folgte „Zu Regensburg auf der Kirchtumspitz“. Und kaum war das von Ochmann arrangierte „Widewidewitt-dem-Ziegenbock“ verklungen, setzte das Sextett in Sachen „komisch-verrückt“ mit dem Stück „Anseris est giga“ von Jacobus Gallus noch einen drauf: Lautmalerisch sowie mit unverhohlenem Spaß am Tun imitierten die Vokalkünstler Gänsegeschnatter, Kuckuck-Rufe oder das Gekrächze der Raben. „Es ist was Neues, die Umsetzung mit dem Gesang ist gut gemacht“, so die 15-jährige Laura Hageneder aus Göppingen zum Kuckuck-Lied.

Zur Kategorie „Skandinavisches Abenteuer“ zählte das in Originalsprache gesungene Lied „Visa till Fårö“ aus der Feder von Elisbeth Hermodsson. John Cages groovige „Story, aus Living Room Music“ war gut aufgehoben bei den „Modernen Klassikern“, und zu „Back to the roots“ gehörte das vom Ensemblemitglied Marcus Schmidl arrangierte Stück „Chrystal silence“ von Chick Corea.

Gemessen am Beifall zählten freilich Stings „Englishman in New York“ sowie „Every little thing she does is magic“ zu den Sahnestückchen, ein weiterer „Herzenswunsch“ war das irische Volkslied „She moved through the fair“. Und weil „Singer Pur“ so herrlich unprätentiös sind, nehmen sie auch den imaginären Staubwedel in die Hand und verleihen „Rosestock „Holderblüh“ sowie Kerscheks „Hänsel und Gretel“ nicht nur neuen Glanz, sondern drücken diesen Volksliedern – wie bei jedem Stück – ihren ureigenen Stempel auf.

Die Geschichte der Vokalmusik

Werdegang Das in der Stadthalle Göppingen vorgestellte Programm „Once Upon a Time – Eine musikalische Zeitreise“ von Singer Pur entstand zum 25-jährigen Bestehen des Ensembles im vergangenen Jahr und lässt nicht nur die Geschichte der Vokalmusik, sondern auch den Werdegang der Gruppe musikalisch nacherleben: mit Werken vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, von Orlando di Lasso bis Sting, von der Renaissance-Motette bis zum modernen Pop-Song.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel