Kreis Göppingen Mehr Existenzgründer im Landkreis

Eine Mitarbeiterin versorgt einen Patienten daheim. Immer mehr Menschen machen sich in der häuslichen Pflege selbstständig. Die Existenzgründungen im Gesundheitsbereich sind im Landkreis deutlich im Kommen.
Eine Mitarbeiterin versorgt einen Patienten daheim. Immer mehr Menschen machen sich in der häuslichen Pflege selbstständig. Die Existenzgründungen im Gesundheitsbereich sind im Landkreis deutlich im Kommen. © Foto: dpa
SUSANN SCHÖNFELDER 21.02.2014
Das Interesse an Existenzgründungen im Kreis hat im vergangenen Jahr kräftig zugenommen. Vor allem der Gesundheitssektor boomt. Die IHK will künftigen Unternehmern verstärkt unter die Arme greifen.

Eigentlich wagen Existenzgründer vor allem in Krisenzeiten den Sprung in die Selbstständigkeit. Dieser Mechanismus machte sich zuletzt im wirtschaftlich schwierigen Jahr 2009 bemerkbar. Danach zog die Konjunktur wieder an - und das Interesse an Gründungen nahm rapide ab. Doch im vergangenen Jahr verzeichnete die Industrie- und Handelskammer (IHK) Göppingen trotz boomender Wirtschaft eine verstärkte Nachfrage nach Existenzgründungen. "Das liegt an einer geänderten Förderpolitik", erklärte Gernot Imgart, stellvertretender Geschäftsführer der IHK-Kammer in Göppingen, jetzt bei einem Pressegespräch. Künftige Unternehmer könnten auf höhere Zuschüsse bauen.

Wie dem auch sei - die IHK-Verantwortlichen freuts: "Denn wir sind im Kreis Göppingen dringend auf gute Gründungen und innovativen Unternehmernachwuchs angewiesen", betonte Bezirkskammerpräsident Wolf Martin. "Sie können Motor für den Strukturwandel im Landkreis sein", fügte Imgart hinzu. Zudem bedeute der demographische Wandel eben nicht nur einen Fachkräftemangel bei den Arbeitnehmern, sondern auch bei den Existenzgründern. Die IHK will daher Interessenten den Sprung in die Selbstständigkeit erleichtern und ihnen verstärkt mit Rat und Tat zur Seite stehen, beispielsweise in Fragen zu Finanzierung und Fördermöglichkeiten. Fehlende Eigenmittel und Probleme bei der Kreditfinanzierung wurden nämlich bei einer Befragung unter 72 Teilnehmern als eine der größten Hemmnisse für eine Existenzgründung ausgemacht. Weitere Schwierigkeiten sehen potenzielle Selbstständige in fehlenden Kundenkontakten oder mangelnden kaufmännischen Kenntnissen.

Weitere Erkenntnis der Umfrage: 58 Prozent der Gründer planten im Jahr 2013 ein Dienstleistungsunternehmen. Imgart: "Gründungen im Gesundheits- und Wellnessbereich waren dabei deutlich im Kommen." Ein Viertel aller Dienstleister will sein Glück im Gesundheitssektor versuchen. Damit nehme die Gesundheitswirtschaft nahezu zehn Prozent der Gesamtgründungen ein. 27,8 Prozent der Befragten wollten ein Handelsunternehmen gründen, lediglich 14 Prozent sahen in der Industrie eine Chance.

Positiv nahm die IHK zur Kenntnis, dass mehr als Dreiviertel aller Gründer die Rahmenbedingungen im Kreis als gut (65,3 Prozent) bis sehr gut (12,5 Prozent) einschätzen. Keiner hat die Bedingungen als schlecht beurteilt, elf Prozent sahen jedoch Verbesserungspotenzial. Bei den Vorhaben geht es in erster Linie um Neugründungen, nur sieben Prozent der Befragten strebten eine Unternehmensnachfolge an. "Angesichts des bevorstehenden Generationenwechsels in vielen Unternehmen erscheint diese Zahl als gering", sagte Imgart. Erfreulich sei wiederum - gerade in Boomzeiten - dass fast 80 Prozent der Gründer hauptberuflich tätig sein wollen.

Im Durchschnitt ist der Existenzgründer 41 Jahre alt