Desinfektionsmittel sind ein kostbarer Stoff geworden. Braumeister Hans-Dieter Hilsenbeck in Gruibingen ist darauf aufmerksam geworden. Weil er ja weiterhelfen kann: Bier hat Alkohol, den man für die Herstellung von Desinfektionsmittel braucht. Wie das funktioniert, haben der Göppinger Apotheker Philipp Wälde und der Obstbrenner Jörg Geiger aus Schlat schon vorexerziert. Im Zusammenspiel produzieren sie Mengen von 2000 Litern für die Klinik, Arztpraxen, Patienten, Hebammen, Betrieben und Institutionen, die in diesen Tagen gewaltigen Bedarf haben. Mit einer Kapazität von 2000 Litern  kann Bierbrauer Hilsenbeck nicht dienen. Aber eine Nummer kleiner sehr wohl. Er zielt auf 75 bis 100 Liter am Tag.

„Wir kriegen kein Ethanol mehr.“ So hörte es Hilsenbeck von Apothekerseite. Er hat sich mit einem befreundeten Apotheker zusammentelefoniert und sich bei vielen im Umkreis erkundigt, wie es bei ihnen aussieht. Gleich mal 30, 40 Apotheken hat er angerufen. Und das ist noch gar nichts, sagt er: 250 Apotheken gebe es laut Internet-Branchenverzeichnis im weiteren Umkreis. Das Ergebnis: Die einen fühlen sich versorgt, die anderen nicht. „Wir brauchen das unbedingt“, hörte er von etlichen, und es sei klasse und super, wenn sie etwas bekämen. Gut zehn Apotheken hätten schon Desinfektionsmittel bei ihm vorbestellt.

Die Vorbereitung nahm eine Woche in Anspruch. Rechtliche Fragen etwa zur Branntweinsteuer waren zu klären. Den notwendigen Partner gewann Hilsenbeck mit nur einem Anruf: Brenner Karl Class aus Hepsisau ist schon geschäftlich mit ihm verbunden. Und: „Wir sind gut befreundet.“ Wertvoll ist, dass Class eine so genannte Verschlussbrennerei hat, er darf solche Mengen produzieren. Seine Destillerie ist freilich nur für den Obstbau ausgelegt,  sie fasst keine Hektoliter. 

Malzauszug mit besonderer Hefe

Für Hilsenbeck war es etwas Neues: Er hat noch keinen Sud angesetzt, um daraus einfach nur Alkohol zu gewinnen. Das tat er jetzt am Montag zum ersten Mal. Einen ersten Brand mit 250 bis 300 Litern. Als Malzauszug, wie der Fachmann sagt. Da wird geschrotetes Malz mit Wasser angesetzt, auf Temperatur gebracht, und mit Hefe versetzt. Eine spezielle Hefe nur zur Alkoholproduktion, sagt der Baumeister, das ist nicht die klassische Bierhefe. Zwei, drei Tage dauert die Vergärung, dann kann der Alkohol zum Brennen wandern.

Karl Class wird dann mit seiner Brennblase 70-prozentigen Alkohol erzeugen, so etwa 25 bis 30 Liter pro Brand. Da wird dann Zug drauf sein. „Das werden dann schon drei Brände am Tag“, sagt Hilsenbeck. Aber: Noch ist es nicht soweit. Und der Braumeister will den Tag nicht vor dem Abend loben. Noch nennt er es ausdrücklich das Ziel, dass es heute oder morgen mit dem Brennen klappt und am Freitag die Auslieferung beginnt.

Hilfreich für die Beschäftigung

„Es geht nicht um Geld“, sagt Hilsenbeck. Es gehe darum, den Flaschenhals zu vermeiden, der sich bei der Versorgung von Desinfektionsmitteln auftut. Genauer gesagt ist es Handdesinfektionsmittel, das die beiden produzieren wollen. Dafür passt die 70 Prozent Alkohol-Konzentration, die sie bieten können. Wichtig auch: Die Ethanolproduktion hilft, Leute zu beschäftigen: Mitarbeiter der Brauerei, die infolge der Corona-Krise weniger Arbeit haben. Die Feste, die Gastronomie, die Tagungen – alles ist für den Moment weg. „Im Endeffekt“, sagt Hilsenbeck, „ist es ein Durchreichegeschäft. Es ist auch kein Geschäftsmodell.“