„Die Farbe ist der Ort, wo unser Gehirn und das Weltall sich begegnen“, lautet ein Aphorismus des vor 110 Jahren verstorbenen Paul Cézanne. Die Lebensweisheit des französischen Malers könnte auch von Johannes Arbinger stammen, sieht er sich doch selbst als „farbenfrohen Menschen“. Und man glaubt es ihm, der sich gerne auch Johannes 13 nennt, auf den ersten Blick. Markant seine „Flammen der  Lebensfreude“, mit denen er sowohl als lebendiges Kunstobjekt und nun auch als Künstler in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erzeugt.

„Kosmische Welten“ heißt seine Premieren-Ausstellung, seine kreative Auseinandersetzung mit dem Himmel als reflektierender Prozess. Rund 16 großflächige Acrylbilder laden die Besucher ins Casa Nova nach Rechberghausen zum intensiven Betrachten ein. Ob in schweigender Anmut oder im lebendigen Austausch – geheimnisvoll und spannungsgeladen erscheinen seine Landschaften, in denen etwa freischwebende Kristalle oder Blitze in fliederfarbener Atmosphäre vor Mond nebst unbekanntem Flugwesen Akzente setzen.

Strahlen die Bilder eine Stille aus, kann dies auch die Ruhe vor dem Sturm sein. Bekanntermaßen ist in den kosmischen Welten jede Menge los, bisweilen toben dort gewaltige Stürme. Asteroidengürtel, Himmelskörper, Planetenwetter, jedes Auge zieht seine ureigenen Schlüsse über die kreativen unsichtbaren Parallelwelten oder höheren Dimensionen.

Eher einfach interpretiert Johann Arbinger seine Malkunst: „Weil ich voll Bock hatte und ich mich weiterhin künstlerisch im phantastischen wie figurativen Bereich bewegen möchte, weil ich mich dort sehr wohlfühle.“ Figurativ? Stimmt, neben „Kosmik Evolution“, quasi vom Urknall zum Leben, zeigt sich überdies Jesus Christus ebenfalls auf eine ganz besondere Art. „Reach out, order by Soul“ nennt der 53-Jährige das Konterfei des Erlösers.

Zur Jahrtausendwende hat es Johannes Arbinger von Niederbayern nach Göppingen verschlagen. Mit den Schwaben habe er sich gleich verstanden, sei hier mit offenen Armen empfangen worden. Und er bestätigt mit einem Augenzwinkern: „So lange war ich noch nie an einem Ort, fühle mich gut integriert“.

Gezeichnet habe er schon als Kind sehr gerne, erinnert sich: „Während des Religionsunterrichts malte ich immer Skizzen ins Heft, nicht gerade zur Freude des Pfarrers, dem hat das gar nicht gefallen.“ Dennoch besuchte er keine Kunsthochschule, sondern entschied sich nicht gerade leichten Herzens für eine Ausbildung als Metzger. Bayrisch bodenständig eben. Noch immer in der Findungsphase war ihm längst nicht alles „Wurst“, vielmehr verschönerte er währenddessen mittels Airbrush-Technik unter anderem Tanks von Motorrädern.

Allerdings wurde Johannes 13 schnell klar, der Luftpinsel war überhaupt nicht sein Ding. „Mir fehlte da der direkte Kontakt zur Leinwand“, verrät der Künstler. Nach Beendigung seiner Metzgerlehre, ließ sich der junge Mann weiterhin kreativ treiben, hängte zusätzlich eine dreijährige Ausbildung zum Tätowierer dran. Wurde sein Körper im Laufe der Jahre immer mehr zur Leinwand für durchweg farbige Tatoos jeglicher Couleur, machte er sich zudem als weltreisender Gasttätowierer einen Namen.

Aufgrund eines schweren Motorradunfalls musste er 2006 diesen Job aufgeben, die oftmals gebückte Haltung machte sein Rücken nicht mit. Zwei Jahre später starb seine Frau an Krebs. Damit die Existenz auch für seine 13-jährige lernbehinderte Tochter Janina gesichert ist, arbeitet er als Zeitarbeiter in einem Maschinenbauunternehmen. „Auch wenn mir das kreative Leben fehlt, ich wollte nicht arbeitslos, kein Hartz4-Empfänger sein“, betont Johannes Arbinger. Da er für sein Kind sorgen muss, habe er mit seiner Firma eine Lösung gefunden. Ab 16 Uhr widmet sich der sympathische Künstler der Malerei und freut sich, wenn seine Lebensgefährtin und Muse Bea bei ihm ist. „Ich sehe mich mehr als Kreativgeist oder Malerlehrling“, sagt der Göppinger, dessen Motive stets als Skizze im Kopfkino entstehen und dann möglichst schnell stehend an der Staffelei oder gar liegend unbedingt auf die Leinwand müssen. „Nix Hartes, nix Knalliges, in der Farbwahl bin ich inzwischen viel weicher geworden“, verrät Johannes 13, der das Geheimnis seines Pseudonyms nicht lüften will. „Johannes 13 ist eine Codezahl einer Subkultur, das macht man nicht öffentlich“. Da bleibt er freilich hart.

Info Johannes Arbingers Vernissage „Kosmische Welten und mehr“ findet wie das Livekonzert der „Covering Voices“ heute um 20 Uhr im Casa Nova in Rechberghausen statt. Die Ausstellung ist bis zum 30. September jeweils zu den Öffnungszeiten des Begegnungscafés zu sehen.