Die Rapsfelder im Kreis blühen in ihrer gelben Pracht. Eigentlich könnten hier Millionen Bienen satt werden, doch für sie ist das Wetter zu kalt. Sie können bei diesen Temperaturen nicht fliegen. "Die Tiere sitzen in den Startlöchern und warten, wir Menschen auch, auf besseres Wetter", sagt Hermann Kauderer, der Vorsitzende des Bezirksimkervereins Göppingen. "Die Bienen sind vier Wochen in ihrer Entwicklung zurückgeworfen." Bisher sei der Honigertrag gleich null. Denn das, was die Tiere an wärmeren Tagen gesammelt haben, brauchen sie für die Ernährung ihrer Jungtiere.

"Die Königin legt trotzdem jeden Tag etwa 2000 Eier", sagt Kauderer, der selbst Bienenstöcke am Heininger Haus stehen hat. Weitere hat er auf die Alb gestellt, weil dort der Raps so schön blüht. Dieses Paradies ist für die fliegenden Sammler jedoch zwecklos, sie verlassen ihren Stock nicht. Regen und Kälte hindern sie am Ausschwärmen.

Die Tiere haben Hunger, der Honigfreund geht leer aus. "Im vergangenen Jahr haben wir um diese Zeit schon geschleudert", erinnert sich Kauderer. "Wir brauchen jetzt einmal 14 Tage gutes Wetter am Stück." Das Problem sei, dass es mit dem Bienenvolk ab der Sommersonnenwende im Juni wieder bergab gehe. "Uns sitzt der Kalender im Nacken", sagt Kauderer. Im Frühjahr fänden die Tiere besser Nahrung, weil mehr Blumen blühten, von denen sich Nahrung holen lasse. Im Sommer sei die Auswahl begrenzt.

Auf den Äckern im Kreis ist noch nicht viel zu sehen. "Eigentlich sollte der Weizen jetzt Ähren ausbilden. Dieses Jahr verzögert sich das Wachstum allerdings um ein bis zwei Wochen", sagt Wolfgang Daiber, der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Die Verzögerung sei jedoch nicht das Problem. Der Landwirt aus Holzhausen muss derzeit jede trockene Minute nutzen, um die Arbeiten auf den Feldern zu erledigen. Vieles schafft er nur dann, wenn das Getreide trocken ist. Und auch die Maschinen lassen sich schlecht über einen nassen Acker bewegen.

"Mairegen bringt Segen - so lautet eine Bauernregel", sagt Daiber. Das stimme zu einem gewissen Grad schon, allerdings könne die feuchte Witterung in diesem Jahr zum Verhängnis werden. Pilze, beispielsweise Fusarium, vermehren sich schneller. Selbst für den Pflanzenschutz, also die Prävention vor Pilzen, braucht der Landwirt trockenes Wetter. Die Menge der Ernte verringere sich wahrscheinlich nicht, es gebe eher Einbußen bei der Qualität des Korns.

Daiber kennt die Sorgen seiner Kollegen: "Schwierig ist für viele Landwirte im Kreis, dass sie das Ackergras, das viele an ihr Milchvieh verfüttern, noch nicht ernten konnten. Das geht nicht, solange dieses nass ist. Auf den Flächen wollen viele aber Mais sähen."

Daiber rechnet damit, dass die Landwirte im Kreis nach der Ernte hohe Trocknungskosten bezahlen müssen, wenn die Witterung sich nicht bald ändert. Trotz aller Schwierigkeiten bleibt Daiber zuversichtlich: "Wir müssen jetzt einfach das Beste daraus machen."

Der Mai bleibt düster