Göppingen Flagge zeigen für eine solidarische Welt

Die Hauptrednerin Tatjana Funke von der Bezirksleitung der IG Metall schwor die Besucher der zentralen DGB-Maiveranstaltung auf dem Schillerplatz in Göppingen auf einen Kampf für mehr Gerechtigkeit ein.
Die Hauptrednerin Tatjana Funke von der Bezirksleitung der IG Metall schwor die Besucher der zentralen DGB-Maiveranstaltung auf dem Schillerplatz in Göppingen auf einen Kampf für mehr Gerechtigkeit ein. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Von Werner Schmidt 02.05.2018
Rund 200 bis 300 Menschen haben sich am Dienstag bei der traditionellen Maikundgebung auf dem Schillerplatz versammelt.

Mit einer Provokation begann die Hauptrednerin Tatjana Funke von der Bezirksleitung der IG Metall auf der zentralen DGB-Maiveranstaltung auf dem Schillerplatz in Göppingen gestern ihre Ansprache. Der traditionelle 1. Mai stand dieses Mal unter dem Motto „Solidarität – Vielfalt – Gerechtigkeit“. Und Tatjana Funke stellte fest: „Die Welt steht am Abgrund. Und die Veranstaltungen zum 1. Mai werden daran auch nichts ändern.“

Eine überschaubare Gruppe von rund 200 bis 300 Menschen hatte sich auf dem Platz versammelt und lauschte der Gewerkschafterin, die zum Kampf aufrief: „Wer so denkt, kann heimgehen. Der kann sich im Untergangsschmerz suhlen.“ Einige Teilnehmer hielten  die obligatorische rote Nelke in Händen, andere Gewerkschaftsfahnen, wieder andere Transparente. Auf einem stand: „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“.

Daneben prangerte Tatjana Funke auf der improvisierten Bühne in Schlagworten die soziale Ungerechtigkeit bei der Vermögensverteilung in Deutschland an: „Die einen sammeln teure Uhren, die anderen Pfandflaschen!“ Und forderte die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer, höhere Steuern auf Spitzeneinkommen und letztlich auch die Besteuerung von Finanztransaktionen sowie der hier im Land anfallenden Unternehmensgewinne.

Um dann erst die gute, dann die schlechte Nachricht zu verkünden: „Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik waren so viele Menschen erwerbstätig – und nie zuvor war der Niedriglohnsektor größer und die Reallohnentwicklung im unteren Bereich schwächer.“ Es sei grundsätzlich nicht die Arbeit, die verschwinde. Bedroht seien vielmehr sichere Arbeitsplätze mit tariflich geregeltem Einkommen, guten Arbeitsbedingungen, Aufstiegschancen und Mitbestimmungsrechten.

Ein Thema, dem sich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens am Rand der Veranstaltung widmete und sich einerseits freute, dass die Tarifbindung bei den Unternehmen wieder steige und auch die Journalisten auf der Maikundgebung stark vertreten waren, um für ihre Interessen einzutreten: „Grade die Politik ist auf kritische und unabhängige Journalisten angewiesen.“

Sascha Binder, Landtagsabgeordneter der SPD Geislingen, sagte, es sei wichtig, deutlich zu machen, dass die, die arbeiten, auch „auskömmlich verdienen müssen“. Die Sympathien des Grünen-Abgeordneten im Baden-Württembergischen Landtag und früheren Rundfunkjournalisten, Alex Maier, galt insbesondere den Zeitungsredakteuren: „Sie haben einen schweren Stand.“ Insgesamt aber unterstützten die Grünen „den Kampf der Arbeiterbewegung für eine gerechte und solidarische Welt“. Dabei erklang im Hintergrund „Samba pa ti“ gespielt von der Band „Fini & Friends“. Nachdem zuvor, zum Abschluss des offiziellen Teils der Kundgebung, gemeinsam das Arbeiterkampflied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ gesungen worden war. Wer erinnert sich daran, dass es russischen Ursprungs ist und der Originaltitel in deutscher Übersetzung lautet: „Tapfer, Genossen, im Gleichschritt!“

Feiertag seit 1933

Wie sich ebenso wenige daran erinnern werden, dass es die  Nationalsozialisten waren, die 1933 den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag und „Tag der nationalen Arbeit“ erklärt hatten.

Martin Hommel war auf den Göppinger Schillerplatz gekommen: „Weil es sich gehört.“ Als SPD-Mitglied einerseits und als jemand, der dem Betriebsrat bei Daimler nahestand, wo er mehr als 30 Jahre lang gearbeitet hat. Für ihn ist der 1. Mai immer auch eine Möglichkeit, „Flagge zu zeigen“, sagte er.

Aber er werde natürlich nicht den ganzen Tag mit gewerkschaftlichen Maifeiern zubringen, gestand er, sondern habe auch noch andere Pläne.

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