Etwas angesäuert reagierte Oberbürgermeister Guido Till, als sich am Donnerstagabend im Gemeinderat die Abstimmungsniederlage abzeichnete. Man solle die Kompetenz der Maientagskommission nicht in Frage stellen, mahnte der Rathauschef. Tatsächlich galt dieses Gremium bisher als letzte Instanz bei allen Fragen rund um das Göppinger Traditionsfest. So hatten die Männer und Frauen auch entschieden, dass der Umzugsweg in diesem Jahr mehr als halbiert werden  und den ganzen Göppinger Osten aussparen soll – inklusive des historisch überlieferten Festzugsziels an der Oberhofenkirche.

Statt dessen sollte der traditionelle Zug mit historischen Darstellungen und Schüler-Gruppen nur über die Hauptstraße und den Schlossplatz zum Schillerplatz führen. Das wurde mit der unattraktiven Baustellenlandschaft und den in den vergangenen Jahren oft spärlich mit Zuschauern besetzten Umzugswegen begründet, aber auch mit dem für kleinere Schüler sehr langen Weg von zweieinhalb Kilometern. Das sei „eine verantwortungsvolle Entscheidung für die Attraktivität des Festzugs“, meinte Till.

Unterstützer fand er aber kaum. Leidenschaftlich hatte bereits der Schul- und Sportausschuss darüber gestritten: über Belastbarkeit der Jugend, über Werte und Gewohnheiten, über liebgewonnene Konstanten, die man nicht verändern solle. Am Donnerstag legten die Stadträte nach. Unter anderem mit dem Argument, die Baustellen blieben der Stadt ja noch eine Weile erhalten. Und der Weg, den Ingo Hagen (CDU) mit 889 Meter abgeschritten hatte, sei einfach zu kurz.

Am Ende beschloss das Gremium bei 28 Ja- gegen drei Nein-Stimmen sowie drei Enthaltungen, der Maientagskommission zu widersprechen. Es bleibt alles beim Alten. Ulrich Drechsel, Leiter des Fachbereichs Schulen, Sport, Soziales, nahm’s gelassen: „Wir schaffen den Salto rückwärts auch noch.“

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