Göppingen Maientag: Geschäft mit Tradition

Göppingen / JAKOB KOTH 14.06.2012
Am Freitagmittag öffnet der Rummel auf dem Gelände der EWS-Arena wieder seine Tore: Manche Karussells sind schon seit einem viertel Jahrhundert auf dem Festplatz zu finden, andere haben Premiere.

Wer in diesen Tagen am Gelände der EWS-Arena vorbeifährt oder läuft, wird Zeuge quirligen Treibens der Schausteller und ihrer Angestellten: In hohem Tempo bauen sie dort ihre Fahrgeschäfte und Buden auf, damit ab morgen Mittag bis Sonntagabend Jung und Alt seinen Hunger nach Adrenalin, gebrannten Mandeln und Bratwürsten stillen kann.

David Roschmann ist einer dieser Männer, die kräftig anpacken müssen, damit bis Freitagmittag alles steht.

Als echtes Urgestein des Schaustellerberufes kann man Familie Roschmann bezeichnen. Schon in der dritten Generation nun zieht David Roschmann mit Auto-Scooter, auch als Boxauto bekannt, Losbuden und Süßigkeitenständen durchs Land. Roschmann, der Hauptpächter auf dem Göppinger Maientag ist, erzählt, dass bereits der Großvater als einer der Pioniere sozusagen, den Auto-Scooter aufgebaut hat. "Damals war der Job sicherlich noch leichter als heute, das Geld der Jahrmarktbesucher sitzt mittlerweile nicht mehr so locker", sagt der Schausteller, der schon nach der Schule in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters getreten ist. Dennoch gebe es immer noch einige, die sich den Zusammenstoß beim Boxautofahren nicht entgehen lassen wollen.

Wenige Meter weiter trifft man auf ein wahres Ungetüm. Es ist die Geisterbahn von Robert Filder aus Karlsruhe, der vor drei Jahren schon einmal in Göppingen war. Hässliche Fratzen und finster dreinblickende Gestalten, die am Eingang angebracht sind, lassen bereits erahnen, welche Schreckensmomente im Inneren den Fahrgast erwarten. Für jüngere Maientags-Gäste, oder für solche, die dem Nervenkitzel von "Wilde Maus", "Brake Dance" und Co. nichts abgewinnen können, stehen Kettenkarussell, Flugsimulatoren und eine Kinderachterbahn im hinteren Teil des Geländes bereit.

Ebenso emsig wie die Betreiber der Fahrgeschäfte sind auch die Besitzer der zahlreichen Buden, die am Wochenende, mit Stofftieren und Krimskrams geschmückt, Besucher mit Geschicklichkeits- und Glücksspielen locken.

Auch Ballonkünstler Rudi Balloni bahnt sich einen Weg durch die Pfützenlandschaft und macht sich ein Bild vom laufenden Aufbau. Er wird morgen und am Wochenende mit seinen geübten Händen Luftballonschlangen so lange verbiegen und verknoten, bis sie Tiergestalten angenommen haben. "Vor allem Kinder lassen sich damit begeistern", meint der Unterhalter. Selbst beim Blick in den wolkenverhangenen Himmel verliert Balloni seinen Humor nicht und ist optimistisch: "So wie es jetzt aussieht, kann es ja nur besser werden." Neu mit dabei auf dem Maientag ist dieses Jahr auch Egon Kaiser aus München: Sein Höllengerät nennt sich "Cyber Space" und ist seiner Aussage nach nur etwas für Hartgesottene: Ein Riesenpendel, das die Passagiere 50 Meter im freien Fall nach unten sausen lässt und mit bis zu 100 Stundenkilometern Loopings dreht - sicher nichts für schwache Nerven.

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