"Mit Spielwaren zurück in die Kinderzimmer", formuliert der neue Märklin-Gesellschafter Michael Sieber das Ziel. Die Reihe "My world" sei der richtige Ansatz, aber das reiche noch nicht, betonte er gestern bei der Pressekonferenz zum Abschluss der Märklin-Tage. "Wir brauchen noch etwas, womit wir die Fünf- bis Zwölfjährigen begeistern können, so der neue Gesellschafter. Vorbild habe da für ihn Lego, das mit seinem Kleinkindprogramm Duplo die Kinder schon früh für das Zusammenstecken von Bausteinen begeistern kann.

Sieber gestand ein, dass man das richtige Produkt noch nicht gefunden habe. Das Comeback mit dem vor Jahren eingestellten Märklin-Modellbaukasten in den Kinderzimmern zu feiern, wollten deshalb weder er noch sein Sohn Florian ausschließen.

Um Märklin auf Wachstumskurs zu bringen - Michael Sieber: "Zuwächse in Höhe der Inflationsrate sind für mich kein Wachstum" - sollen vor allem im Ausland neue Märkte erschlossen werden. Österreich und die skandinavischen Länder haben die Siebers dabei zunächst im Auge, auch den amerikanischen Markt, der in der Vergangenheit, wie Geschäftsführer Wolfrad Bächle bestätigte, vernachlässigt worden sei, müsse neu aufgebaut werden. Japan sei ebenfalls für Märklin interessant, bestätigte Sieber. Inwieweit Russland für den Göppinger Modellbahnbauer ein Markt werden könnte, werde derzeit analysiert. Für den Spielwarenkonzern Simba-Dickie, dem Sieber vorsteht, sei Russland bereits der drittwichtigste Partner. Forian Sieber hatte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt, dass "das Einkommens-Level in Russland in den letzten Jahren stetig angestiegen ist, so dass die Produkte auch immer mehr in der Kaufkraft der Bevölkerung liegen."

Produktion zurückholen aus Fernost

Für Vater und Sohn Sieber wie für Bächle ist jedoch neben der Erschließung neuer Märkte wichtig, die Produktion aus Fernost wieder nach Göppingen und Ungarn zurückzuholen. Das sei mit hohen Kosten verbunden, denn Werkzeuge und Formen, die man einst dorthin abgegeben habe, müssten zum Teil sehr aufwendig repariert werden. Ein Großteil der Investitionen von rund 20 Millionen Euro (bis 2014) soll in neue Maschinen und Technik fließen, auch um bei neuen Produkten schneller zu werden, ohne dabei den Qualitätsanspruch zu vernachlässigen. Bislang dauere die Entwicklungszeit neuer Produkte in der Regel bis zu 18 Monate. "Wir werden schneller werden müssen in unseren Produktentwicklungen, dass wir schneller am Markt und den Anforderungen unserer Kunden sind", sagte Sieber in dem dpa-Gespräch. Komplett Neues werde es wohl nicht vor 2015 geben. "Wir werden da aber kein Produkte überstülpen in den Märklin-Mantel, die eigentlich nichts mit der Identität der Marke zu tun haben."

Selbstkritisch gestand Geschäftsführer Wolfrad Bächle am Sonntag auch ein, dass in der Vergangenheit schwere Fehler gemacht worden seien. Zum Beispiel beim Marketing. Hier habe man die vom Kunden erwartete Transparenz vermissen lassen und sei in vielem zu oberflächlich geblieben. "Das korrigieren wir gerade", so Bächle. Auch bei den Lieferung von Ersatzteilen gebe es noch Engpässe, räumte der Geschäftsführer ein. Michael Sieber sieht Märklin auf einem guten Weg. Die gesteckten Ziele würden in diesem Jahr erreicht, so der Gesellschafter, und unterstrich noch einmal, dass für ihn Märklin ein längerfristiges Engagement bedeutet.


ZITAT DES TAGES

"Zu Weihnachten habe ich mir eine Spur Z gewünscht."

Michael Sieber, Märklin-Gesellschafter