Göppingen/Fürth Märklin-Übernahme steht

Die Übernahme des Modellbahnherstellers Märklin durch den Fürther Bobby-Car-Produzenten Simba Dickie ist perfekt.
Die Übernahme des Modellbahnherstellers Märklin durch den Fürther Bobby-Car-Produzenten Simba Dickie ist perfekt. © Foto: dpa/Fredrik Von Erichsen;Vennenbernd
JOA SCHMID 21.03.2013
Märklin dampft mit dem Bobby-Car in die Zukunft: Die Übernahme des Göppinger Traditions-Unternehmens durch Simba Dickie ist in trockenen Tüchern. Heute soll die Einigung bekannt gegeben werden.

Das Aufgebot ist bestellt, die "Traumhochzeit der Spielwarenbranche" beschlossene Sache. Die Märklin-Übernahme durch den Fürther Bobby-Car-Produzenten Simba Dickie wird heute bei einer Pressekonferenz in Fürth bekannt geben. Nach Informationen der NWZ wollen der Chef der Simba-Dickie-Group, Michael Sieber, und Märklin-Treuhänder Michael Pluta dabei über Details der Einigung informieren.

Dem Ja-Wort waren monatelange Verhandlungen voraus gegangen. Mit der schriftlichen Zusage von 98 Prozent der 480 Mitarbeiter am Märklin-Stammsitz in Göppingen, Abstriche gegenüber dem gültigen Flächentarif um weitere fünf Jahre ab 2014 fortzuschreiben, war vergangene Woche eine wichtige Bedingung des Bobby-Car-Herstellers erfüllt worden. Die entsprechenden Änderungsarbeitsverträge der Märklin-Mitarbeiter sind unter Dach und Fach. Damit verbunden ist eine Arbeitsplatzgarantie bis 2019.

Simba Dickie war mit der Forderung, den Haustarifvertrag, den Märklin im Zuge der Insolvenz 2009 ausgehandelt hatte, zu verlängern, bei der IG Metall abgeblitzt. Die Einschnitte bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie bei Tariferhöhungen wollte die Gewerksschaft nicht fortschreiben. Stattdessen hatte die IG Metall eine schrittweise Rückkehr zum Flächentarif gefordert. Um die Übernahme nicht zu gefährden, hatte der Modellbahnhersteller, der 2009 Insolvenz angemeldet hatte und mit eigener Kraft aus der Krise gedampft ist, den Beschäftigten Änderungsarbeitsverträge angeboten. Mit Erfolg.

Die Belegschaft sieht die Übernahme positiv. Man setze großes Vertrauen in das Fürther Unternehmen als strategischen Investor, wird der Betriebschef Georg Geiger nicht müde zu betonen. Das tun auch die 1350 Gläubiger, darunter die Geldinstitute Goldman Sachs, BW-Bank und Kreissparkasse Göppingen, denen Märklin momentan gehört. Sie haben dem Unternehmen nach der Insolvenz 2009 den Ausstieg aus der Krise ermöglicht und hoffen nun mit Märklin-Treuhänder Michael Pluta auf den "Unternehmer mit Herzblut" aus Fürth.

Die Märklin-Strategie, wieder verstärkt in den Kinderzimmern Einzug zu halten, könnte mit diesem Coup aufgehen, vermuten Branchen-Kenner. Der Bobby-Car-Produzent Simba Dickie, ist Deutschlands größter Spielwarenproduzent. Simba-Chef Sieber hatte sich bereits im November begeistert gezeigt von der Entwicklung bei Märklin. "Was das Management da geleistet hat, ist sensationell." Dazu zählt der Firmenchef die Rückholung der Produktion von China nach Göppingen und Györ (Ungarn), aber auch die Drei-Marken-Strategie mit Märklin Trix und LGB. Sieber damals: "Da wurde vieles eingeleitet, was man fortführen sollte." Die Mitarbeiter hoffen, dass der Firmenchef seine Absichten wahr macht. Simba Dickie, so hatte Sieber betont, gehe es nicht darum, Synergieeffekt zu nutzen, sondern Märklin als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen. Sieber: "Märklin ist eine tolle Marke und ein tolles Unternehmen."