Märklin Märklin baut Erlebniswelt

Freuen sich auf die neue Erlebniswelt am Stammsitz von Märklin Göppingen (von links): Kreissparkassenchef Dr. Hariolf Teufel, Märklin-Chef Florian Sieber, OB Guido Till und Landrat Edgar Wolff.
Freuen sich auf die neue Erlebniswelt am Stammsitz von Märklin Göppingen (von links): Kreissparkassenchef Dr. Hariolf Teufel, Märklin-Chef Florian Sieber, OB Guido Till und Landrat Edgar Wolff. © Foto: Staufenpress
Göppingen / JOA SCHMID 16.09.2015
Paukenschlag wenige Tage vor Beginn der Internationalen Modellbahnausstellung in Göppingen: Märklin will am Stammsitz ein neues Museum bauen, um darin die geheimen Schätze des Turmzimmers zu präsentieren. Mit einem Kommentar von Joa Schmid.
Nicht nur für den Göppinger Oberbürgermeister Guido Till ist am Mittwoch nach eigener Aussage „ein Märchen wahr geworden“. Auch Landrat Edgar Wolff und der Vorstandschef der Göppinger Kreissparkasse, Dr. Hariolf Teufel, waren des Lobes voll für die Pläne des Göppinger Traditionsunternehmens Märklin, am Göppinger Stammsitz ein neues Museum für die bisher verborgenen Schätze des legendären Turmzimmers zu bauen.

Dort ist im Laufe der Jahre aus den sorgsam eingelagerten Musterteilen eine wertvolle Sammlung entstanden, die bisher einem breiteren Publikum verborgen blieb. Das soll sich ändern: Im zweiten Stock einer rund 150 Meter langen Produktionshalle entlang der Stuttgarter Straße soll eine 3000 Quadratmeter große Erlebniswelt entstehen, kündigte der geschäftsführende Gesellschafter Florian Sieber am Mittwoch, wenige Tage vor der Internationalen Modellbahnausstellung am Wochenende in Göppingen, an. Das bisherige Märklin-Museum in der Reutlinger Straße entspreche nicht dem „Glanz der Marke Märklin“, sagte Sieber. Um genug Platz für die Zufahrt von Bussen und Autos sowie für ein Restaurant, Seminarräume und einen Kinderbereich zu haben, hat Märklin die sich im Juni bietende Gelegenheit genutzt und das benachbarte Areal eines Dialysezentrums gekauft.

"Keine leblose Ausstellung"

Das neue Museum soll nicht nur für Sammler sein, erklärte Sieber. „Es soll keine leblose Ausstellung werden, sondern eine große Märklin-Erlebniswelt, mit imposanter Modellbahnanlage und neuesten technischen Features, die Kinder und Erwachsene aus aller Welt begeistert.“ Der Baubeginn des Zehn-Millionen-Euro-Projektes ist für nächstes Jahr vorgesehen. Sieber rechnet nach der Fertigstellung 2018 mit jährlich mehr als 150.000 Besuchern. Rund 7000 Exponate sollen gezeigt werden – darunter die „Storchenbein“ von 1891. Diebe hatten die älteste Märklin-Lok mit weiteren 180 Exponaten vor zehn Jahren aus dem Firmenmuseum geraubt und waren geschnappt worden. Der Millionen-Coup hatte damals international Aufsehen erregt. Die Beute im Wert von 1,7 Millionen Euro ging zurück an Märklin. „Einmalige Exponate, Handmuster und Zeichnungen sind Zeitzeugen einer turbulenten Historie von 1859 bis in die Gegenwart“, machte Sieber neugierig auf die Schätze des Göppinger Traditionsunternehmens.

"Sammlung ist wertvolles Kulturgut"

Möglich gemacht hat dies die Göppinger Kreissparkasse, die die auf einen Wert von fünf bis sieben Millionen Euro taxierte Sammlung kaufen, in eine Stiftung überführen und Märklin für die Ausstellung überlassen will. Im Gegenzug verpflichtet sich Märklin, den Kauferlös für den Bau des Museums zu verwenden und etwa zehn Prozent der jährlichen Eintrittserlöse an die Stiftung zurückzuführen. Private Sammler haben die Möglichkeit, das Stiftungsvermögen mit ihren Exponaten zu erweitern. Von dieser Lösung, – die notwendige Zustimmung des Verwaltungsrats der Kreissparkasse im Dezember gilt als sicher – profitierten alle Beteiligten, meinte Sieber. Der Firmenchef machte kein Geheimnis daraus, dass Märklin angesichts der hohen strategischen Investitionen in die Produktion in Göppingen und Ungarn das Zehn-Millionen-Projekt allein nicht hätte stemmen können. „Damit sind wir sicher, dass uns die Sammlung am Stammsitz erhalten bleibt und uns zur Verfügung steht“, sagte der Märklin-Chef.

Ebenfalls von der Stiftungslösung überzeugt, zeigte sich Kreissparkassen-Chef Teufel. Als einzigartiges Ensemble sei die Sammlung ein wertvolles Kulturgut, das es zu schützen gelte. Dem konnte Landrat Edgar Wolff nur zustimmen. Die Kreissparkasse übernehme einmal mehr gesellschaftliche Verantwortung. Der Landrat und OB Guido Till dankten der Unternehmerfamilie Sieber für ihr Engagement in Göppingen. „Das ist ein Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort und die Sicherung eines Traditionsunternehmens.“ Der 30-jährige Märklin-Geschäftsführer ist sich mit Oberbürgermeister Guido Till einig: „Mit dem neuen Märklin Museum bietet sich eine einmalige Chance, einen echten Besuchermagneten für die Region Göppingen zu schaffen.“

Ein Kommentar von Joa Schmid: Große Chance für die Überschrift des Kommentars

Damit war nur zwei Jahre nach der Übernahme von Märklin durch den Fürther Spielwarenhersteller Simba Dickie nicht zu rechnen: Das Unternehmen investiert nicht nur Millionen in die Produktion, sondern sorgt auch noch für den Erhalt eines unbezahlbaren Kulturguts am Stammsitz in Göppingen. Dass sich Märklin um die Schätze des Turmzimmers kümmert und einem breiten Publikum zugänglich machen will, ist nur zu begrüßen und dürfte nicht nur Modellbahn-Anhänger begeistern.
In der Tat bietet sich mit der Erlebniswelt die einmalige Chance, einen echten Besuchermagneten für die Region Göppingen zu schaffen. Landkreis und Stadt Göppingen haben allen Grund, sich darüber zu freuen. Die Lorbeeren für den Coup hat sich aber vor allem die Göppinger Kreissparkasse verdient. Mit ihrer weiteren Stiftungsidee macht sie die Finanzierung des ambitionierten Zehn-Millionen-Euro-Projektes erst möglich. Märklin allein hätte das Museum momentan nicht stemmen können.
Die Zustimmung dürfte den Verwaltungsratsmitgliedern des Geldinstituts nicht schwer fallen. Immerhin verbindet sich mit dem Kauf der Sammlung und der Gründung der Stiftung auch die Förderung eines bedeutenden Wirtschaftsunternehmens und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen. Vom Tourismus ganz zu schweigen. Auch wenn es darum geht, die Strahlkraft der Region Göppingen zu steigern, ist dieses Projekt goldrichtig.

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