Göppingen Märchenfest lockt Familien auf den Hohenstaufen

Göppingen / WERNER SCHMIDT 17.08.2015
Esel, Ponys, Hunde, Fledermäuse - eine reiche Auswahl an Tieren bot das Märchenfest, das am Samstag auf dem Hohenstaufen stattfand. Dabei gab es für die vielen Kinder sehr viel Wissenswertes.

Die beiden Esel Daisy und Leopold vom Tierpark Göppingen ließen sich am Samtag beim Märchenfest auf dem Hohenstaufen unermüdlich mit Karotten füttern. Und die Kinder erfuhren, dass Esel keinesfalls stur sind, wie man ihnen gerne nachsagt, sondern nur extrem vorsichtig. Wenn sie glauben, es bestehe Gefahr, bleiben sie stehen, wo zum Beispiel Pferde als Fluchttiere davon rennen.

Fledermäuse dagegen sind Tiere, die sich zu wehren wissen, berichtete Ilona Bausenwein, "Fledermausmutter" aus Tübingen. Bei ihr zuhause leben derzeit noch 72 der fliegenden Säugetiere. Sie habe eine Fledermausklinik und kümmere sich um kranke und verletzte Tiere. Und sie erzählt und berichtet und erzählt, dabei jagt eine Anekdote die nächste, wie zum Beispiel diejenige, als sie allerdings schon vor Jahrzehnten Fledermäuse unter ihren Achseln mit sich herum trug. Die Tiere lieben den menschlichen Herzschlag und halten sich gern in der Wärme der menschlichen Achseln auf. Nun ging Ilona Bausenwein mit einigen der Tiere zur Bank, musste warten und offenbar wurde es den Tieren ebenso langweilig wie ihr selbst, und sie lugten aus dem Ausschnitt heraus. Die Bankmitarbeiterin sah nur die Krallen aus dem Ausschnitt herauskrauchen, wurde bleich und fiel in Ohnmacht.

Fledermäuse haben spitze Zähnchen und schrecken auch nicht davor zurück, sie einzusetzen. So manche Katze, die glaubte, mit den kleinen Tieren leichtes Spiel haben, trägt heute noch die Narben im Gesicht. Dabei seien die Tiere gleichzeitig gute Wachhunde: Auf einen Paketbote, der unvorsichtigerweise zwei Schritt zu weit in die Wohnung gegangen sei, sei einer ihrer Pflegefledermäuse mit an die 40 Zentimeter Spannweite zugeflogen. Der Postbote sei schreiend davon gelaufen.

Die Tiere seien hervorragende Futterverwerter und fressen in der Nacht bis zu 6000 Mücken. Der beste Schutz also gegen die zunehmende Zahl tropischer Mücken bei uns, die auch Krankheiten übertrügen. Ihr Kot wiederum sei das beste Düngemittel für Orchideen, das man sich vorstellen könne.

Andreas Schweickert, Veranstalter des Märchenfestes und Geschäftsführer des Restauranst "Himmel & Erde", möchte im Wald und auf der Burgruine auch Fledermäuse ansiedeln. Die Kästen, in denen sie unterkommen, hängen schon, es fehlen nur die Tiere, die sie nutzen. Das Märchenfest ist Teil des Programms, mit dem Schweickert den geschichtsträchtigen Berg wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen rücken möchte: "Er soll zur Begegnungsstätte und zum Ausflugsziel für die Naherholung werden." Daher habe die Gaststätte in den Sommerferien die ganze Woche über geöffnet (montags ist allerdings Ruhetag).

Ein Ziel, das für Markus Wenetiou aus Ebershausen schon erreicht ist. Er war mit Frau und den eineinhalb Jahre alten Zwillingen Sarai und Taira beim Märchenfest und stellte fest: "Ich war schon ewig nicht mehr hier oben." Die Aussicht gefalle ihm besonders gut, und dann die Tiere und die Möglichkeit, Fledermäuse mal aus der Nähe anzusehen: "Einfach toll."