Rechberghausen Märchenhaftes Natur-Schauspiel

Matthias Störr lässt drei ungleiche Königssöhne durch die kreativ in Szene gesetzte Welt ziehen. Nur der Jüngste achtet die Natur – und wird dafür belohnt. 
Matthias Störr lässt drei ungleiche Königssöhne durch die kreativ in Szene gesetzte Welt ziehen. Nur der Jüngste achtet die Natur – und wird dafür belohnt.  © Foto: Sabine Ackermann
Rechberghausen / Sabine Ackermann 27.08.2018
Stimmungsvoll präsentierte „TamBambura“ Grimms Natur-Märchen „Die Bienenkönigin“ in Rechberghausen, wo nur der Dummling die Natur zu schätzen wusste.

Fast ein wenig mystisch erklingt die Melodie, die man schon von weitem hört. Mit geschmeidigen Schritten kommt der ganz in beige gekleidete Spielmann mit seinem Saxofon auf die Bühne, hält kurz mit der Musik inne und sagt: „Guten Tag, hallo. Ohhh… hört, hört den Wind, seht die Tiere“. Es ist Matthias Störr vom Ludwigsburger Theater „TamBambura“, der mit großen staunenden Augen intensiv auf die Kinder blickt und diese fast aufzufordern scheint: „Riecht das Moos, das Wasser und schmeckt den Honig“.

Den meisten Anwesenden ist das Natur-Märchen aus dem Fundus der Gebrüder Grimm eher unbekannt und gleich vorne weg – die Namensgeberin summt relativ spät durch die kreativ in Szene gesetzte Landschaft. „Kommt jetzt gleich die Bienenkönigin?“, möchte ein Mädchen wissen. Doch ihre Frage bleibt unbeantwortet, erst nach dem Stück widmet sich der Schauspieler den jungen Zuschauern.

Wieder einmal sind es die Königssöhne, die durch die Welt ziehen. Während zwei von ihnen nur auf Spaß und Zerstörung aus sind, rettet der Jüngste, den alle und insbesondere seine Brüder als „Dummling“ verspotten, die fleißigen Ameisen, Enten und Bienen. Gerade, als es am Schluss darum geht, drei schwierige Aufgaben zu lösen, um das Schloss zu entzaubern und die Königstochter aus dem Schlaf zu befreien, sind es die Tiere, die dem Jüngsten in seiner Not helfen.

An Kreativität mangelte es der Aufführung nicht. Gut gelöst war die Darstellung des Ameisenhaufens, in dem nur die älteren Brüder herumstocherten und höhnisch meinten: „Diese Winzlinge, die braucht doch eh keiner.“ Unentwegt wuselten die Finger von Matthias Störr durch einen Berg von einfachen Papierstreifen und zur Freude der Kinder, auch durch so manchen Haarschopf.

Gleichfalls schön anzusehen, die originelle Demonstration mit blauem und grünem Krepppapier, die Wasser und Moos für die gefalteten Papier-Enten darstellten. Wurden so mit relativ einfachen Mitteln die optischen Sinne angeregt, legt der „Theatergestalter mit Leib und Seele“ gleichfalls Wert auf Gesang und Live-Musik mit Sopran- und Altsaxofon, Melodica, Querflöte, Surprisafon (Synthesizer) und Percussion. Darüber hinaus präsentiert Matthias Störr immer wieder naturgetreue Geräusche aus Wald und Flur. Unterschiedliche Rhythmen, Töne sowie Vogelgezwitscher oder Wasserplätschern wurden hintereinander auf einer „Loop-Station“ aufgenommen und dann passend zur Handlung in Dauerschleife wiedergegeben.

„Wir sind Cousinen“, verraten die fünfjährige Marie und die ein Jahr ältere Lena, beiden Mädchen hat die Aufführung wie Oma und Opa ganz gut gefallen. Das bestätigen auch Renate Molitor und Gerald Staber aus Ebersbach. „Wir sind heute zum ersten Mal bei der Kindertheaterwoche, wollten da aber schon immer mal hin.“

Publikumsliebling ist wie 2017 Doris Batzler

Gewinner Die Kinder bewerten am Schluss jedes Stück mit einem Smiley wie: „super“, „naja“ oder „schlecht“. Über den ersten Platz darf sich das Doris Batzler Theater aus Karlsruhe mit dem Stück: „Rudi, der Zwerg aus dem Märchenland“ freuen. Platz zwei geht an das Reutlinger Theater Sturmvogel mit: „Der Wolf und die kleinen Geißlein“ und an dritter Stelle steht das Blinklichter Theater aus St. Leon-Rot mit: „Ich mach dich gesund, sagte der Bär“.

Besucher Über 1100 Theaterfans (mehr als 2017), darunter viele Erwachsene, sahen an acht Tagen acht Aufführungen. Mit circa 200 Zuschauern war am Montag das „marotte Tournee-Ensemble“ aus Karlsruhe am besten besucht. Die Hör- und Schaubühne Stuttgart reduzierte die Zuschauerzahl auf 60 Kinder, diese saßen in dem Freitags-Stück „Briefe vom Maulwurf an den Hasen“ im Zelt oder direkt davor auf der Bühne.

Ausverkauft heißt nicht gleich rappelvoll. Aufgrund der oftmals recht kleinen Figuren reduzieren manche Theater die Besucherzahl bewusst auf 120 Gäste. Insofern wird im vorderen Bereich für höchstens 130 Zuschauer und dahinter für 90 bestuhlt.

Abo Nicht mehr so gut wie in den ersten Jahren laufen die Abo-Karten, wo man vier kombinierbare Vorstellungen zum Preis für drei bekommt. Mittlerweile entscheiden sich auch viele Besucher kurzfristig an der Nachmittagskasse. ack

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