Ortsbild Mächtige Scheuer sucht "Liebhaber"

Der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl vor einem Ensemble, das so nicht bleiben wird. Für das Wohnhaus links läuft die Uhr ab, für die Scheuer werden Interessenten gesucht.
Der Gammelshäuser Bürgermeister Daniel Kohl vor einem Ensemble, das so nicht bleiben wird. Für das Wohnhaus links läuft die Uhr ab, für die Scheuer werden Interessenten gesucht. © Foto: STAUFENPRESS
JÜRGEN SCHÄFER 23.09.2015
Ein ortsbildprägendes Gebäude in Gammelshausen steht auf der Kippe: Der Gemeinderat sucht Interessenten für die alte mächtige Scheuer gegenüber des Rathauses. Das benachbarte Wohnhaus soll fallen.
Schon einmal hat Gammelshausen ein Haus für einen Euro verkauft, um es zu erhalten. Daraus ist ein Schmuckstück geworden. An die Erfolgsgeschichte des alten Rathauses erinnerten Bernhard Mürter und Dr. Christoph Grünwald ihre Ratskollegen. Und gewannen sie für die Idee, es auch bei der Scheuer in der Ortsmitte zu versuchen, die die Gemeinde letztes Jahr gekauft hat.

Jetzt sucht Gammelshausen „Liebhaber“ für das vielleicht hundert Jahre alte Gebäude, das hoch aufragt und einen galerieartigen Innenraum hat. Über eine senkrechte Leiter erschließen sich drei, vier Ebenen. „Das hat Charme“, sagt Bürgermeister Daniel Kohl. Nur: „ So schön und frisch es von außen aussieht, umso desolater ist es innen.“ Eine Heizung fehlt, Fenster sind Mangelware. Der Sanierungsaufwand sei sicher siebenstellig.

Kohl hat abgeklopft, ob man es als Dorfgemeinschaftshaus oder gar Museum nutzen könne. Es wollte auch schon mal ein Verein einziehen. Fördertöpfe gäbe es. Nur müsste die Gemeinde Bauherr sein, und das könne sie mit ihrer knappen Kasse nicht schultern. Kohl: „Das ist schlicht utopisch.“

Die Erhaltung hätte indes auch Haken. Der eine ist handfest: Die Scheuer sei „ein gewisser Störfaktor“ für den geplanten Gehweg, der an der Nordseite entlangführen soll, weil dahinter das Mehrfamilienhaus für Alt und Jung entsteht. Anderthalb Meter Breite – „man schafft das nur unter erschwerten Bedingungen“, sagt Kohl. Der Schultes hält den Gehweg jetzt schon für dringend angebracht. Weil es ein Schul- und Spazierweg sei, auf dem auch landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs seien.

Das zweite Handicap: Bleibt die Scheuer, dann lässt sich eine Fläche von fast elf Ar nicht mehr frei überplanen. Die Gemeinde hat Ende letzten Jahres die Scheuer mit zugehörigem alten Bauernhaus gekauft, weil es mitten im Ort liegt. „Ein Filetstück“, sagt Kohl. Ein Dorfplatz könnte dort entstehen, in Verbindung mit einer verschmälerten Hauptstraße und breiten Gehwegen wie in Gruibingen.

Ein Dorfmittelpunkt würde geschaffen, vielleicht noch durch farbigen Asphalt betont, und unmittelbar erkennbar für jeden Autofahrer, anders als der seitliche Platz vor dem Gemeindehaus. Auch ein Wohn- und Geschäftshaus sei auf dem Areal denkbar, so Kohl.

Auch der vorläufige Erhalt der Scheuer ist ein Thema. Walter Krummrein schlug vor, sie bis auf weiteres als Unterstellmöglichkeit für Wohnwagen und ähnliches zu vermieten. Aber es tickt eine Uhr. Nur bis 2017 gibt es Zuschüsse aus der Ortskernsanierung, sei es für den Umbau oder Abbruch. Und schon nächstes Frühjahr soll der Bau des Mehrfamilienhauses im Rückraum anlaufen. Friedrich Weiß warnte: „Es wäre fatal, wenn wir uns verkünsteln mit dem Gehweg, und dann wird das Gebäude doch abgerissen.“

Das zugehörige Wohnhaus mache eigentlich einen bewohnbaren Eindruck, sagt Kohl. Aber als Asyl-Quartier scheide es aus. Man müsste 50 000 bis 80 000 Euro investieren, und dann gäbe es noch das Problem der Feuchtigkeit.