Göppingen Luther-Gemeinde sagt Kirche Goodbye

Am Ende des Abschiedsgottesdienstes wurden die liturgischen Geräte, Kreuze und die Altarbibel feierlich aus der Kirche getragen.
Am Ende des Abschiedsgottesdienstes wurden die liturgischen Geräte, Kreuze und die Altarbibel feierlich aus der Kirche getragen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Susann Schönfelder 27.08.2018
Im Jahr 2014 wurde die Martin-Luther-Kirche im Bodenfeld an die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Jakob verkauft. Gestern hieß es für die evangelischen Gläubigen endgültig, Abschied zu nehmen.

Das ist schon eine schwere Sache“, räumt Pfarrer Ekkehard Käss ein. „Wir hatten bisher eine große Kirche mit Orgel und jetzt haben wir nur noch einen kleinen Gemeinderaum.“ Bei dem Geistlichen und den evangelischen Gemeindemitgliedern schwingt eine gehörige Portion Wehmut mit: Gestern haben sie „ihrer“ Martin-Luther-Kirche im Göppinger Bodenfeld Lebewohl gesagt – mit einem Abschiedsgottesdienst, bei dem zum letzten Mal die Orgel erklang. Zum Schluss wurden die liturgischen Geräte, Kreuze und die Altarbibel feierlich hinausgetragen.

Künftig hat die Martin-Luther-Gemeinde ihr Domizil in einem neuen, 100 Quadratmeter großen Gemeinderaum in der Fuchseckstraße, in dem neuen Quartier auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Berner. Grund für die Verkleinerung: der Rückgang der evangelischen Kirchenbesucher. „Zu der Zeit, als die Kirche geplant wurde, hatte die Gemeinde 3000 Mitglieder“, sagt Käss. Heute seien es gerade noch 630, vor allem im Göppinger Süden gingen die Mitgliederzahlen bei den Protestanten stark zurück. „Und es ziehen viele nicht-evangelische Leute nach“, weiß der Pfarrer. Etwa 15 Besucher kämen zu den sonntäglichen Gottesdiensten. Das sei wenig, aber nicht schlechter als der Durchschnitt, betont Ekkehard Käss und verweist darauf, dass die Martin-Luther-Gemeinde eine eher kleine Gemeinde in Göppingen ist.

Nichtsdestotrotz: „Die Kirche ist viel zu groß“, sagte Dekan Rolf Ulmer vor vier Jahren. „Die Gemeinde kann die Räume nicht mehr füllen.“ Die Kirchenleitung zog daher im Herbst 2014 die Reißleine. Als erste Kirche im Kirchenbezirk wurde das Gotteshaus im Bodenfeld samt Nebenräumen und Kindergarten verkauft: Die syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde St. Jakob übernahm das 1820 Quadratmeter große Gelände und die 1270 Quadratmeter große Immobilie. Über den Kaufpreis der vor etwa 25 Jahren modernisierten Immobilie schwiegen sich beide Seiten damals aus. Ekkehard Käss verrät aber: Der Verkaufserlös floss in die neue Bleibe in der Fuchseckstraße, „also der eine Raum kostet so viel wie die ganze Kirche“.

Zwischen dem Verkauf des Gotteshauses und der Fertigstellung des künftigen Domizils waren die evangelischen Christen Gast in ihrer ehemaligen Kirche – zur Miete. Pfarrer Ekkehard Käss konnte und kann weiter im Pfarrhaus wohnen, denn es wurde nicht mitverkauft. Die evangelische Kirchengemeinde im Bodenfeld ganz aufzulösen, sei nie ein Thema gewesen, hatte Dekan Ulmer damals ausdrücklich betont.

Für die syrisch-orthodoxe Gemeinde St. Jakob ging mit dem Kauf damals ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Rund 1000 Mitglieder hat die Gemeinde. Der Landkreis Göppingen ist eine Hochburg der syrisch-orthodoxen Kirche. Von 12 000 bis 15 000 Mitgliedern in Baden-Württemberg lebt grob ein Fünftel im Kreis Göppingen.

Eine Ära geht zu Ende

Für die Martin-Luther-Gemeinde ging gestern eine Ära zu Ende. Sie wird sich jetzt in dem neuen Raum einleben müssen. Pfarrer Käss wird die Orgel sehr fehlen. Künftig werde eine elektronische Orgel zum Einsatz kommen, kündigt er an. Aber auch andere Musikinstrumente sollen den Gesang beim Gottesdienst begleiten. Der Spielenachmittag bleibe bestehen, und auch „der lebendige Chor“ werde wie bisher aktiv sein. „So schlecht sind wir gar nicht“, meint der Geistliche fast trotzig.

Offizielle Einweihung am 30. September

Neues Domizil Zum 1. September zieht die Martin-Luther-Gemeinde im Göppinger Bodenfeld in den neuen Gemeinderaum in der Fuchseckstraße. Offiziell eingeweiht wird die neue Bleibe am Sonntag, 30. September, um 10 Uhr.

Gottesdienst Der erste Gottesdienst im neuen Gemeindesaal findet am Sonntag, 9. September, um 9.15 Uhr statt. „Ich hoffe, dass bis dahin alles betriebsfertig ist“, sagt Pfarrer Ekkehard Käss.

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